Der Ukraine droht im kommenden Jahr trotz bereits zugesagter Milliardenhilfen eine Finanzierungslücke von rund 70 Milliarden Euro. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung unter Berufung auf Informationen aus der EU-Kommission und Angaben der ukrainischen Regierung.
Der ukrainische Finanzminister Serhij Martschenko bezifferte den ungedeckten Bedarf bei Gesprächen in Brüssel auf 32,6 Milliarden Dollar für den regulären Staatshaushalt und weitere 45 Milliarden Dollar für die Verteidigung. Umgerechnet ergibt sich eine Lücke von knapp 70 Milliarden Euro. Nach Angaben der Zeitung stellt die EU-Kommission diese Grössenordnung nach Konsultationen mit Kiew nicht grundsätzlich in Frage.
Dan Bashakov/AP/Keystone
Dabei sind bereits zugesagte Gelder eingerechnet. Aus dem Ende 2025 beschlossenen EU-Darlehen über 90 Milliarden Euro soll Kiew 2027 weitere 45 Milliarden erhalten: 30 Milliarden für das Militär und 15 Milliarden für den Staatshaushalt. Die zusätzlich benötigten 70 Milliarden kommen noch hinzu. Übernimmt die EU wie bisher etwa zwei Drittel des weiteren Finanzbedarfs, müsste sie allein 2027 nochmals rund 45 Milliarden Euro aufbringen.
Für das laufende Jahr sieht Brüssel die Finanzierung dagegen als gesichert an. Der Ukraine stehen noch 16,6 Milliarden Euro Militärhilfe sowie 17,1 Milliarden Euro Budgethilfe zu. Voraussetzung für Teile der Zahlungen ist allerdings, dass Kiew vereinbarte Reformgesetze verabschiedet. Ohne diese Reformen dürfte es nach Angaben aus Kommissionskreisen schwierig werden, zusätzliche Hilfen für 2027 zu erhalten.
Die wachsende Finanzlücke hängt laut Bericht auch mit sinkenden ukrainischen Einnahmen und höheren Kriegskosten zusammen. Seit August könne die Ukraine kein Getreide mehr über das Schwarze Meer exportieren, während russische Angriffe die Industrie zusätzlich belasteten. Zugleich beruhte die ursprüngliche Finanzplanung für den EU-Kredit auf einer Annahme des Internationalen Währungsfonds, wonach die Kämpfe noch 2026 enden würden.
Die EU-Kommission will den Staats- und Regierungschefs beim nächsten Europäischen Rat eine erste Übersicht über den zusätzlichen Finanzbedarf vorlegen.