Video: Meilensteine der Schweizer Geschichte: Prof. Christoph Mörgeli über das Schloss Lenzburg, Wahrzeichen des Kantons Aargau
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«Gerühts wieder an Ich begrüsse Sie ganz herzlich zu einer weiteren Ausgabe von Weltwoche Daily, speziell Meilenscheine der Schweizer Geschichte. Mein Name ist Roman Zeller und neben mir steht schon bereit Professor Christoph Mörgeli. Wir befinden uns im Kanton Aargau. Was machen wir hier genau? Was ist das Thema der heutigen Sendung? Grüezi miteinander. Wir sehen hinter uns auf der Anhöhe das Schloss Lenzburg, unten angelegt das historische Städtchen Lenzburg. Die Lenzburg befindet sich auf einem runden Moränenhügel auf gut 500 Meter über Meer und es handelt sich um eine Gründung des 11. Jahrhunderts nach Christus. So lange geht also dieses Schloss zurück. Heute. Heute weist es sieben Gebäude auf. Es ist hufeisenförmig angeordnet, in der Mitte ein Schlosshof. Es hat dann auch einen französischen Garten. Wir haben das untere, mittlere und obere Torhaus. Wir haben den Turm, den Palast, das Ritterhaus, das Stapferhaus. Also eine ganze Reihe von Gebäuden, die hauptsächlich aus der Gotik und aus dem Barock stammen. Das Schloss ist eines der besterhaltenen, die es überhaupt in der Schweiz gibt. Ein Höhenschloss, wirklich von allen Seiten einsehbar, eindrücklich. Auch, glaube ich, für die Identifikation des ganzen Kantons Aargau. Und was macht es genau, dieses Schloss Lenzburg, diese Lenzburg zu einem Meilenschein der Schweizer Geschichte, nicht nur der Aargauer Geschichte? Ganz wichtig ist dieses Schloss auch in der Entwicklung. Man kann da gut die Abfolge der jeweiligen Herren zeigen. Es handelt sich um eine Gründung der Grafen von Lenzburg. Die waren hier Territorialherren und haben auch das Städtchen gegründet. Sie sind dann aber im Jahr 1173 ausgestorben. Dann kam es kurz noch an die Staufer und schliesslich dann auch an die... Kieburger, an die Habsburger. Also das waren so die Herren im hohen Mittelalter, im späten Mittelalter ebenfalls, bis dann das Städtchen und eben auch das Schloss erobert wurden durch die Berner im Jahr 1415. Von da an war es bernische Herrschaft, bernische Landvogtei. Gehen wir zurück in die Entstehungszeit dieses Schloss Lenzburgs. Was war der ursprüngliche Sinn und Zweck dieser Burg? Es war natürlich für diese Adelsfamilie der Wohnsitz. Es war aber auch ein wehrhafter Wohnsitz. Es wurde dann immer weiter ausgebaut. Es hatte eine sichere Stellung hier an der Anhöhe natürlich. Und von hier aus geschah auch die Verwaltung dieses Territoriums. Es hatte eine ganze Reihe von Funktionen. Auch in späteren Jahren... Auch in der neueren Zeit, in den letzten Jahrhunderten unter bernischer Herrschaft, war es eigentlich ein Verwaltungsmittelpunkt und eine Wehrburg. Also man hat es auch in bernischer Zeit weiter ausgebaut, sogar am massivsten. Es kamen daneben verschiedene Gebäude noch dazu für diese Landvolktei. auch ein Kornhaus im 18. Jahrhundert, im 16. und 17. Jahrhundert, auch nach einem So um 1500 gab es dann eben auch weitere neue Gebäudigkeiten, die dann dieser Landvolkteil unter bernischer Führung dienten. Lenzburg, der Aargau, was war in diesem Kanton? Speziell im Mittelalter, im 11. Jahrhundert, wo dieses Schloss gebaut wurde, vielleicht auch später, war diese Gegend eher ruhig, war sie umkämpft, war sie... Wie war sie? Das Städtchen Lenzburg wurde gegründet als Marktflecken und später danach befestigt mit Toren und Mauern, weil es eben doch an einer wichtigen Handelsroute lag. Das war... aus dem süddeutschen Raum dann Richtung Genf und Lyon in Frankreich. Und hier war wirklich ein Zentrum, ein Knotenpunkt. Gilt übrigens dann auch für die neuere Zeit. Lenzburg ist heute ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, sowohl für die Autobahn natürlich, die hier gebaut wurde, die A1, aber eben auch für die Bahn, die hier in verschiedene Richtungen abgeht. Wer sind so die Lenzburger, die Lenzburgerinnen, die diese Stadt geprägt haben über die Jahre? Die Lenzburger hatten über weite Teile eine gewisse Selbstverwaltung, auch unter bernischer Herrschaft. Also die Bürger von Lenzburg haben sich abgesetzt von der übrigen Umgebung und hatten wirklich etwas mehr Rechte, auch bezüglich Gerichtsbarkeit. Die Berner... haben aber hier tatsächlich Landvögte gestellt aus den regierenden Familien, aus dem Grossen Rat. Es wurde natürlich durch die Berner Herrschaft auch die Reformation eingeführt im Jahr 1528. Und dann war diese Landvogtei Lenzburg ein bisschen exponiert gegenüber den benachbarten katholischen Kantonen, beispielsweise eben Luzern oder auch das Freiamt, das katholisch geblieben war. Und so war natürlich die Wehrhaftigkeit auch immer wichtig, damit die Berner hier ihre Herrschaft behalten konnten. Was ist die Identität der Lenzburger? Gibt es da einen bernischen Einschlag? Gibt es externe Einflüsse, die bis heute spürbar sind, vielleicht sogar? Die Lenzburger haben ein gewisses städtisches Selbstbewusstsein, bis heute behalten sie eben ihrer Stadt, besonders eben der Altstadt, natürlich Sorge. Was schön ist, es gibt und gab da auch grosse Abbruchpläne, das wäre natürlich ausserordentlich schade, wenn diese Altstadt zerstört würde. Ich hoffe, dass das verhindert werden kann. jedenfalls haben, die selbst bewussten Lenzburger durchaus ihren Stolz auf ihre Stadt und das völlig zu Recht. Und Berner, wie war diese Eroberung durch Bern? Wie war die Zeit damals unter bernischer Herrschaft? Die Lenzburg und die Lenzburger haben sich nicht gewehrt. Also es ging hier im Gegensatz zu anderen Burgen und Gebieten weitgehend friedlich zu und her bei dieser Eroberung von 1415. Und den Aargauern ging es dann unter bernischer Herrschaft gar nicht so schlecht, also es waren durchaus nicht alle unglücklich. Wenn auch diese Zeit der Landvögte auf dem Schloss von 1444, also nicht ganz seit der Eroberung, aber seit 1444 bis 1798, wo da eben die bernischen Landvögte residiert haben, eine prägende Zeit war. Wir sehen auch heute noch gross das Berner Wappen. auf dieser Lenzburg. Und was führte zum Ende der bernischen Herrschaft? Warum, wenn du sagst, es war ja einigermassen, man hat da gut gelebt unter der Berner Obrigkeit, warum hat sie geendet? Es war der Einmarsch von französischen Soldaten, der Gedanke der französischen Revolution, von Gleichheit und Brüderlichkeit. der eben auch im Aargau-Fuss fasste. Es kam das Bewusstsein, dass man eben minderen Rechts ist, dass man eben doch letztlich von den Bernern beherrscht wurde. Und es wurde dann 1803 der Kanton Aargau aus der Taufe gehoben, aus verschiedensten Gebieten, ein bisschen ein Flickwerk, ein Stückwerk, das erst seine Identität finden musste. Aber ich meine, die Landvolkteil Lenzburg und die Lenzburg im Speziellen haben hier auch ihren Beitrag geleistet. Was macht den Kanton Aargau aus, der ja sozusagen improvisiert entstanden ist? Der Kanton Aargau hat ein ganz spezielles Gesicht erhalten, in dem eben diese verschiedenen Gebiete ein bisschen auch die Schweiz abbilden. Auch die ist ja aus ganz verschiedenen Gebieten. Ideen, Mentalitäten, Landschaften zusammengesetzt. Der Aargau ist, wie man weiss, wirtschaftlich tüchtig, ist auch wichtig, beispielsweise als Energiespender für die ganze Schweiz, als Verkehrsdurchgangskanton, nicht ganz unbestritten bei der hiesigen Bevölkerung. Man trägt also natürlich auch viele Lasten in dieser Eidgenossenschaft, aber man trägt sie eigentlich mit Gleichmut und die Aargauer. gelten als fleissig, als zuverlässig, eben auch als typische Schweizer. Und was ist mit dem Schloss Lenzburg seit Gründung des Kantons Aargau passiert? Das ist eine ganz interessante Frage, denn 1803 kam das Schloss an den Kanton Aargau. Das ging also über von den bernischen Landvögten und von der bernischen Herrschaft. und es kam nun nicht in Frage für die Aargauer hier wieder ein Regierungs... Sitz einzurichten, denn zu sehen war das natürlich verknüpft noch mit dem Gedanken der Landvolktei und der Fremdherrschaft. Also hat man zuerst nicht recht gewusst, was mit diesen vielen Gebäulichkeiten anzufangen ist. Man hat dann ein Knabeninstitut in den 1820er Jahren eingerichtet, das schlief dann aber wieder ein. 1859 waren österreichische Soldaten ein Quartier, Wir kennen das Stichwort Schlacht bei Solferino und man hat hier also verletzte Soldaten gepflegt. Ebenfalls war das dann 1870, 1871 der Fall mit Burbaki-Soldaten. Die französische Armee, die interniert wurde im deutsch-französischen Krieg, auch da wurden Soldaten auf der Lenzburg gepflegt. Diese gehörte aber mittlerweile einem Zürcher Seidenfabrikanten namens Konrad. Pestalozzi, er hat die Lenzburg erworben für 60'000 Franken, hat sie aber wahrscheinlich nie bewohnt. Und der Kauf von 1872 war dann eigentlich sehr wichtig. Für 90'000 Franken hat ein Friedrich Wilhelm Wedekind, ein Deutscher, diese Lenzburg gekauft und ist mit seiner Gattin Emilie Kammerer, sie war wesentlich jünger, Die Ehe war nicht sehr glücklich, aber sie sind da eingezogen mit sechs Kindern und diese Kinder waren interessant, zumindest ein Teil davon, denn sie sind wirklich sehr, sehr bekannte Persönlichkeiten geworden. Nochmal kurz, 90'000 Franken. 90'000 Franken waren das damals für dieses riesige Schloss, das natürlich auch mit Kosten verbunden war. Der Unterhalt war nicht ganz einfach. Und in diesem Schloss... Aufgewachsen ist jetzt Frank Wedekind, später ein berühmter Schriftsteller deutscher Zunge, auch ein frecher, ein mutiger, ein fortschrittlicher Schriftsteller, der eben gewisse Tabuthemen, speziell im Bereich der Sexualität, aufgegriffen hat. der selber auch ein einigermassen ungezügeltes Leben geführt hat, jedenfalls von Skandalen umwittert war. Frank Wedekind, auch Texter von... Matschi Texen, also dieser Nahrungsmittelfabrik, da hat er eine Zeit lang gearbeitet, ein origineller Kopf. Und dann seine Schwester Erika Wedekind, eine gefeierte Sängerin, königlich-sächsische Kammersängerin an der Semperoper in Dresden. Also auch sie eine berühmte Persönlichkeit. Donald Wedekind, ebenfalls Schriftsteller. Also es sind da interessante Figuren. Und ganz besonders liebreizend dargestellt hat sie Sophie Hämmerli-Marty, eine Lenzburger Arztfrau und Dichterin. Vielleicht heute vor allem bekannt durch die schöne Strophe «Ja, oi, sie zwei Kätzli». Sind die Wedekinds ausgezogen? Die Wedekinds konnten dann nach dem Tode von Friedrich Wilhelm Wedekind das Schloss nur noch schwer halten. kam dann auch. Das Problem der Erbteilung, weil das Vermögen der Familie Wedekind war in diesem Schloss. Übrigens hat der Vater das erworben als Grundstücksspekulant in San Francisco. In diesem Goldrausch hat er sehr viel Geld verdient, war ein 48er Liberaler aus Hannover und hat eigentlich Deutschland verlassen 1872, weil er gegen die Preussen war und gegen die preußische Vorherrschaft. Also eigentlich ein politisches Motiv. das ihn eben in diese Schweizerische Republik hat ziehen lassen. Es wurde verkauft 1892, dann glaube ich für 120.000 Franken und es kam an einen amerikanischen Industriellen. Das ist ja oft so mit Schlössern im alten Europa, dass dann die Amerikaner das kostspielige Geschäft übernommen haben mit einer gewissen romantischen Ader. Und... Amerikaner haben es bis 1956 besessen, auch sehr hübsch wiederhergestellt, vieles elektrifiziert, Wasserleitungen gelegt, modernisiert usw. 1956 wurde dann das Schloss verkauft an eine Stiftung, die zu drei Vierteln vom Kanton getragen wird und zu einem Viertel von der Stadt Lenzburg. ist das Schloss Lenzburg. Ein Jahrhundert. Symbol des Kantons oder ist das zu hochgehängt? Ich meine, es ist eine Art Symbol des Kantons, insofern, weil man natürlich dieses Schloss dann sehr aufwendig auch restauriert hat, sehr fachkundig von den 70er und 80er Jahren und dann 1986 das Kantonsmuseum, also das kantonale Hauptmuseum hier eingerichtet hat. 2007 hat man die verschiedenen Kantonalmuseen zum Museum Argao zusammengeschlossen. Das war auch ein grosser Schritt. Dieses Museum ist heute sehr attraktiv. Einerseits Wohnmuseum von Rittern und Landvögten, dann auch bis ins 19. Jahrhundert hineingestaltet. Dann gibt es eine Dauerausstellung zur argauischen Geschichte. es gibt. Es gibt Möglichkeiten für Workshops, dass man hier Geschichte erleben kann. Es gibt Sonderausstellungen und es gibt die Möglichkeit privater Veranstaltungen. Man kann diesen Schloss, diesen Schlosshof mieten und hat da in einzigartiger Atmosphäre verschiedenste Möglichkeiten für Festlichkeiten. Welchen Aspekt des Schlosses der Burg haben wir noch nicht beleuchtet? Was gibt es sonst noch Interessantes zu erzählen? Vielleicht noch ein Wort zu Lenzburg, wie sich das entwickelt hat. Es hat heute etwa 11'400 Einwohner, ist Hauptort des gleichnamigen Bezirks und wie gesagt ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Lenzburg ist auch Sitz der kantonalen Strafanstalt und hat auch eine gewisse Industrie. Also Lenzburg lebt und gedeiht und ich hoffe, das ist noch. war nicht der Fall. Lieber Christoph, ganz herzlichen Dank für deine Ausführungen. Ihnen danken wir ganz herzlich für die Aufmerksamkeit. Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Bis zum nächsten Mal bei Weltwoche Daily Spezial und vor allem bis zum nächsten Mal bei Meilensteine der Schweizer Geschichte. Vielen Dank.

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Meilensteine der Schweizer Geschichte: Prof. Christoph Mörgeli über das Schloss Lenzburg, Wahrzeichen des Kantons Aargau

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Meilensteine der Schweizer Geschichte: Prof. Christoph Mörgeli über das Schloss Lenzburg, Wahrzeichen des Kantons Aargau
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Kapitel

  1. Einleitung und Begrüssung
  2. Einführung in das Thema der Sendung
  3. Beschreibung des Schlosses Lenzburg
  4. Geschichte und Bedeutung des Schlosses Lenzburg
  5. Ursprünglicher Zweck und spätere Nutzung des Schlosses
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