Deutschland verhält sich zur Strasse von Hormus wie ein Kaufmann, der am Hafen steht, den Sturm beobachtet und erklärt, mit der ganzen Sache nichts zu tun zu haben, während seine komplette Ware draussen auf dem Schiff liegt. Berlin beteiligt sich jedenfalls nicht am amerikanisch-israelischen Vorgehen gegen den Iran. Das wird als Besonnenheit verkauft, manchmal sogar als moralische Überlegenheit. Die Amerikaner bomben, die Deutschen moderieren. Washington schickt Flugzeugträger. Berlin schickt Appelle zur Deeskalation. Man kennt die Rollenverteilung.
Nur ist die Strasse von Hormus ausgerechnet die Schlagader der Weltwirtschaft. Wenn dort Tanker festhängen oder Raketen fliegen, trifft das nicht nur Texas oder Tel Aviv, sondern auch BASF, Volkswagen und den deutschen Mittelständler, dessen Geschäftsmodell auf genügend bezahlbarer Energie und funktionierenden Lieferketten beruht. Deshalb wirkt die deutsche Haltung seltsam weltfremd.
Klar, niemand hat Lust auf ein militärisches Abenteuer. Aber wenn die Regierung Merz so tut, als könne sie sich geopolitisch elegant heraushalten, obwohl Deutschland wirtschaftlich bis zum Hals drinsteckt und beispielsweise mit dem US-Stützpunkt Ramstein einen wichtigen Logistikbeitrag liefert – dann ist das eben weltfremd. Deutschland sitzt in Wahrheit mit im Maschinenraum dieses Krieges, nur mit der typisch deutschen Hoffnung, dabei möglichst unsichtbar zu bleiben.
Tatsächlich käme Deutschland eine andere Rolle zu. Denn ausgerechnet zum Iran unterhält Berlin traditionell bessere Beziehungen als fast jeder andere westliche Staat. Während die USA in Teheran als ewiger Gegner gelten und die Briten historisch als Kolonialmacht einen miesen Ruf haben, hatte Deutschland lange den Nimbus des nüchternen, berechenbaren Partners. Deutsche Technik, deutsche Diplomatie, deutsche Ingenieure hatten im Iran über Jahrzehnte Gewicht. Deshalb wäre deutsche Diplomatie mehr gewesen als das übliche europäische Räuspern in Richtung Deeskalation.
Berlin könnte vermitteln, nicht als moralischer Oberlehrer, sondern als einer der wenigen westlichen Akteure, denen Teheran überhaupt noch zuhört.

