Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), fordert mehr Ostdeutsche an der Spitze der Bundesrepublik und bringt für die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ausdrücklich eine Frau aus Ostdeutschland ins Gespräch. «Warum sollte die nächste Bundespräsidentin nicht eine ‹kluge Frau aus Ostdeutschland› sein», sagte Kaiser der Neuen Osnabrücker Zeitung zum Tag der Deutschen Einheit.
Annette Riedl/DPA/Keystone
Kaiser kritisierte, dass Ostdeutsche in Führungspositionen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft noch immer nicht ausreichend vertreten seien. Gerade am 3. Oktober werde dies sichtbar: Wenn die Spitzen der Bundesrepublik zum Tag der Deutschen Einheit zusammenkämen, falle erneut auf, dass niemand von ihnen aus Ostdeutschland komme. Dadurch könne schnell der Eindruck entstehen, Ostdeutsche spielten bei der Führung des Landes keine Rolle und «sitzen nur am Katzentisch».
Die SPD-Politikerin erinnerte zugleich an die Folgen der Wiedervereinigung für viele Menschen im Osten. Die Zeit sei für sie von biografischen Umbrüchen und existenziellen Sorgen geprägt gewesen. Diese Erfahrungen wirkten bis heute nach. Zugleich sei seither viel erreicht worden. Kaiser bezeichnete Ostdeutschland als wirtschaftliche Innovationsregion, wichtigen Wissenschaftsstandort und Brücke ins östliche Europa.
Dennoch bestünden 36 Jahre nach der Wiedervereinigung weiterhin Unterschiede zwischen Ost und West, insbesondere bei Einkommen und Vermögen. Diese Ungleichheiten müssten nach Ansicht der Ostbeauftragten beseitigt werden.
Steinmeiers zweite Amtszeit endet im Frühjahr 2027. Nach zwei Amtszeiten darf der 70-Jährige nicht erneut kandidieren. Joachim Gauck war bislang der erste und einzige ostdeutsche Bundespräsident. Der gebürtige Rostocker amtierte von 2012 bis 2017.