Kalkül des Abnutzungskriegs: Kiews Oberbefehlshaber nennt Ziel von über tausend russischen Verlusten täglich
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Kalkül des Abnutzungskriegs: Kiews Oberbefehlshaber nennt Ziel von über tausend russischen Verlusten täglich

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Kiews Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj hat das Ziel der ukrainischen Streitkräfte im Abnutzungskrieg gegen Russland umrissen: Die russischen Verluste sollen dauerhaft höher sein als die Fähigkeit Moskaus, neue Soldaten zu rekrutieren. Das sagte Syrskyj in einem Interview mit der britischen Zeitung The Times.

Sergey Dolzhenko/EPA/Keystone
Wolodymyr Selenskyj und Oleksandr Syrskyj bei einer Drohnenübergabe in Kiew
Sergey Dolzhenko/EPA/Keystone

«Unser Hauptziel ist es, sicherzustellen, dass der Gegner jeden Tag mehr als 1000 Soldaten als Tote oder Verwundete verliert – Verluste, die so hoch sind, dass sie seine Fähigkeit übersteigen, seine Streitkräfte wieder aufzufüllen», sagte der Oberbefehlshaber. Nach seinen Angaben haben die ukrainischen Streitkräfte seit dem 1. Januar dieses Jahres rund 183.500 russische Soldaten getötet oder schwer verwundet. Diese Zahl liege über den geschätzten 180.500 Rekrutierungen Russlands im gleichen Zeitraum.

Syrskyj erklärte, die ukrainische Strategie bestehe darin, das eigene Territorium zu verteidigen, russische Truppen zu schwächen sowie deren Logistik und militärische Infrastruktur mit Drohnenangriffen zu treffen. Einen Wendepunkt im Krieg sieht er derzeit nicht. «Ich kann nicht sagen, dass sich der Krieg bereits einem Wendepunkt nähert», sagte er. Man hoffe jedoch auf einen Zeitpunkt, an dem Russland seine verfügbaren Kräfte ausgeschöpft habe und sich die militärische Dynamik verändere.

Mit Blick auf die Entwicklung des Krieges verwies Syrskyj auf die Bedeutung neuer Technologien. «Krieg ist ein ständiger Wettbewerb – ein Wettbewerb zwischen Technologien, Volkswirtschaften und Ressourcen», sagte er. Nach seinen Angaben setzt die Ukraine inzwischen mehr FPV-Drohnen ein als Russland. Zugleich warnte er: «Wir dürfen den Gegner nicht unterschätzen. Russland verfügt über ein enormes Potenzial, vor allem bei seinen Waffensystemen.» Zur Unterstützung durch westliche Staaten sagte Syrskyj: «Letztlich können wir diesen Krieg nicht allein gewinnen.»

Syrskyj ist seit Februar 2024 Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte. Der Berufsoffizier wurde 1965 im russischen Gebiet Wladimir geboren und wuchs in Charkiw auf. Nach der russischen Invasion 2022 leitete er die Verteidigung Kiews sowie später die Gegenoffensive im Gebiet Charkiw. The Times beschreibt ihn als einen General mit «eiserner Entschlossenheit», grosser Selbstdisziplin und einem «kühlen Kalkül» bei militärischen Entscheidungen.

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