Die spanische Regierung soll laut einem Medienbericht Warnungen der eigenen Nachrichtendienste vor einer bevorstehenden Migrationswelle nach Ceuta ignoriert haben. Wie die Zeitung «The Objective» unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, hätten die Geheimdienste Madrid bereits Wochen vor der Eskalation mehrmals auf Anzeichen für einen koordinierten Grenzansturm hingewiesen. Trotzdem seien weder zusätzliche Sicherungsmassnahmen getroffen noch das Militär rechtzeitig mobilisiert worden.
Xinhua News Agency.All Rights Reserved
Den Angaben zufolge gingen die Nachrichtendienste davon aus, dass Marokkos König Mohammed VI. anlässlich seines Thronjubiläums einen «Akt der Grosszügigkeit» an der Grenze zulassen könnte. In den folgenden Tagen hätten die Behörden wiederholt Hinweise auf Schwimmübertritte sowie auf Busse erhalten, die Menschen aus verschiedenen Landesteilen Marokkos in den Grenzraum brachten.
Bereits in den zehn Tagen vor der Eskalation erreichten laut dem Bericht rund 1000 Migranten die spanische Exklave. Die Geheimdienste werteten dies demnach als möglichen Testlauf der marokkanischen Behörden. Kurz vor dem grossen Grenzansturm in der vergangenen Woche hätten sie die Zentralregierung erneut gewarnt.
Nach Darstellung der zitierten Sicherheitsquellen verzichtete Madrid dennoch darauf, die in Ceuta und Melilla stationierten Streitkräfte zur Unterstützung der Grenzsicherung einzusetzen. Die dortigen Garnisonen hätten ohne grösseren Vorlauf mobilisiert werden können. «Man hätte die Truppen ohne vorbereitende Sitzungen mobilisieren können, allein auf Grundlage einer politischen Entscheidung und des Befehls des Einsatzkommandos», zitiert «The Objective» eine mit den Abläufen vertraute Quelle.
Auch das Verhalten der marokkanischen Sicherheitskräfte wird in dem Bericht kritisiert. Ein Angehöriger der spanischen Guardia Civil erklärte gegenüber der Zeitung, die königliche Gendarmerie auf marokkanischer Seite habe während des massiven Grenzansturms zunächst nicht eingegriffen und stattdessen «tatenlos zugesehen».