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«Gruetze mitanand, ich begrüsse Sie ganz herzl einer weiteren Ausgabe von Weltwoche Daily, spezial Meilensteine der Schweizer Geschichte. Mein Name ist Roman Zeller und neben mir bereits steht schon der Weltwoche-Haushistoriker Professor Christoph Mörgeli. Wir befinden uns im... Zentrum von Winterthur. Lieber Christoph, was ist das Thema der heutigen Sendung? Was ist der Meilenstein der Schweizer Geschichte? Grüezi miteinander. Hier im Zentrum der früheren, zum Teil heute noch, Industriestadt Winterthur befindet sich hinter uns das ehemalige Hauptgebäude der Weltfirma Gebrüder Volkart. So muss man das wirklich sagen. Eine Handelsfirma mit Weltruf, mit weltumspannenden Beziehungen, die sehr, sehr viel für Winterthur und die Schweiz geleistet hat. Ich muss aber sagen, dass dieses Gebäude heute anders genutzt wird. Es ist so eine Mischung zwischen Klassizismus und neuer Sachlichkeit. Dieser Rundbau, ein Symbol, könnte man fast sagen, von Winterthur, ein Wiedererkennungszeichen, wurde 1927, 1928 errichtet nach Plänen der Architekten Rittmeier und Fuhrer. Und heute ist darin? Heute ist darin die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften. Das ist so seit 1996. Ist also eine Hochschule, wird zu Ausbildungszwecken zur höheren Bildung verwendet und ist nicht mehr privatwirtschaftlich. nicht mehr ein Handelshaus. Die Brüder Volkart, wer waren sie, was haben sie gemacht, was haben sie geleistet, worum geht es da? Die Gebrüder Salomon und Johann Georg Volkart waren früh kaufmännisch tätig in der Textilindustrie, Spinnerei, Werberei, Weberei, aber auch im Baumwollhandel und sie haben 1851 sich. diese spätere Weltfirma gegründet. Warum? Einerseits war der liberale Bundesstaat eine Voraussetzung, sicher von 1848, schuf günstige wirtschaftliche Bedingungen. Dann war es aber auch das Jahrhundert Englands, Grossbritanniens, welches das 19. Jahrhundert als Weltmacht gewissermassen die Welt beherrscht hat. und einen Freihandel geschaffen hat. Also die Briten waren, was den weltweiten Handel betrifft, ebenfalls ausserordentlich großzügig und liberal. Und das hat diesen Gebrüdern Salomon und Johann Georg Volkart ermöglicht, ein Handelshaus zu errichten, wobei am Anfang vor allem der Handel mit Indien eine grosse Rolle spielte. diese britische Kolonie Indien. Von da hat man sehr wichtige Güter exportiert bzw. importiert in westliche Länder und andere Produkte von hier dorthin exportiert. Wer waren diese Gebrüder? Wie sind sie aufgewachsen? Was gibt es über ihren Hintergrund zu sagen bzw. was müssen wir wissen? Sie sind bereits in gutbürgerlichen Verhältnissen aufgewachsen, konnten sich auch gut ausbilden. Sie waren kosmopolitisch, haben Sprachen beherrscht, haben auch andere Kontinente schon früh besuchen können und hatten dann eben den Mut, als Pioniere ein solches Handelshaus aufzubauen. Man muss sich vorstellen, was das hieß in der damaligen Zeit, was zum Beispiel die Kommunikation betrifft. Ein Brief von Indien in die Schweiz und umgekehrt hatte etwa zwei Monate. Es gab Wetter. Den Telegrafen für eine kurzzeitige Übermittlung von Nachrichten, der wurde dann erst 1865 entdeckt und es gab auch noch keinen Suezkanal, der 1869 eröffnet wurde. Das heisst, die Schiffe mussten... südlich von Afrika passieren. Das waren ausserordentlich lange Wege, um eben ein solches Export-Importgeschäft für wichtige Rohstoffe, wichtige Güter zu betreiben. Wie kamen Sie in dieses Handelsbusiness? Was hat Sie da hineingetrieben? Wie sind Sie darauf gekommen? Sie waren schon sehr früh im Textilbereich tätig. Das war eine Grundlage. der schweizerischen Industrialisierung im 18., dann vor allem im 19. Jahrhundert, die Weberei, die Spinnerei und der Rohstoff dazu war natürlich in erster Linie die Baumwolle. Und diese Baumwolle hat dann auch das Handelshaus Volkart reich und erfolgreich gemacht. Man hat aus Indien gesagt, Baumwolle in die Schweiz und in andere Länder. Man hat mit Kaffee gehandelt, mit Kautschuk, mit Tee, mit anderen Gütern und umgekehrt aus der Schweiz dann Textilien exportiert, Maschinen, Uhren, Papier und Ähnliches. Also alles, was eben hier produziert wurde. Und dieser Austausch hat funktioniert und hat tatsächlich dann hohe Gewinne abgeworfen. War das für Sie von Anfang an klar, dass Sie sich zusammentun werden, eine Firma gründen werden, eine Weltfirma quasi gründen? War das immer schon vorgespurt, vorgeplant? Die Brüder kamen gut miteinander aus und haben gut miteinander geschäftet. Sie haben sich ergänzt. Salomon ist dann etwas länger am Leben geblieben. Johann Georg Ich glaube, er ist früher gestorben, aber die beiden haben sich wirklich vorbildlich ergänzt und haben gut zusammengewirkt und hatten die gleiche Vision, nämlich einen solchen Transithandel. Und es war ja nicht nur so, dass man einfach in die Schweiz importiert hat Dinge aus Indien und dann später auch aus anderen Ländern, sondern man hat... hat diesen Transithandel so betrieben, dass solche Produkte in Drittländer überführt wurden. Und die Gewinne blieben dann hier in Winterthur, die blieben in der Schweiz. Und so hat das Handelshaus Gebrüder Volkart mitgeholfen, die Schweiz reich zu machen. Dann könnte man doch sagen, das waren wirklich erhebliche Margen, die man hier einstecken konnte. Es waren aber auch erhebliche Risiken, denken wir nur an die Transporte an die entsprechenden Gefährdungen, dass die Schiffe sicher ans Ziel kamen, dass sie versichert werden mussten und so weiter. Ganz so einfach war das nicht und überall mussten Niederlassungen betrieben werden. Zuerst war das vor allem an der Küste von Indien und man ließ die Produkte vom inneren Land an die Küste bringen. Das waren zuerst indische Kaufleute, die das gemacht haben. Mehr und mehr haben aber die Volkharts dann dafür gesorgt, dass auch im Inland bereits die Firma die Sache in die Hand genommen hat und so natürlich noch effizienter und noch gewinnbringender arbeiten konnte. Was war das Geniale an diesen Gebrüdern Volkart? Wie haben sie das gemacht? Ein Business rund um die ganze Welt, um Afrika, unglaubliche Handelswege, Verstrickungen, Vernetzungen bis nach Indien. Wie haben sie das bewerkstelligt, auf die Beine? gestellt. Was war da das Erfolgsrezept vielleicht? Sie haben schon davon profitiert, dass sich der asiatische Markt, der indische Markt geöffnet hat, dass die Briten eben dieses liberale Jahrhundert ermöglicht haben. Ansonsten wäre der Erfolg dieses Handelshauses nicht so gross geworden. Und sie konnten eben sich in diesem britisch beherrschten Markt auch als Schweizer sehr gut bewegen. Man hatte da praktisch keine... Nachteile als Ausländer, man wurde nicht diskriminiert in diesem Sinne, sondern die kleinen Schweizer aus dem doch damals recht kleinen Winterthur konnten sich auf den Weltmärkten behaupten. Das wuchs dann rasch über Indien hinaus. Das ging nach China, das ging nach Japan, das ging in viele andere Länder. Und es gab immer mehr Niederlassungen. Es gab Tausende von Mitarbeitern für die Gebrüder Volkart. In Winterthur waren es immer relativ wenige, vielleicht in Höchstzeiten 100 bis 200. Wie verlief der Aufstieg der Firma danach? Wie ging es weiter? Wie hat sich das über die Jahre entwickelt, etabliert? Ich habe gesagt, dass einer der Brüder relativ früh gestorben ist, schon 1861. Der andere war dann stiller Teilhaber. Es haben es andere geführt. Und als dann eine Lili Volkart, die Tochter von Salomon Volkart, einen Theodor Reinhardt geheiratet hat, Hat hat dieser Theodor Reinhardt das Geschäft übernommen. Und es war dann ab der zweiten Generation eigentlich die Familie Reinhardt, die diese Firma Gebrüder Volkart geprägt hat. Man war immer angewiesen auf die Konjunktur, auf die Weltwirtschaft. Das war ausserordentlich anfällig. Die Preise schwankten extrem für diese Rohstoffe. Das war auch unangenehm natürlich für die indischen Produzenten. Die waren dann vielfach sehr, sehr abhängig von einzelnen Rohstoffen. Je nachdem, ob es gut ging oder schlecht, hat sich das sofort ausgewirkt in wirtschaftlicher Not. Aber man hat immer auch Rücksicht nehmen müssen auf die politischen Bedingungen. Das war dann auch im 20. Jahrhundert der Fall. Die Weltwirtschaftskrise hat natürlich das Handelshaus enorm geprägt und mitgenommen. und dann die Indische Unabhängigkeitsbewegung ebenfalls. Man wollte sich ja von den Briten lösen. Mahatma Gandhi ist hier ein Stichwort, friedlicher Protest. Aber das hat natürlich das Handelshaus auch zu spüren bekommen. Heute diskutiert man auch den damit verbundenen Kolonialismus. Da darf man aber sagen, dass die Gebrüder Volkart die Produzenten in Asien sicher anständig behandelt haben. Und Im Rahmen der Zeit waren aber natürlich Rassentrennungen üblich. Also man hat da nicht mit den Indern zusammen den Tee eingenommen. Das war wirklich getrennt und das kann man aus heutiger Sicht diskutieren bzw. auch kritisieren. Das waren natürlich schon andere Zeiten. Aber auch die Kolonien haben profitiert von diesem Handel, wenn auch natürlich der grosse Gewinn schon hier in der Schweiz und in Winterthur bzw. im Westen geblieben ist. Was wurde aus dieser Firma? Was wurde aus diesem Konzern? Wie sieht das heute aus? Theodor Volkart als prägende Figur über viele Jahre hatte drei Söhne. Das war Oskar, das war Georg und das war Werner. Die haben sich zum Teil in der Firma weiterhin engagiert. Sie wurden aber auch ganz, ganz wichtig für das Mäzenatentum hier in Winterthur und weit darüber hinaus. Also... Es war eine sehr, sehr kunstsinnige Familie. Oskar ist ja eng verbunden und schon Vater Theodor mit der Bildenden Kunst, also ganz gewaltige Kunstsammler von exzellenten Bildern. Die Sammlung von Oskar Reinhardt einerseits hier in der Stadt, dann aber auch am Waldrand oben unter heute eidgenössischem Besitz, ist weltbekannt und hat einen riesigen Ruf. Andere Brüder haben sich dann mehr für Theater interessiert, für Literatur auch und hier entsprechende Förderung betrieben. Also die Familie Reinhardt war mit dem Mäzenatentum wirklich aufs Engste verknüpft und ist es heute noch. Man hat diesen Gewinn, den man damals erwirtschaftete, auch durchaus dem Gemeinwesen zukommen lassen. Was verdankt die Schweiz den Gebrüdern Volkart? Die Schweiz verdankt den Gebrüdern Volkart, wie ich gesagt habe, einen rechten Teil am Anstieg von Wohlstand. Da waren natürlich auch andere grosse Firmen beteiligt, aber man muss sich vorstellen, dass die Gebrüder Volkart bis Ende der 90er Jahre ein Viertel der Baumwolle. Handlungstätigkeit weltweit beherrschen. Das sind doch massive Zahlen. Im Kaffeehandel waren sie außerordentlich aktiv auch weiterhin und natürlich insgesamt denkt man schon auch an die prachtvollen Gemäldesammlungen, welche die Familie bzw. einzelne Angehörige dieser Familie Reinhardt der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt haben. Das ist ein... Schatz, der natürlich bleibt und das ist eine kulturelle Glanzleistung. Gibt es eigentlich die Familie Volkart noch? Du hast jetzt mehr über die Reinhardt aus heutiger Perspektive gesprochen. Was wurde aus den Volkarts? Es gab keine direkten Nachkommen mehr von den Gebrüdern Volkarts. Das waren dann wirklich die Reinhards. Andreas Reinhardt hat 1985 die Firma in fünfter Generation übernommen, ist dann aber Schritt für Schritt ausgestiegen aus dem Baumwollhandel Ende der 90er Jahre, aus dem Kaffeehandel und man hat sich dann vornehmlich konzentriert auf Stiftungen. Es wurde bereits zum 100-Jahr-Jubiläum dieser Gebrüder Volkart eine Volkart-Stiftung gegründet, die Förderungsmassnahmen trifft, die Gelder ausgeschüttet hat für soziale Zwecke, für kulturelle Zwecke, auch für... Medien und Museen. Andreas Reinhardt hat auch das Winterthurer Fotomuseum gestiftet. Und er hat sich dann aber auf andere Bereiche verlegt, vor allem Finanzindustrie. Zum Teil erfolgreich, zum Teil etwas weniger erfolgreich. Aber das ursprüngliche Geschäft der Gebrüder Volkart ist nicht mehr lebendig. Das gibt es nicht mehr. Dieses Gebäude hinter uns. Er ist übrigens Nachfolger von vielen anderen Firmensitzen zuvor, von dieser 1851 gegründeten Firma, die übrigens auch eigene Schiffe betrieb. Das erste Schiff war benannt nach dem ersten Wintertourer Bundespräsidenten Jonas Furrer, auch das recht interessant. Und die Gebrüder Volkart sind auch verknüpft mit der Bank in Winterthur, sie waren da wichtige Mitbegründer. Auch sehr gute Kunden. Und aus dieser Bank in Winterthur ist zusammen mit der Toggenburger Bank und anderen Fusionen die heutige Weltbank dieser Gewaltskoloss, würde ich fast sagen, UBS entstanden. Also auch hier die Gebrüder Volkart mit der heutigen UBS in einem wichtigen Kontakt. Welche Facette dieses unglaublichen Lebens, der Gebrüder Volkert, haben wir noch nicht beleuchtet. Was müsste man noch wissen, um diese beiden noch ein bisschen besser zu verstehen? Es ist einfach eine ganz erstaunliche Pionierleistung. Es brauchte ungeheuren Mut, hier in den Welthandel zu stürzen, als kleine Wintertourer-Familie, kleine Player ursprünglich, und dann eben so mitzumischen. Übrigens auch so, dass man sich dann zunehmend auch anderen Ländern zugewandt hat nach Asien, als sich dann die politische Lage veränderte. Man ist dann auch in den USA aktiv geworden, in Mexiko und so weiter. Also man war in zahlreichen Ländern mit zahlreichen Produkten vertreten in der besten Zeit. Aber diese beste Zeit ist Ende der 90er Jahre dann definitiv zu Ende gegangen. hat. Dieser... Rohstoffhandel, diese Art von Rohstoffhandel dann eben nicht mehr funktioniert. Lieber Christoph, ganz herzlichen Dank für diese Ausführungen. Ihnen danken wir ganz herzlich für die Aufmerksamkeit. Ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Samstag, ein schönes Wochenende und bis zum nächsten Mal bei Weltwoche Deli Spezial und vor allem den Meilensteinen der Schweizer Geschichte. Vielen Dank.

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Meilensteine der Schweizer Geschichte: Prof. Christoph Mörgeli über die Gebrüder Volkart und ihren Weltkonzern aus Winterthur

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Meilensteine der Schweizer Geschichte: Prof. Christoph Mörgeli über die Gebrüder Volkart und ihren Weltkonzern aus Winterthur
Meilensteine der Schweizer Geschichte: Prof. Christoph Mörgeli über die Gebrüder Volkart und ihren Weltkonzern aus Winterthur
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Kapitel

  1. Begrüssung und Einführung
  2. Geschichte des Volkart-Gebäudes
  3. Die Gebrüder Volkart und ihre Anfänge
  4. Geschäftsmodell und Handel der Gebrüder Volkart
  5. Zusammenarbeit und Geschäftsstrategie der Brüder
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