Schärli, Feigenwinter, Moreira: Lavadeiras. Enja 9868
Das Trio, mit dem der Trompeter Peter Schärli schon 2013 aufs glücklichste für ein Album zusammengearbeitet hat («Castelo», TCB Records), ist schon in der Besetzung ein hohes Risiko: eine offene, stets ungedämpfte Trompete mit einem unverkennbar klaren, lapidaren Ton und dazu zwei üppig orchestrale Instrumente, die sich bei geringer Aufmerksamkeit leicht zum Pleonasmus türmen oder sich gar behindern könnten. Allein, Juan Moreira ist ein Meister seines Fachs. Unter vielen Partnern der grossen Maria Bethania lobt ihn ein Altmeister wie Milton Nascimento: «Juan Moreira ist einer der besten Gitarristen aller Zeiten . . . und auch ein begnadeter Komponist! Sein Spiel nimmt mich mit auf einen Trip ins Paradies.»
Seine Begegnung mit dem brasilophilen Schärli ist kein Zufall. Und Hans Feigenwinter aus Basel (Schärli stammt aus dem luzernischen Schötz) ist in vielen Schweizer Formationen (darunter auch in mehreren unter eigenem Namen) und als gesuchter Begleiter amerikanischer Stars auf Tour in Europa (Woody Shaw, Joe Lovano, Buddy DeFranco, Tom Varner u. v. a.) unterwegs gewesen; er ist nicht nur als eigenwilliger und gebildeter Komponist, sondern als ein besonders feinsinniger, interaktiv kreativer Partner am Piano in unterschiedlichsten Formationen bekanntgeworden.
Will sagen: Schärli findet in seinen Mitmusikern eine ideal austarierte Partnerschaft, ungeachtet ihrer weit auseinander liegenden Herkunft: stark genug in der reichen Harmonik der vornehmlich brasilianisch inspirierten Songs, in denen Schärlis immer melodische, nie sentimentale «trockene» Trompete den Lead übernimmt; und immer subtil im gegenseitigen, gelegentlich üppig aufrauschenden, aber immer den andern einbeziehenden, abwägenden Ein- und Gegenklang.
Auch wenn sich mir der Sinn des Titels «Lavadeiras» (portugiesisch «Wäscherinnen») nicht eröffnet – musikalisch haben alle acht Stücke einen brasilianischen Bezug: Drei Kompositionen stammen von Moreira, drei von Schärli, zwei von Feigenwinter. Auf zweien verstärkt die Sängerin Cinzia Catania die Band.
Insgesamt gehört Schärlis jüngstes Album in den Zusammenhang seiner saudade brasileira, seiner brasilianischen Sehnsucht, des andern Pols dieses innerschweizerischen Jazzklassikers, der auch schon als bester Trompeter Brasiliens ausgezeichnet wurde.

