Die frühere Sprecherin des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, Julija Mendel, erhebt schwere Vorwürfe gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber. «Ich glaube, Selenskyj ist heute der Hauptprofiteur dieses Krieges», sagt sie in einem Interview mit der französischen Zeitung Le Journal du Dimanche (JDD). Der Krieg sichere ihm den Machterhalt, da er die Wahlen abgesagt habe. Zudem profitierten Unternehmen aus seinem Umfeld von Milliardenhilfen aus der Europäischen Union.
Mendel war zwei Jahre lang Sprecherin des Präsidenten. Rückblickend erklärt sie, sie sei «eine seiner treuesten Propagandistinnen» gewesen. Bereits 2021 habe sie intern Zweifel an Selenskyj entwickelt. Nach Beginn des Krieges habe sie zunächst seine Entscheidung begrüsst, in der Ukraine zu bleiben. Ab Juni 2022 habe sie jedoch Korruption, Manipulation und zunehmende Zensur wahrgenommen. «Ich habe verstanden, dass Selenskyj seinem eigenen Machterhalt und den Geldströmen mehr Bedeutung beimisst als seinem eigenen Land», sagt sie.
Die ehemalige Präsidentensprecherin wirft dem Umfeld Selenskyjs zudem weitreichende Korruption vor. Nahezu alle von ihm ernannten Personen würden heute der Korruption beschuldigt. Ob der Präsident selbst davon profitiere, könne sie nicht belegen. «Ich habe seine Bankkonten nie gesehen», sagt Mendel. «Aber wenn fast sein gesamtes Umfeld der Korruption beschuldigt wird, wie ist es möglich, dass der Präsident nichts weiss? Entweder ist er inkompetent. Oder er tut so, als sehe er nichts.»
Mendel bezeichnet die Ukraine als «Autokratie» und kritisiert unter anderem die Zwangsrekrutierung sowie Einschränkungen demokratischer Freiheiten. Zugleich weist sie Vorwürfe zurück, prorussisch zu sein. «Beendet diesen Krieg! Rettet die Ukraine!», appelliert sie an den Westen.