Zwischen Südkorea und der Ukraine ist ein diplomatischer Streit über zwei gefangene nordkoreanische Soldaten ausgebrochen: Seoul wirft Kiew vor, eine vereinbarte Geheimhaltung über deren Überstellung nach Südkorea verletzt zu haben. Auslöser war eine Rede des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj vor der Uno-Generalversammlung in New York, in der er den Transfer öffentlich gemacht hatte.
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Sung Ki-hong, leitender Sekretär des südkoreanischen Präsidenten, äusserte laut Financial Times «grosses Bedauern» darüber, dass die Ukraine die Überstellung «einseitig und abrupt» bekanntgegeben habe. Kiew selbst habe zuvor um Vertraulichkeit gebeten, der Seoul wegen der Sensibilität des Falls zugestimmt habe. «Wir verlangen eine offizielle Erklärung und eine Entschuldigung», erklärte Sung.
Kiew widerspricht dieser Darstellung. Selenskyjs Kommunikationsberater Dmytro Lytwyn erklärte, eine solche Vereinbarung habe es nicht gegeben. Ein hochrangiger ukrainischer Regierungsvertreter bestätigte, dass beide Seiten die Überstellung ausführlich besprochen hätten. Eine Vereinbarung auf Präsidentenebene, den Transfer geheim zu halten, habe es jedoch nicht gegeben.
Die beiden Nordkoreaner waren im Januar 2025 verwundet in der russischen Region Kursk gefangengenommen worden. Nach ukrainischen Geheimdienstschätzungen hat Pjöngjang rund 50.000 Soldaten zur Unterstützung Russlands entsandt sowie ballistische Raketen und schwere Artillerie geliefert. Die beiden Gefangenen sind gemäss dem Bericht die einzigen nordkoreanischen Soldaten, von denen bekannt ist, dass sie eine Gefangennahme überlebt haben. Gegenüber südkoreanischen Medien hatten beide den Wunsch geäussert, nach Südkorea zu gelangen.
Der Streit belastet das Verhältnis zwischen Seoul und Kiew zusätzlich. Die Ukraine bemüht sich seit längerem um südkoreanische Waffen und Patriot-Abfangraketen. Seoul lehnt Waffenlieferungen in aktive Kriegsgebiete bislang ab und beschränkt seine Unterstützung auf humanitäre Hilfe.