SP-Nationalrätin Jacqueline Badran hat ihren Parteikollegen Daniel Jositsch nach dessen Nichtnominierung für die Zürcher Ständeratswahlen öffentlich scharf kritisiert. Bei einem Auftritt in der Talkshow von Mike Müller im Zürcher Schauspielhaus bezeichnete sie den Zürcher Ständerat als «Möchtegern-Alphamännchen» und stellte dessen Auftreten in Frage.
Til Buergy/Keystone
Es war Badrans erster öffentlicher Auftritt seit dem Entscheid der Zürcher SP-Delegierten, Jositsch die Unterstützung für eine weitere Kandidatur zu verweigern. Damit gilt der Weg für eine mögliche Kandidatur Badrans als frei. Auf die Frage, ob sie den Sitz anstrebe, antwortete sie zurückhaltend: Wenn die Partei sie frage, müsse sie antreten.
Im Gespräch mit Müller äusserte sich Badran ausführlich zum parteiinternen Konflikt. Sie zeigte sich überzeugt, dass Jositsch trotz fehlender Nomination als unabhängiger Kandidat antreten werde. Dessen Darstellung, sie habe schon lange auf seinen Sitz spekuliert, bezeichnete sie als «völligen Quatsch». Zudem warf sie ihm vor, sich in der Öffentlichkeit als Opfer zu inszenieren und damit von eigenen «inhaltlichen und charakterlichen Auffälligkeiten» abzulenken.
Besonders deutlich wurde die Nationalrätin bei einem Ausflug in ihr früheres Studienfach Verhaltensbiologie. Auf die Frage, welches Verhalten sie bei Jositsch beobachten würde, nannte sie Eigenschaften wie «drohen» und «aufplustern» – Verhaltensweisen, die sie von Alphamännchen bei Pavianen kenne. Jositsch sei ein «Möchtegern-Alphamännchen», lautete ihr Fazit.
Nebenbei kritisierte Badran auch den heutigen Ständerat, den sie als stark von Lobbyinteressen geprägt bezeichnete. Jositsch selbst reagierte laut Bericht nicht auf eine Anfrage des Tages-Anzeigers zu den Aussagen seiner Parteikollegin.