Es gehört heute zum guten Ton, alltägliche Befindlichkeiten zu massiven Problemen hochzustilisieren. Dabei sagt niemand mehr: Es war anstrengend. Heute ist alles «extrem belastend», «emotional schwierig», «toxisch» oder gleich «nicht mehr tragbar». Elternschaft zum Beispiel. Früher hielt der Nachwuchs einen auf Trab. Heute klingt derselbe Sachverhalt wie ein Ausnahmezustand, Kinder grossziehen als kaum zu bewältigende Aufgabe. Oder Dating. Kein zweites Rendez-vous nach einem guten Abend – früher ein unschöner Moment, heute Anlass für Diagnosen über Bindungstraumata in Instagram-Reels. Im Job eine Kritik vom Vorgesetzten, und man ist in seiner eigenen «Identität» (a ...