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«Gruetze mitenand» Ich begrüsse Sie ganz herzlich zu einer weiteren Ausgabe von «Weltwoche Daily», speziell Meilensteine der Schweizer Geschichte. Mein Name ist Roman Zeller und neben mir bereits steht schon Professor Christoph Mörgeli. Wir befinden uns in Brunnen, soviel sei gesagt. Lieber Christoph, was ist aber das Thema der heutigen Sendung? Worum geht es bei den Meilensteinen der Schweizer Geschichte? «Gruetze mitenand» Wir werden uns zuerst etwas über Brunnen unterhalten und dessen Bedeutung in dieser schönen Lage hier am Vierwaldstättersee. Dann geht es aber dann vor allem um den Bundesbrief von Brunnen vom 9. November 1315, eigentlich eine zweite Gründungsurkunde der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Dann zuerst zu Brunnen. Was gibt es über dieses idyllische Städtchen, Dörfchen, Fragezeichen zu sagen? Was ist da bemerkenswert? Ganz so klein ist das Dörfchen nicht. Viele meinen, dass Brunnen eine Gemeinde ist. Es heisst aber Ingenbohl. Also Brunnen ist ein Teil der Gemeinde. Ingenbohl, wenn auch viel der berühmtere und der bekanntere in Brunnen, ist auch die Gemeindeverwaltung ansässig. Brunnen liegt am Vierwaldstättersee, war früher sehr bedeutend für den Handelsverkehr, den Schiffsverkehr, an der Gotthardroute und Und dann kam im 19. Jahrhundert, gegen das Ende des 19. Jahrhunderts, der Tourismus auf. Und Brunnen ist eine ausgesprochene Touristendestination in den warmen Monaten, ausserordentlich südlich, fast so eine Art Riviera. Man sieht da sogar Palmen. Also wir befinden uns fast etwas im Süden, wenn wir hier in Brunnen weilen. Die Tourismuszeit begann eigentlich dann mit dem... Waldstätterhof, der hier ganz in der Nähe ist, dieses Hotel, 1870 gebaut worden. Wie hat sich der Tourismus entwickelt? Du sagst, ein bisschen ein Hauch von Süden durchweht hier das Dörfchen am Vierwaldstättersee, ein Hauch von Ascona vielleicht. Was ist die Situation heute? Wie viele Zuschauer oder Touristen lockt Brunnen noch immer an? Es kommen schon noch immer sehr viele Leute hierher. In der Beleg-Box. So um 1900 war der Höhepunkt. Das sehen wir auch an den Hotelbauten, diesen klassizistischen Gebäuden, die immer noch sehr stattlich dastehen. Das sind zum Teil sehr begehrte Wohnlagen geworden. Also die Hotelindustrie ist nicht mehr vergleichbar mit damals, weil natürlich alles hier auch Richtung weiterer Süden zieht. Es ist viel Durchgangsverkehr, die Achsenstrasse. ist hier in den 1860er Jahren realisiert worden. Ebenfalls in den 1860er Jahren die Strasse nach Gersau. Also es ist auch ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, ebenfalls auch für die Eisenbahn. Und nun zum Bundesbrief, zu diesem historischen Teil von Brunnen. Was ist da das Wichtigste, der Kern? Worum geht es da tatsächlich? Warum ist vielleicht in Brunnen ein Meilenstein der Schweizer Geschichte? Hier in Brunnen am Vierwaldstättersee, haben sich die alten Eidgenossen, die Vertreter der drei Orte Uri, Schwyz, Unterwalden, also Ob- und Nidwalden, getroffen nach den Morgartenkriegen und haben am 9. November 1315 einen Bundesbrief verfasst und beschworen. Wir gehen also zurück in die Zeit der Morgartenkriege. Wir haben den Morgartenkrieg auch schon. besprochen, dieses wichtige Ereignis vom 15. November 1315. Dem gingen Konflikte zuvor der alten Waldstätte. Es ist eine sehr unruhige Zeit. König Albrecht I. von Habsburg ist bei Königsfelden 1308 ermordet worden. und es kommen dann Jahre, wo man sich nicht auf einen König einigen kann. Friedrich der Schöne von Habsburg will den Königsthron wie auch Ludwig von Bayern. Und die Eidgenossen sind für Ludwig von Bayern, denn die Habsburger sind ja hier Verhügte und erheben Anspruch. Und die Eidgenossen streben nach mehr Unabhängigkeit und Freiheit. Und das gibt also entsprechende Konflikte. Hinzu kommt ein Markenstreit zwischen den Schwyzern und dem Kloster Einsiedeln. das kulminierte in einem eigentlichen Überfall auf dieses Kloster im Januar 1314. Und die Schweizer kamen dann in den Kirchenbann und in Reichsacht. Die wurden also richtig geäfft. und haben dann Unterstützung der anderen Orte hier am Vierwaldstättersee nachgesucht und haben die auch bekommen, bis dann eben die Habsburger mit einem grossen Heer von Zug her Richtung Morgarten dahergezogen kamen, wo mehrere tausend, ein Ritterheer mit viel Fussvolk auch und die Eidgenossen mit knapp tausend Mann haben dieses Heer dann wirklich zerpflückt. Viele sind gestorben, auch sehr viele Adlige, und die restlichen sind dann geflohen. Das war also der erste eigentliche Befreiungskrieg der alten Eidgenossenschaft. Wie war das möglich? Wie war eine derart zahlenmässig unterlegene Truppe fähig, dieses Heer zurückzuschlagen? Die Eidgenossen hatten ganz offensichtlich das Gelände zum Verbündeten. Man weiss nicht wahnsinnig viel über... diese Schlacht, vor allem der Chronist Johannes von Winterthur hat uns Wichtiges überliefert. Er hat als Knabe noch gesehen, wie der geschlagene Leopold dann in Winterthur eingezogen ist, außerordentlich deprimiert. Aber man weiss sicher, dass die Eidgenossen da einen glanzvollen, einen wirklich vernichtenden Sieg errungen haben über dieses Ritterheer und sie haben eben die Stärke des Geländes Man wusste, wo das Heer herkommt, man hat sich vorbereitet und konnte dann von den Höhen entsprechende Gegenstände, Baumstämme, Felsen hinunterwerfen und dann mit den gefürchteten Hellebarden ein richtiges Blutbad bei diesen doch eher unbeweglichen Rittern anrichten. Die waren natürlich wirklich sehr eingeschränkt in ihrer Rüstung an diesem Engnis und auf der anderen Seite. hätte ein gewaltiger Sumpf, wo man tatsächlich ersoff. Was für einen Stellenwert hat diese Schlacht in der Schweizer Geschichte? Wie würdest du die einordnen, auch in Bezug auf diesen Bundesbrief? Was ist da der Stellenwert, die Grössenordnung, die Bedeutung? Das wird kontrovers diskutiert, aber es ist sicher eine Schlacht, die stattgefunden hat. Das ist keine Legende, sondern das ist geschehen. Und das ist der erste von... einer ganzen Reihe von Befreiungskriegen, der nun dann allmählich wachsenden Eidgenossenschaft, wo ja dann auch Städteorte hinzukommen, nämlich Luzern, dann Zürich und schliesslich Bern gegen Westen, das mächtige Bern, das aber seinen Blick immer gern Richtung Romandie dann geschweift hat. Also es ist ein ganz wichtiges Ereignis, es wurde sicher in der Schweizer Geschichte zuweilen auch etwas überhöht. Aber man kann es nicht wegdiskutieren, das war der Beginn der Eidgenossenschaft. Und dieser Vertrag, dieser Bundesbrief, was steht da vielleicht auch drin? Was hat man sich da geschworen, festgehalten? Ist das eine Art Vertrag, wie wir ihn heute kennen? Was gibt es zu diesem Dokument noch zu sagen? Wenige Wochen nach diesem Schlachtenereignis von Morgarten vom 15. November 1315 sehen. haben sich die Eidgenossen hier in Brunnen getroffen. Das lag natürlich verkehrsmässig günstig, man konnte hier mit dem Schiff kommen. Und es handelt sich ja nicht um den ersten Bundesbrief. Der erste, das wissen wir, ist gegeben zu Beginn des August 1291. Aber es war ein zweites wichtiges Gründungsdokument. Und man hat sich noch einmal gegenseitig Schutz versprochen. Man hat diesen ersten Bundesbrief ausgebaut. Manches ist ähnlich und wird bekräftigt, wiederholt. Anderes kommt neu hinzu. Dieser Bundesbrief von Brunnen vom 9. Dezember 1315 ist wirklich ausführlicher, ist länger, ist besiegelt. Es befindet sich wahrscheinlich das ganz originale Dokument im Bundesbriefarchiv in Schweiz. Es gibt auch die entsprechenden Dokumente. in Unterwalden. Dasjenige von Uri, eine Abschrift, das ist nicht unbedingt ganz wörtlich, das ist trotzdem authentisch. Eine Abschrift in Uri ist nicht mehr auffindbar. Da hat im 18. Jahrhundert mal ein Archiv gebrannt. Ist dieser Bundesbrief von Brunnen, der ja ausführlich ist, wie du gesagt hast, ist der... Wie eine Art Verfassung, der sich diese drei Kantone damals gegeben haben. Natürlich nicht im modernen Sinn, aber es werden doch wichtige Grundsätze festgehalten, die eben nun den Zusammenhalt der Eidgenossenschaft begründen. Am Anfang haben wir die Anrufung Gottes und das Besondere an diesem Brief von Brunnen von 1315 ist, dass der ganze Bundesbrief in deutscher Sprache. abgefasst wird. 1291 war es noch in Latein. Und jetzt haben wir also eine deutsche Sprache, natürlich nicht ganz verständlich für uns, da muss man sich wirklich reinbegeben in dieses Mittelhochdeutsch. Aber es ist in Deutsch niedergeschrieben und es zeigt eben, dass man sich verbündet und dass man nicht Herren akzeptiert, die gegen diesen Bund vorgehen, die also diesen Bund bekämpfen. Das ist ein klares Bekenntnis gegen die Habsburger. Aber dennoch hat man sich dann etwas später mit den Habsburgern zu einem Waffenstillstand geeinigt. Man wollte da doch nicht einen ständigen Kriegszustand. Was hat man weiter gemacht? Es sind strafrechtliche Bestimmungen. Also was passiert mit Landsleuten, die morden? Die werden natürlich ausgestossen. Im Fall von schweren Verbrechen werden sie auch entsprechend zum Tode verurteilt. Es ist festgehalten, was passiert, wenn Streit unter den Eidgenossen ausbricht. Dann sollen eben die Vernünftigsten vermitteln. Und es sind wirklich sehr vernünftige Grundsätze, die auch gehalten haben. Der Bund wird auf ewig be- schworen, das heisst, er ist dauernd, er ist also nicht zeitlich begrenzt und er hatte dann wirklich grosse Auswirkungen. Interessant ist noch, dass die Geschichtsschreibung der Schweiz bis weit ins 19. Jahrhundert eigentlich den Beginn der Eidgenossenschaft aufs Jahr 1315 festgesetzt hat, wegen diesem Brief von Brunnen. Der 1291er Bundesbrief hat damals eine... geringere Rolle gespielt. Er war auch noch nicht sehr lange wiederentdeckt worden. So steht 1315 auf dem Tellendenkmal in Altdorf. Ich meine, das Jahr 1315 steht auch im Ständeratssaal, wo wichtige Jahreszahlen eingegraben sind, gewissermassen an den Wänden. Also 1315, lange Zeit, ein Gründungsdatum bis dann eben etwa 18... Und 1991 dann doch das 1291 in den Vordergrund trat, anlässlich der 600-Jahr-Feier. Wollte ich dich gerade fragen, was ist für dich wichtiger, 1291 oder 1315? Ich meine schon, 1291 ist eine vernünftige Datierung. Es ist der erste Bundesbrief. Er hat Wichtiges schon vorausgenommen, was später noch einmal bekräftigt wird. Und so gesehen hat man natürlich immer die Tendenz, sich noch etwas länger zurückzuhalten. zu verfolgen. Man möchte ja eine lange Kontinuität in so einer Staatsgründung, wobei damals von Staat noch nicht die Rede war. Aber 1293 ist ein vernünftiges Datum. Aber dieser Bund von Brunnen darf schon auch nicht vergessen werden. Es war eine Bekräftigung und es war dann auch der Weg zu einer weiteren territorialen Erweiterung der Altneidgenossenschaft über die Waldstädte. von Uri Schwietz und Unterwalden hinaus, nämlich nach Luzern zuerst, dann nach Zürich und Bern. Und Luzern, Zürich und eben auch Bern, die mussten dann diesen Brief als Grundlage für ihre Vereinbarung mit den Waldstädten nehmen. Ist das richtig oder wurde da quasi dann wie eine Erweiterung auf der Grundlage gemacht? Wie war das? Im Grunde eigentlich schon. Man ist schon grundsätzlich diesem Bund der Reitgenossen beigetreten. Es wurden dann aber natürlich weitere Dokumente. besiegelt und auch die Bedürfnisse dieser Städte dann ganz anders natürlich festgehalten und festgesetzt. Also es ist nicht so, dass man dann den Bund von Brunnen einfach noch abgeschrieben hat bei diesen erweiternden Städtebündnissen, sondern da sind neue Dokumente hinzugekommen. Also ich gehe richtig in der Annahme, dass dieser Bundesbrief von Brunnen wichtig ist, insofern, dass es quasi nicht eine Verfassung im heutigen Sinne war. aber zumindest eine Inspiration für alles zukünftige, was sich dann konstituiert hat und festgeschrieben hat und festgesetzt hat. Also eine Art Inspirationsgrundlage. Das kann man sicher sagen. Es ist ein Dokument, das eben... ...eben gegen aussen eine Unabhängigkeit postuliert und fordert, dass eben auch sagt, dass man streng unterscheidet zwischen eigenen und Fremden. Das macht man heute nicht mehr so gern, aber das war damals ganz klar, dass hier geschieden wird. Und wenn die eigenen nicht gut tun, dann stösst man sie raus und will sie nicht mehr haben und solche... Dinge sind in so einem Bundesbrief. Da gibt es, wie gesagt, strafrechtliche Aspekte, da gibt es nach heutigem Sinn zivilrechtliche Aspekte. Das ist natürlich noch nicht genau gemischt mit heutiger Juristerei, ist dem nicht beizukommen. Was haben wir vergessen? Was gibt es über den Bundesbrief von Brunnen sonst noch anzumerken, anzufügen? Was ist interessant? Ich kann nur empfehlen, neben dem viel bewunderten Bundesbrief von 1291 im Bundesbriefarchiv in der Schweiz auch diesen Bund von Brunnen ein bisschen zu studieren. Das entsprechende Dokument, auch das hat es verdient. Brunnen ist etwas in den Schatten getreten, obwohl ja das Rütli hier sehr, sehr nahe liegt am Vierwaldstättersee, wo dieser Bund der Eidgenossen beschworen worden sollen sein. Also das weiss man so nicht genau, wie das gewesen ist. Das sind natürlich Legenden. Aber ich meine... Der Bund von Brunnen lohnt sich schon genauer anzusehen und es ist ein sehr, sehr wichtiges Dokument. Weiss man eigentlich auch, wer diesen Bundesbrief damals 1315 unterzeichnet, unterschrieben hat? Ist es über die Personen, die Konstellation da etwas bekannt? Die Personen sind nicht bekannt, aber es sind natürlich die Siegel bekannt von Uri Schwyz und Unterwalden, die sich auch erhalten haben. Also hier ist es klar, was eben... nicht ganz klar ist, wo auch diskutiert wird, welches ist jetzt der Urtext, wo wurde abgeschrieben, wurden auch noch spätere Fassungen festgesetzt, die vielleicht Jahrzehnte später dann erst entstanden sind. Also hier herrscht unter den Geschichtswissenschaftlern und Mittelalterforschern nicht immer ganz grosse Einigkeit. Lieber Christoph, ganz herzlichen Dank für deine Ausführungen. Ihnen danken wir für die Aufmerksamkeit, Wir wünschen Ihnen einen... Schönen Sonntag und ein wunderbares Wochenende. Bis zum nächsten Mal bei Meilenscheine der Schweizer Geschichte. Wir geben zurück nach Zürich. Vielen Dank.

Meilensteine der Schweizer Geschichte: Prof. Christoph Mörgeli über den Bundesbrief von Brunnen (1315), Inspiration für die Eidgenossenschaft, wie wir sie heute kennen

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Meilensteine der Schweizer Geschichte: Prof. Christoph Mörgeli über den Bundesbrief von Brunnen (1315), Inspiration für die Eidgenossenschaft, wie wir sie heute kennen
Meilensteine der Schweizer Geschichte: Prof. Christoph Mörgeli über den Bundesbrief von Brunnen (1315), Inspiration für die Eidgenossenschaft, wie wir sie heute kennen
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Kapitel

  1. Einleitung und Begrüssung
  2. Brunnen und seine Bedeutung
  3. Die Geschichte von Brunnen
  4. Der Bundesbrief von Brunnen
  5. Hintergrund der Morgartenkriege
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