Grüezi miteinander. Ich begrüsse Sie ganz herzlich zu einer weiteren Ausgabe von Weltwoche Daily Spezial. Mein Name ist Roman Zeller und nehmen wir bereit, steht schon Professor Christoph Mörgeli. Wir sind in Brunnen, stehen auf dem Ausland-Schweizer-Platz. Lieber Christoph, was hat es da mit Aufsicht? Was ist das Thema der heutigen Sendung? Grüezi miteinander. Dieser Auslandschweizer Platz in der Region der Hafenanlage von Brunnen im Kanton Schwyz ist im Jahr 1991 eingeweiht worden, im Rahmen des Weges der Schweiz hier am Vierwaldstättersee, wo jeder Kanton auch einen bestimmten Abschnitt bekommen hat. Und das war als äusseres Ereignis damals die 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft. Und bei dieser Gelegenheit hat man sich auch an die sehr zahlreichen Auslandsschweizer erinnert und dann für sie eigentlich diesen Auslandsschweizer Platz gegründet. Warum? Was sind da die Überlegungen gewesen, die Gründe dafür? Die Schweiz ist viele Jahrhunderte lang ein Auswanderungsland. Sehr, sehr viele Menschen sind ausgewandert, haben irgendwo in der Welt, vielfach auch in den Nachbarländern, ihr Glück. Die Schweiz war ein armes Land lange Zeit, aber eben auch im 20. Jahrhundert durchaus eine grosse Auswanderung, die zu konstatieren ist, neben natürlich einer ebenso grossen und noch grösseren Zuwanderung in den letzten Jahrzehnten. Aber die Schweiz hat ungefähr fast 840'000 Auslandsschweizer. Zum Teil Doppelbürger, aber Schweizer, die irgendwo... im Ausland leben. Fast die Hälfte sind in den Nachbarländern der Schweiz, also unmittelbar in der Nachbarschaft. 64 Prozent sind in Europa und der Rest teilt sich in die ganze Welt auf. Ich glaube, von etwa 197 Staaten gibt es Schweizer in 192 Ländern. Einzige Nordkorea und ähnliche Länder haben keinen einzigen Schweizer Bürger. Wann hat diese Auswanderungsgeschichte der Schweiz begonnen? Wohin führt das zurück und was waren damals die Ursachen, die Schweizerinnen und Schweizer ins Ausland gezogen haben? Die Auswanderung hat vor vielen Jahrhunderten begonnen. Das war eine ständige Konstante der Schweizer Geschichte. Es war die Not, es war die Armut, die viele Schweizer ins Ausland getrieben hat. Zermann hat den. im 17., 18., 19. Jahrhundert teilweise geradezu Geld gesammelt, um ganzen Gruppen von Menschen aus den Dörfern eine Auswanderung zu ermöglichen, hauptsächlich nach Übersee, vielfach nach Nord- oder Südamerika, aber eben auch in den asiatischen Raum usw. Also die Auswanderung war lange Zeit aufgrund einer wirtschaftlichen Notlage zu konstatieren. Später sind aber auch viele Schweizer ins Ausland gegangen, weil sie besondere Fertigkeiten hatten, vielleicht auch, weil sie Fernweh hatten. Man hat sie offenbar brauchen können. Und es sind dann auch Schweizer Vereine entstanden. Es sind sogar Gründungen von Dörfern, wo fast ausschliesslich Schweizer beteiligt waren, vorgekommen. Und diese Ausland-Schweizer Vereine waren aktiv, haben auch eine Rolle gespielt, Abend zum Teil auch Land erworben und Häuser und Liegenschaften. Besonders in Singapur ist die Schweizer Kolonie berühmt und heute sehr reich, weil der Boden ja so viel wert ist. Und man hat frühzeitig da Erwerbungen gemacht, aber eben auch sehr viele andere Schweizer Vereine. Und wer sich vor allem frühzeitig diesen Ausland Schweizern angenommen hat, das war die Neue Helvetische Gesellschaft. Und sie hat eine eigentliche Ausländerorganisation Organisation gegründet. welche sich jetzt um die Bedürfnisse der Auslandsschweizer gekümmert hat. Diese Bedürfnisse sind ja nicht unbedingt immer deckungsgleich mit den Bedürfnissen der Schweizer Bürger, die hier leben. Um welche Bedürfnisse geht es da im Besonderen? Da ging es um Bedürfnisse, dass man den Kontakt zur Heimat nicht verliert, dass einem unter Umständen geholfen wird mit Rat und Tat bei der Auswanderung, aber auch, was passiert, wenn man wieder heim. kommen will. Da ist zum Beispiel heute möglich, dass man sein Eigentum zollfrei einführen darf und Im ausgehenden 20. Jahrhundert ging es dann auch ganz konkret um das Ausländerstimmrecht. Das war eine wichtige Forderung der Auslandsschweizer. Wann war die Blütezeit dieser Auswanderung? Vielleicht ein bisschen zu blumig ausgedrückt, aber wann sind am meisten Schweizerinnen und Schweizer ins Ausland abgewandert, ausgewandert und warum? Das ist schon im 19. Jahrhundert und dann noch im beginnenden 20. Jahrhundert der Fall, wo eben vor allem eine... große Auswanderungswelle nach Amerika stattgefunden hat. Wir müssen aber sagen, dass eben auch die Nachbarländer immer sehr, sehr gut besucht waren durch Schweizer. In Savoyen gibt es heute noch sehr, sehr viele Romans, die da leben. Ich glaube, etwa sechs Prozent der dortigen Bevölkerung in Frankreich sind Schweizer. Es gibt in der Lombardei sehr viele Schweizer, in Deutschland natürlich Österreich, Lichtenstein ohnehin, aber eben auch überall. sonst oder jedenfalls fast überall sonst sind Ausland Schweizer heute anzutreffen. Du hast die Verbundenheit zur Heimat angesprochen. Da wird eine gewisse Pflege dieser Schweizverbundenheit instand gehalten. Wie kann man sich das genau vorstellen? Was macht da diese Stiftung, was macht vielleicht sogar auch der Bund, um den Kontakt zu seinen Bürgern nicht zu verlieren, um da dieses Schweizgehen nicht zu fern? auf eine abtrünnige Bahn kommen zu lassen. Was macht man da? Man hat immer von der vierten Schweiz gesprochen, lange Zeit, also die drei Landessprachen und dann eben die vierte Schweiz, das soll die Auslandsschweizer umfassen. Heute sprechen wir von der fünften Schweiz, weil ja die romanische Sprache dazugekommen ist als vierte Landessprache im Jahr 1938. So. Diese fünfte Schweiz wird gepflegt, übrigens auch offiziell von Gesetzes wegen. 1966 kam ein Auslandsschweizer Artikel in die Bundesverfassung. Das hat man dann sogar in den 70er Jahren, 1974 meine ich, in ein Gesetz für die Auslandsschweizer umgeformt und erweitert. Also da gibt es auch gesetzliche Grundlagen. Es gibt Organisationen, die sich hier engagieren. Da ist zu nennen eine Wirtschaftsorganisation, die eben vor allem wirtschaftliche Hilfe leistet. Die sogenannte OSEC war da zugange. Dann gibt es die Präsenzschweiz. Es gibt die Prohelvetia, die hier auch kulturelle Dinge unternimmt. Es gibt von der offiziellen Schweiz her auch Publikationsorgane. Also die Auslandsschweizer werden in verschiedensten Sprachen. Bedient nachrichtenmässig, ist immer auch etwas umstritten, denn es ist natürlich immer sehr regierungsnah, was da vermittelt wird. Und nicht alle Auslandsschweizer sind glücklich über die Art und Weise, wie sie da informiert werden. Aber man will die Auslandsschweizer gewissermassen bei der Stange halten. Man will auch, dass dieser Kontakt lebendig bleibt zur alten Heimat. Ist das nicht umstritten, politisch gesehen? Meine... jemand der seinem Land den Rücken kehrt, sein Glück woanders sucht, dass der da irgendwie ein Spezielles Gesetz noch in Anspruch nehmen kann, besondere Rechte, das Wahlrecht und Stimmrecht immer noch ausüben darf. Ist das überhaupt nicht umstritten? Das ist schon ein Stück weit umstritten. Im Zuge dieser 700-Jahr-Feier, ein Jahr später, nämlich 1992, haben die Auslandsschweizer tatsächlich das Stimm- und Wahlrecht bekommen. Das ist für Auslandsschweizer möglich. Sie müssen sich allerdings in ein entsprechendes Register eintragen und können dann brieflich abstimmen. Das ist nicht ganz unumstritten in der Tat, weil man natürlich sagt, sie bezahlen hier keine Steuern. Sie sind auch nicht direkt am öffentlichen und privaten Leben beteiligt, das hier in der Schweiz stattfindet. Sie kennen die Probleme nicht selber. Sie schauen das alles nur aus der Ferne an. Bis bald. unter Umständen auch gewissermassen eine ganze Abstimmung kehren können. Das haben wir erlebt beim UNO-Beitritt. Die damalige Abstimmung, die dann positiv für die UNO ausfiel, die wäre ohne Auslandsschweizer Stimmen, die damals im Kanton Luzern berechnet wurden, nicht durchgekommen. Also hier haben die Auslandsschweizer mitgestimmt. Und es ist natürlich eher ein Anliegen der politischen Linken, dass die Auslandsschweizer mitstimmen, weil sie eher dann internationalistisch ausgerichtet sind. Und das wird natürlich schon in der Schweiz zuweilen diskutiert. Genauso ein Politikum ist und bleibt natürlich das Doppelbürgerrecht. Und wie steht es da? Ist da etwas im Tun? Ist da etwas im Gange, dass man das abschafft? Oder wie steht es darum? Man hat das immer wieder diskutiert. Ist es in Ordnung? Kann man Bürger von zwei, von drei, von vier Staaten sein? Wo sind letztlich die Interessen? Muss man sich hier nicht entscheiden? Es geht unter anderem auch um den Militärdienst, wo wird der geleistet? Und interessanterweise sind aber solche Vorstösse letztlich immer stecken geblieben, denn in allen Parteien sagen die Auslandsschweizer bzw. vor allem auch die Doppelbürger, die hier leben. Nein, wir wollen da nicht verzichten drauf und da kommt enormer Druck. Also wenn man so etwas tun möchte, müsste man das wahrscheinlich auf die Zukunft ausrichten und sagen, es wird nicht rückwirkend geändert. Aber ab dem und dem Datum ist ein Doppelbürgerrecht nicht mehr möglich. Wir hätten dann natürlich nicht diese Masseneinbürgerungen von über 40.000 Menschen pro Jahr. Ja, wir haben ja sicher eine Million in den letzten Jahren eingebürgert und das verändert natürlich ein Land auch und die politischen Stellungnahmen dieses Landes. Aber man kann sagen, dass es ja eigentlich eine gute Nachricht ist, dass dem Schweizer Staat, dem Gemeinwesen, seine Bürger, auch wenn sie im Ausland sich aufhalten, dass Schweizer dem Staat der Schweiz nicht egal sind. Ich meine schon, das ist sicher ein wichtiges Zeichen für die Auslandsschweizer, die auch nicht wissen, ob sie mal zurückkehren und die oftmals eben die alten Fäden in die Heimat nicht abbrechen wollen. Selbst nicht nach Generationen. Und sie engagieren sich auch. Ich habe das selber erlebt, mal auf der Botschaft in Washington. Da werden dann Abende, auch kulturelle, gesellschaftliche Abende veranstaltet. Und da kam zum Beispiel ein sehr, sehr bedeutendes... der Bäcker-Konditor mit verschiedensten Unternehmungen, der da diesen Anlass einfach gratis beliefert hat. Der war schweizstämmig und dem ist jetzt die Schweiz immer noch wichtig und da kann dann die Botschaft auch profitieren. Da wird also sogar Sponsoring betrieben von solchen Heimweh-Schweizern, die es eben im Ausland zu wirklichem Wohlstand gebracht haben. Ich habe das auch mal erlebt, eine lustige Geschichte. In China hat auch der Botschafter für alle Schweizer Studenten, die sich in China aufgehalten haben, einen Tag organisiert. Auch mit Schokolade und allem. Es ist tatsächlich ein Thema. Wie siehst du die Zukunft der Auslandsschweizer? Man kann sagen, in Deutschland gab es unlängst einen Fall bei der Bundestagswahl, dass viele dieser Stimmen der Ausland Deutschen, irgendwie nicht gezählt wurden. Das wurde zumindest so moniert, dass substanziell viele Stimmen eben genau nicht zu einer Wahl des Bündnisses Sarah Wagenknecht damals beigetragen haben. Gab es einen vergleichbaren Fall in der Schweiz auch, dass da etwas nicht geklappt hat, dass die Auslandsschweizer zu kurz gekommen sein sollten oder sich zumindest zu kurz gekommen fühlten? Herr Struck, wie sieht das in Zukunft aus? Ich kann mich nicht an einen ganz konkreten Skandal erinnern. Ich glaube, das läuft doch sehr geordnet ab. Natürlich muss man rechtzeitig bei der Briefwahl sein. Wenn die Briefe zu spät eintreffen, dann werden sie natürlich nicht mehr gezählt. Aber das ist dann in der Verantwortung dieser Auslandsschweizer, die ihr Stimmrecht wirklich wahrnehmen wollen. Und so gesehen macht man sich hier schon grosse Mühe und schaut, dass das alles... ordnungsgemäss abläuft. Vielleicht noch ein Wort zu diesem Platz. Grosszügig, eine wunderschöne Wiese, beflaggt, eine Allee direkt am Vierwald-Schettersee. Warum werden hier genau den Auslandsschweizer gewürdigt? Das war eine Idee, diesen Auslandsschweizer Platz gewissermassen in den Weg der Kantone, der damals angelegt wurde, ein wunderschöner Spazierweg am Entstehungsort, an der Wiege der Schweiz gewissermassen, zu. integrieren. Und dieser Platz ist wirklich sehr grosszügig konzipiert und ich bin überzeugt, dass hier auch Auslandsschweizer den Platz durchaus besuchen. Es sind übrigens auch die Behörden, die zuweilen gerne im Ausland beispielsweise 1. August Reden halten. Bundesräte hört man immer wieder, die irgendwo auf der Welt sich an die Schweizer wenden und direkt vor Ort dann sind. Dieser Platz hier hat meines Wissens die Eidgenossenschaft erworben, aber auch die Auslandsschweizer Organisationen haben mitfinanziert. Der Kanton Schweiz, der Bezirk Schweiz, die Gemeinde Ingenwohl, wo eben Brunnen liegt, und auch die Schweizer Kanton Haubank. Also das war ein gemeinsames Engagement, um diesen sehr, sehr schönen Platz zu errichten. Das haben wir vergessen. Was gibt es über die Auslandsschweizer? Ihren Status vielleicht in der Schweizer Geschichtsschreibung noch zu sagen, meilensteinmässig, was haben wir vergessen? Mich verbindet mit diesem Platz ein ganz persönliches Erlebnis. Es war im Februar 1991, als die Militärformationen aufgefordert wurden, einen Tag aus Anlass der 700-Jahr-Feier-Eidgenossenschaft für gemeinnützige Zwecke. Okay. zu investieren. Und bei einem Wiederholungskurs war ich mit meiner Kompanie hier auf diesem Platz. Und der war damals bei weitem nicht so schön hergerichtet. Das war eine ziemlich wilde Wiese mit Zäunen, mit Eisenzäunen, die da im Beton verankert waren. Und ich bin mit meiner Kompanie und mit Baumaschinen hier aufgerückt. Und wir haben diesen Platz von diesen Zäunen, von diesen Drähten, von diesen Betten, Rettungteilen in den Boden vergossen und eingemauert, befreit und haben so gewissermassen dazu beigetragen, dass dieser Schweizer Platz so aussieht. Die Feinarbeit, die Gärtnerarbeit allerdings, da wären wir sicher überfordert gewesen. Es sieht nämlich wirklich prächtig aus, muss man sagen. Lieber Christoph, danke für diese persönliche Anekdote zum Schluss zu den Auslandsschweizern. hier in Brunnen. Wir bedanken uns ganz herzlich für die Aufmerksamkeit, für Ihre Aufmerksamkeit, wünschen Ihnen ein wunderschönes Wochenende und bis zum nächsten Mal nächste Woche wieder bei den Meilensteinen der Schweizer Geschichte. Vielen Dank und einen schönen Tag.