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Ausgabe 22/2026 vom 29. Mai 2026
Wie verzweifelt ist Putin?
Nicht sonderlich, wenn man sich in Moskau umhört.
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ABO

Lawrow ruft Rubio an: Angriff auf Kiew?

Die Warnung erfolgte auf hoher Ebene: Russlands Aussenminister Sergei Lawrow informierte seinen US-Kollegen Marco Rubio über geplante Schläge auf «Entscheidungszentren» in Kiew. Die USA sollten ihre Botschaft evakuieren. Folgen hatte es bis jetzt nicht. Einhellig versicherte der Westen, dass man sich nicht einschüchtern lasse. Ausserdem verstiessen Angriffe auf diplomatische Vertretungen gegen das humanitäre Völkerrecht. Schön, dass sich das herumgesprochen hat. Als die USA 1999 Chinas Belgrader Botschaft bombardierten, sah man das nicht so eng. Zwar hat Moskau seine Drohung noch nicht wahr gemacht. Aber dass sie ausgesprochen wurde, zeigt, wie die Einsätze steigen. Der Ukraine-Krieg war stets ein Konflikt zwischen Russland und dem Westen; doch inzwischen rücken die Kontrahenten immer näher an einen direkten Schlagabtausch. Im Westen scheint man laut pfeifend durch den dunklen Wald zu laufen, taub und blind für die lauernden Gefahren. Russland verliert, tönt es derzeit. Hat nicht Putin selbst gesagt, dass der Krieg sich dem Ende zuneige? Aber was, wenn er keine Verhandlungen meinte, sondern eine Entscheidungsschlacht? Der Präsident steht unter Druck, die Samthandschuhe auszuziehen und die Sache zu Ende zu bringen. Diese Sache wird nicht besser durch den Umstand, dass Trumps Interesse erloschen ist, weil er im Iran-Sumpf versinkt. Wie Schlafwandler seien Europas Führer in den Ersten Weltkrieg getaumelt, schrieb der Historiker Christopher Clark. Wiederholt sich die Geschichte?
ABO

Magyar: EU-Gelder ja, Ukraine-Beitritt nein

Ungarns Ministerpräsident Péter Magyar will bei Gesprächen in Brüssel die Freigabe eingefrorener EU-Mittel erreichen und zugleich an der ungarischen Vetodrohung gegen einen EU-Beitritt der Ukraine festhalten. Dies berichtet Euractiv. Der Regierungschef kündigte an, mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte, dem belgischen Premierminister Bart De Wever und EU-Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen zusammenzutreffen. Magyar stellte mehrere Reformschritte in Aussicht, etwa den Beitritt zur Europäischen Staatsanwaltschaft (EPPO) und Freiheitsstrafen für Politiker, die falsche Vermögensangaben machten. Nach Angaben Magyars wurde ausserdem eine vorläufige Einigung mit der Europäischen Kommission über die umstrittenen Stiftungen zur Vermögensverwaltung im öffentlichen Interesse erzielt, die ungarische Universitäten beaufsichtigen. Ungarn muss bis Ende August zahlreiche Reformen im Bereich Rechtsstaatlichkeit umsetzen, um Zugang zu blockierten EU-Mitteln zu erhalten. Magyar hofft, mehr als eine Milliarde Euro für Investitionen in Stromnetze, Eisenbahnen und die Ungarische Entwicklungsbank freizusetzen. Langfristig strebt Budapest die Freigabe von 10,4 Milliarden Euro an Wiederaufbaugeldern sowie weiteren 7 Milliarden Euro an Kohäsionsmitteln an. Ein EU-Vertreter sagte laut Euractiv: «Die Kommission tut alles, um Budapest voranzubringen, aber es ist unwahrscheinlich, dass sie die angestrebten 10 Milliarden Euro erhalten werden.» Gleichzeitig bekräftigte Magyar, Ungarn werde Fortschritte im EU-Beitrittsprozess der Ukraine nur unterstützen, wenn die Rechte der ungarischen Minderheit im ukrainischen Transkarpatien wiederhergestellt würden.

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