Eine wilde Freisinnige, die von der SVP und den Linken unterstützt wird, FDP-Kantonsräte im Lager der Sprengkandidatin – und mittendrin eine SVP-Nationalrätin, die dem offiziellen Kandidaten die Treue hält: Die Ersatzwahl fürs Bezirksgericht Meilen wurde zum Politspektakel an der Goldküste. Am Ende setzte sich FDP-Kandidat Roger Büchi knapp gegen seine abtrünnige Parteifreundin Ewa Szczogiel durch.
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Szczogiel konnte auf ein ungewöhnlich breites Bündnis zählen. Zu ihren Unterstützern gehörten SVP-Nationalrat Thomas Matter, dessen Ehefrau, SVP-Kantonsrätin Marion Matter, und SVP-Kantonalpräsident Domenik Ledergerber. Ebenso mehrere FDP-Kantonsräte sowie alle grossen Parteien von SVP bis SP mit Ausnahme der FDP. Sogar Bezirksgerichtspräsident Hanspeter Meister (SVP) stärkte der Herausforderin in fragwürdiger Parteinahme den Rücken.
Die lokalen Medien von NZZ bis Tages-Anzeiger haben ausführlich über den Wahlkampf berichtet. Nur eine Frage blieb offen: Was hat die SVP geritten, eine wilde Kandidatur zu unterstützen, notabene gemeinsam mit Mitte-links? Wo doch die Parteilinie besagt, immer den offiziellen Kandidaten einer anderen Partei zu wählen, weil man sonst die Verantwortung für jemanden übernimmt, den man nicht führen kann. Kommt hinzu, dass Büchi besser ausgebildet, erfahrener und lokal stärker verankert ist als Szczogiel.
Den Überblick behielt Nina Fehr Düsel. Die SVP-Nationalrätin aus Küsnacht, die in diesen Spalten auch schon kritisch beurteilt wurde, blieb gradlinig und sass im Unterstützungskomitee von Büchi. Weshalb es Parteigrössen wie Matter und Ledergerber anders machten, werden sie ihren Wählern erklären müssen. Gerichtspräsident Meister muss sich die Frage gefallen lassen, wie er mit Büchi vertrauensvoll zusammenarbeiten will. Der Ball liegt bei ihm.
Der harte Abstimmungskampf, begleitet von ungewöhnlich grossen Kampagnen auf beiden Seiten, hat viele Verlierer und nur zwei Gewinner hervorgebracht: Roger Büchi – und Nina Fehr Düsel.