Jordan Bardella, möglicher Präsidentschaftskandidat des Rassemblement National für die französischen Wahlen 2027, hat sich deutlich von US-Präsident Donald Trump distanziert. In einem Interview mit dem Nachrichtenportal Politico bezeichnete der Parteichef das Verhalten Trumps als «erratisch», «äusserst wechselhaft» und schwer berechenbar.
Bardella erklärte, die Unterstützung, die er und Marine Le Pen suchten, komme ausschliesslich vom französischen Volk. «Wir brauchen keine Einmischung von aussen», sagte er – und wies damit auch eine mögliche Wahlempfehlung des amerikanischen Präsidenten zurück. Trump hatte sich in den vergangenen Jahren wiederholt zugunsten politischer Verbündeter in Europa und Lateinamerika geäussert.
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Noch vor Trumps Wiederwahl hatte Bardella erklärt, sein «Herz neige zu Trump». Nun betont der 29-Jährige die wachsende Unsicherheit über die amerikanische Politik und warnt vor einer Entwicklung, in der die USA nicht mehr bereit seien, Europas Sicherheit zu garantieren.
«Die Amerikaner bleiben Verbündete», sagte Bardella. Gleichzeitig seien sie aber nicht länger gewillt, die Rolle des Schutzschilds für Europa zu übernehmen. Trumps zweite Amtszeit unterscheide sich grundlegend von der ersten. Washington betrachte sich zunehmend als Macht mit eigener Einflusssphäre und verfolge seine Interessen entschlossener als früher.
Vor diesem Hintergrund fordert Bardella einen stärkeren europäischen und insbesondere französischen Beitrag zur Verteidigung des Kontinents. Frankreich müsse sich als Alternative zur amerikanischen Rüstungsindustrie positionieren und europäischen Staaten eine eigenständige sicherheitspolitische Option bieten.
Innenpolitisch bleibt Bardella eng mit Marine Le Pen verbunden. Sollte deren Verurteilung wegen Veruntreuung in einem laufenden Berufungsverfahren bestätigt werden, dürfte sie von der Präsidentschaftswahl 2027 ausgeschlossen bleiben. In diesem Fall gilt Bardella als aussichtsreichster Kandidat des Rassemblement National. Umfragen sehen ihn bereits heute als einen der Favoriten für den Einzug in den Élysée-Palast.
Bardella hält an seiner harten Linie in der Migrationspolitik fest. Die Analyse der Migrationslage in Europa teile er weitgehend mit der amerikanischen Regierung von Donald Trump. Frankreich müsse seine Identität und seine Grenzen verteidigen, sagte er. Unterschiede zu Washington sieht er vor allem in der Sicherheits- und Handelspolitik. Den jüngsten Handelsvertrag zwischen der EU und den USA kritisierte er als Form wirtschaftlicher Abhängigkeit Europas.