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Die Weltwoche

Ticker: Wahl in Sachsen-Anhalt

07.09.2026

«So geht demokratische Politik»: BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig ist gegen die Brandmauer in Sachsen-Anhalt

Bild: JAN WOITAS / KEYSTONE

BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig hält es angesichts des starken Abschneidens der AfD in Sachsen-Anhalt für undemokratisch, die Partei grundsätzlich von einer Regierungsbeteiligung auszuschliessen. «Wenn 44 Prozent der Wähler die AfD gewählt haben, wäre es meiner Meinung nach völlig undemokratisch, die AfD nicht an einer Regierung zu beteiligen», sagte Wittig nach ersten Hochrechnungen.

Die BSW-Politikerin zeigte sich zugleich offen für eine sachbezogene Zusammenarbeit mit der AfD. «Wir haben ja von Anfang an gesagt, dass wir immer in der Sache entscheiden werden», erklärte sie. Es gebe «natürlich Projekte, die wir uns mit der AfD sehr gut vorstellen könnten, zu machen». Ihre Partei wolle weiterhin über einzelne Vorhaben nach deren Inhalt entscheiden.

Eine Wahl des AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten schloss Wittig allerdings aus. «Ich möchte Herrn Siegmund nicht wählen», sagte sie. Ebenso wenig wolle sie den CDU-Kandidaten Sven Schulze unterstützen. Stattdessen plädiert das BSW für einen überparteilichen Regierungschef. Angesichts einer gespaltenen Gesellschaft sehe ihre Partei ihre Aufgabe darin, zu vermitteln.

AfD-Chefin Alice Weidel begrüsste Wittigs Aussagen. «So geht demokratische Politik», erklärte sie und sprach sich dafür aus, «in der Sache» miteinander zu reden, statt «Brandmauern hochzuziehen».

Das BSW lag nach ersten Hochrechnungen (Stand: Sonntagabend) bei 5 Prozent und damit an der Schwelle zum Einzug in den Landtag.

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«Die Hand ist ausgestreckt»: AfD-Chefs Weidel und Chrupalla sehen klaren Regierungsauftrag und sind offen für Gespräche

Bild: MICHAEL KAPPELER / KEYSTONE

Die AfD-Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla leiten aus dem Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt einen klaren Regierungsauftrag ab und erklären die bisherige Abgrenzungsstrategie der CDU für gescheitert. Weidel sprach im ZDF von einem «historischen Ergebnis» und einem «klaren Regierungsauftrag für die stärkste Partei». «Schauen Sie sich unser Ergebnis an! Wir gehen hier durch die Decke», sagte sie.

Die Hand der AfD sei gegenüber den anderen Parteien ausgestreckt. «Wir ziehen keine Brandmauer», erklärte Weidel. Zugleich betonte sie, dass der AfD-Landesverband Sachsen-Anhalt bei den weiteren Entscheidungen völlig eigenständig sei. Den Wahlerfolg sieht die Parteichefin als Vorzeichen für weitere Zugewinne: «Wir werden in ganz Ostdeutschland durch die Decke gehen. Auch im Bund.» Der CDU prophezeite sie dagegen weitere Niederlagen: «Die CDU wird keine Wahlen mehr gewinnen, keine Bundestagswahl.»

Co-Parteichef Chrupalla erhob ebenfalls einen Machtanspruch. «Ulrich Siegmund wird unser neuer Ministerpräsident», sagte er in Magdeburg. Sollte es nicht für eine Alleinregierung reichen, werde die AfD «allen die Hand ausstrecken, die es gut mit Sachsen-Anhalt meinen und auch mit Deutschland». Neben Vereinbarungen mit anderen Parteien brachte Chrupalla auch eine tolerierte Minderheitsregierung ins Spiel.

Das Ergebnis wertete er zugleich als Signal an Bundeskanzler Friedrich Merz und die CDU. «Wir haben die CDU halbiert, also von daher toller Abend», sagte Chrupalla mit Blick auf das frühere Ziel von Merz, die AfD zu halbieren. Ministerpräsident Sven Schulze sei klar abgewählt.

Auch die sogenannte Brandmauer gegen die AfD erklärte Chrupalla für gescheitert. «Die Brandmauer ist abgewählt worden, am heutigen Tage endgültig», sagte er in der ARD. Der CDU gab er mit auf den Weg: «Toi toi toi, viel Spass mit den Linken, wenn man sich damit tolerieren will.»

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Sachsen-Anhalt: CDU-Generalsekretärin schliesst Zusammenarbeit mit Linkspartei aus

Bild: CHRISTOPH SOEDER / KEYSTONE

Die CDU schliesst nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei ebenso aus wie ein Bündnis mit der AfD. CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann bekräftigte die Abgrenzung zu beiden Parteien. Es werde «keine Zusammenarbeit mit Linksextremen und Rechtsextremen geben», sagte sie.

Hoppermann wies insbesondere Spekulationen zurück, die CDU könnte angesichts der schwierigen Mehrheitsverhältnisse auf die Linke zugehen. Sie verwies darauf, dass diese der Union vorwerfe, «faschistische Politik zu machen». Die bisherige Abgrenzung bleibe deshalb bestehen. Damit schliesst die CDU eine Zusammenarbeit mit der Linken aus, obwohl die Regierungsbildung nach dem starken Abschneiden der AfD schwieriger geworden ist.

Bundespolitische Konsequenzen aus der Niederlage will die Union ebenfalls nicht ziehen. Hoppermann erklärte in der ARD, es werde nun keine Diskussion über Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz oder über die Bundesregierung beginnen.

Unionsfraktionschef Thorsten Frei bezeichnete das Wahlergebnis allerdings als Einschnitt. Erstmals sei eine vom Landesverfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestufte Partei bei einer Landtagswahl stärkste Kraft geworden. Die CDU müsse deshalb analysieren, weshalb sie einen erheblichen Teil der Wähler nicht mehr erreiche. Am Reformkurs der Bundesregierung hielt Frei fest. Dieser sei für die Zukunft notwendig. Auch eine Debatte über Merz lehnte er ab.

Kanzleramtsministerin Nina Warken sprach im ZDF von einer «Zäsur» und einem «sehr, sehr schwierigen Ergebnis» auch für die Bundesregierung. Die von Berlin angestossenen Reformen müssten allerdings erst ihre Wirkung entfalten. Trotz des Wahlausgangs hält die CDU damit an ihrem bundespolitischen Kurs und an der Abgrenzung sowohl zur AfD als auch zur Linken fest.

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Ralf Schuler

Ralf Schuler

Abo Alle gegen die AfD – und die AfD gewinnt: Die Wahl in Sachsen-Anhalt ist eine gewaltige Zäsur in der politischen Nachkriegsgeschichte Deutschlands

Bild: SEBASTIAN GOLLNOW / KEYSTONE

Das Ergebnis der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt stellt selbst die «schlimmsten» Szenarien der etablierten Parteien in den Schatten: Die AfD ist noch stärker geworden als in den Umfragen prognostiziert, und die Union ist noch heftiger abgestürzt als befürchtet. Wenn man die ganze Dimension dieses politischen Bebens ermessen will, muss man sich vor Augen führen, dass AfD-Spitzenkandidat [&he

Stefan Millius

Stefan Millius

«Persönliche Demütigung für Merz»: So blickt die Welt auf den historischen AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt

Bild: MICHAEL KAPPELER / KEYSTONE

Der Erdrutschsieg der AfD in Sachsen-Anhalt sorgt weit über Deutschland hinaus für Schlagzeilen. Mit rund 44 Prozent hat die Partei ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppelt. Die CDU stürzt auf etwa 18,5 Prozent ab. Internationale Medien sprechen von einer Zäsur. Und vor allem von einer schweren Niederlage für Bundeskanzler Friedrich Merz.

Der britische Telegraph sieht die «migrantenfeindliche AfD» auf dem Weg zu einem «überwältigenden Wahlsieg». Die Financial Times bezeichnet das Resultat als «Durchbruch» für die Partei und gleichzeitig als «schweren Rückschlag» für Deutschlands etablierte Kräfte.

Noch deutlicher wird die Times: Das Ergebnis sei eine «persönliche Demütigung für Friedrich Merz». Der Kanzler habe sich im Wahlkampf weitgehend zurückgehalten, weil seine Unbeliebtheit der AfD zusätzlich hätte helfen können.

Auch in Südeuropa dominiert eine dramatische Tonlage. La Repubblica schreibt von der «schwarzen Welle der AfD», die spanische La Vanguardia von einem Rekordsieg, der «die deutsche Politiklandschaft aufgerüttelt» habe.

Die belgische Wirtschaftszeitung De Tijd sucht die Ursachen dagegen nüchterner: Die AfD habe von der Frustration über die schwache Wirtschaft und hohe Energiepreise profitiert und mit Forderungen nach einem Migrationsstopp, einem Ende der Klimaschutzmassnahmen und besseren Beziehungen zu Russland gepunktet.

Die New York Times hebt hervor, dass die Zugewinne der AfD fast vollständig zu Lasten der CDU gegangen seien. Diese sei «mit Abstand» die grösste Verliererin des Abends. In Polen fragt das Portal Onet bereits: «Politische Wende in Deutschland?»

Der Tenor der internationalen Presse ist damit bemerkenswert einheitlich: Sachsen-Anhalt war keine gewöhnliche Landtagswahl. Der Triumph der AfD wird als historischer Einschnitt wahrgenommen. Vor allem aber auch als Warnsignal für Merz und die politische Mitte Deutschlands.

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06.09.2026
Wolfgang Koydl

Wolfgang Koydl

Abo Donnerschlag der Demokratie: Sachsen-Anhalt will die AfD an der Regierung

Bild: SEBASTIAN GOLLNOW / KEYSTONE

Ein Paukenschlag war erwartet worden, aber die Wähler von Sachsen-Anhalt haben einen Donnerschlag geliefert. Fast die Hälfte der Wähler will die AfD an der Regierung, will einen radikalen Politikwechsel. Ob es dazu kommen wird, steht freilich in den Sternen. Denn nach wie vor scheinen die anderen Parteien – alle im einstelligen Prozentbereich – entschlossen, sich […]

Sachsen-Anhalt: AfD gewinnt mit weitem Abstand – aber erreicht keine absolute Mehrheit, zeigt Prognose

Bild: CLEMENS BILAN / KEYSTONE

Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit grossem Abstand gewonnen, eine absolute Mehrheit zeichnet sich nach der ersten Prognose jedoch nicht ab. Nach der ARD-Prognose von Infratest dimap kommt die Partei von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auf 44,5 Prozent, während die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze auf 18,5 Prozent abstürzt.

Damit gewinnt die AfD erstmals eine Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und verbessert ihr Ergebnis gegenüber 2021 um mehr als zwanzig Prozentpunkte. Damals hatte sie 20,8 Prozent erreicht. Die CDU, die vor fünf Jahren mit 37,1 Prozent noch klar stärkste Kraft gewesen war, verliert rund die Hälfte ihres Stimmenanteils.

Auf den weiteren Plätzen folgen laut Prognose die Linke mit 9,5 Prozent, die Grünen mit 9 Prozent und die SPD mit 8 Prozent. Das BSW liegt mit 5 Prozent genau an der Schwelle zum Einzug in den Landtag, die FDP scheitert mit 2 Prozent deutlich. Auf sonstige Parteien entfallen 3,5 Prozent. Damit hängt die Sitzverteilung auch davon ab, welche kleineren Parteien letztlich die Fünf-Prozent-Hürde überwinden.

Die Wahlbeteiligung war deutlich höher als vor fünf Jahren. Nach Angaben der Landeswahlleitung hatten bis 16 Uhr bereits 65,3 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, Briefwähler noch nicht eingerechnet. 2021 waren es zum gleichen Zeitpunkt 41 Prozent. Rund 1,7 Millionen Menschen waren zur Wahl aufgerufen.

Das Ergebnis stellt die Regierungsbildung vor neue Verhältnisse. Die AfD liegt weit vor allen Konkurrenten, verfügt nach der ersten Prognose aber nicht über eine eigene Mehrheit. Für die CDU zeichnet sich dagegen ein historischer Einbruch ab. Entscheidend sind nun die Hochrechnungen und vor allem das Abschneiden des BSW an der Fünf-Prozent-Hürde.

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