Die Nato unterstützt nach Angaben des finnischen Präsidenten Alexander Stubb die verstärkten ukrainischen Drohnenangriffe tief im russischen Hinterland. In einem Interview mit der Financial Times sagte Stubb, alle Staats- und Regierungschefs des Bündnisses verstünden, warum Kiew diesen Kurs eingeschlagen habe. Ziel sei es, den Druck auf Moskau zu erhöhen und Russland an den Verhandlungstisch zurückzuzwingen.
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Stubb äusserte sich vor dem Nato-Gipfel in Ankara, auf dem die weitere Unterstützung der Ukraine im Mittelpunkt stehen soll. Die erfolgreichen ukrainischen Angriffe auf militärische und wirtschaftlich wichtige Ziele in Russland hätten die strategische Lage verändert. Die Ukraine befinde sich heute militärisch, politisch und finanziell in ihrer stärksten Position seit Beginn des Krieges. Auch die Haltung der USA habe sich dadurch verändert.
Nach Einschätzung Stubbs nimmt der Druck auf Russland zu. Die Angriffe trügen den Krieg stärker zur russischen Bevölkerung und könnten langfristig die öffentliche Meinung beeinflussen. «Wenn der Krieg persönlich wird, wird sich die russische Bevölkerung dagegen wenden», sagte der finnische Präsident. Dies eröffne die Chance, die Friedensverhandlungen wieder in Gang zu bringen.
Zugleich warnte Stubb vor einer möglichen Eskalation. Russland könne seine hybriden Angriffe auf Europa verstärken und nach einem möglichen Waffenstillstand seine Streitkräfte erneut aufbauen. Im Gespräch mit Chinas Aussenminister Wang Yi sei auch das Risiko einer nuklearen Eskalation zur Sprache gekommen. Peking habe dabei deutliche Warnungen ausgesprochen.
Stubb sprach sich erneut für eine möglichst enge Anbindung der Ukraine an die Nato aus. Zwar sei eine sofortige Mitgliedschaft politisch derzeit nicht realistisch. Die ukrainische Verteidigungsindustrie solle jedoch so rasch wie möglich in die Strukturen des Bündnisses integriert werden. Die Ukraine verfüge insbesondere bei Drohnen und modernen Waffensystemen über Fähigkeiten, die «denen der meisten Nato-Mitglieder überlegen» seien. Davon könne das Bündnis selbst profitieren.