Arbeitnehmervertreter der Mercedes-Benz-Werke haben Bundeskanzler Friedrich Merz in einem offenen Brief eindringlich vor den Folgen der geplanten Sozial- und Rentenreformen gewarnt. Die Initiative der IG Metall-Vertrauensleute, die nach eigenen Angaben rund 100.000 Beschäftigte in den grössten Mercedes-Standorten vertreten, fordert die Bundesregierung auf, zentrale Reformvorhaben zu überdenken. Die Pläne seien «weltfremd» und gefährdeten den sozialen Zusammenhalt. Die österreichische Kronen-Zeitung berichtet.
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In dem Schreiben wenden sich die Gewerkschafter insbesondere gegen die geplante Abschaffung des abschlagsfreien Renteneintritts nach 45 Beitragsjahren, gegen eine Lockerung des Achtstunden-Tages sowie gegen Einschränkungen bei der Altersteilzeit. Zugleich kritisieren sie Äusserungen von Vertretern der Bundesregierung, wonach Arbeitnehmer «zu faul, zu teuer» oder zu häufig krank seien. Solche Aussagen würden die Stimmung in den Betrieben zusätzlich verschärfen.
«Mit den Sorgen der Kolleg wächst die Wut», heisst es in dem Brief. Viele Beschäftigte hätten zunehmend den Eindruck, dass ihre Interessen in Berlin nicht mehr ausreichend vertreten würden. Diese Entwicklung sei «fatal», weil sie politischen Kräften ausserhalb der Mitte Vorschub leisten könne. Längere Arbeitszeiten, ein späterer Renteneintritt sowie höhere Belastungen im Gesundheitswesen würden von vielen Beschäftigten als direkter Angriff auf ihre Lebensrealität wahrgenommen.
Besonders scharf kritisieren die Arbeitnehmervertreter die geplante Abschaffung des abschlagsfreien Renteneintritts nach 45 Versicherungsjahren. Wer körperlich belastende Tätigkeiten an einer Montagelinie oder in einer Giesserei verrichte, könne kaum bis zum Alter von 70 Jahren arbeiten, argumentieren sie.
Unterstützung erhält die Initiative von der IG Metall. Ein Sprecher erklärte, der Brief stehe exemplarisch für die angespannte Stimmung in zahlreichen Industriebetrieben. Gleichzeitig verweisen die Arbeitnehmervertreter auf die schwierige wirtschaftliche Lage von Mercedes-Benz. Der Autobauer kämpft mit rückläufigen Pkw-Verkäufen und sinkenden Gewinnen und setzt ein Sparprogramm um. Notwendige Reformen dürften nach Ansicht der Beschäftigten jedoch nicht einseitig zulasten der Arbeitnehmer erfolgen.