Die Gespräche zwischen den USA und dem Iran auf dem Bürgenstock bei Luzern sind am Sonntag vorerst unterbrochen worden. Nach Angaben iranischer Medien verliess die Delegation aus Teheran aus Protest gegen neue Drohungen von US-Präsident Donald Trump den Verhandlungsort. Eine iranische Quelle sagte der Nachrichtenagentur Reuters später, die Gespräche seien «unterbrochen, aber nicht beendet». Ob die Vermittler beide Seiten wieder an einen Tisch bringen können, ist offen.
Urs Flüeler/Keystone
Zuvor hatte US-Präsident Trump den Ton gegenüber Teheran deutlich verschärft. Auf Truth Social forderte er den Iran auf, seine «hochbezahlten Stellvertreter» im Libanon unter Kontrolle zu bringen. Sollten diese weiterhin für Unruhe sorgen, würden die Vereinigten Staaten den Iran erneut «sehr hart treffen». Zudem berichtete CNN unter Berufung auf iranische Beamte, Trump habe in vertraulichen Gesprächen vor einer Schliessung der Strasse von Hormus gewarnt. Demnach soll er erklärt haben, die Iraner würden «kein Land mehr haben», falls sie die strategisch wichtige Meerenge blockierten. Wörtlich habe er gesagt: «Ihr werdet nicht einmal mehr in euer verdammtes Land zurückkehren können.»
Irans Chefunterhändler und Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf reagierte mit scharfer Kritik. Die amerikanische Delegation solle vorsichtiger mit ihren Aussagen umgehen. «Wir messen den Drohungen der Amerikaner keinerlei Bedeutung bei; wir sind bereit, darauf zu reagieren», sagte er. Die iranische Delegation legte laut Medienberichten Protest ein und zog sich anschliessend in ihre Unterkunft zurück.
Zuvor hatte die erste Verhandlungsrunde rund achtzig Minuten gedauert. Nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens standen dabei nicht das iranische Atomprogramm, sondern die Lage im Libanon sowie ein 14-Punkte-Plan für die Umsetzung des jüngst unterzeichneten Rahmenabkommens im Mittelpunkt. Teheran verlangt Garantien für eine Waffenruhe im Libanon sowie die Freigabe von sechs Milliarden Dollar eingefrorener iranischer Vermögenswerte.
US-Vizepräsident J. D. Vance hatte die Gespräche am Nachmittag noch als «historisch» bezeichnet und von «grossen Fortschritten» gesprochen. Trotz der jüngsten Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah zeigte er sich optimistisch. «Wir sehen jetzt eine gemeinsame Zukunft, in der alle zusammenarbeiten können, um Frieden und Wohlstand zu fördern», sagte Vance. Wenige Stunden später gerieten die Verhandlungen jedoch durch die neuen Drohungen aus Washington erneut ins Stocken.