Aussenminister Johann Wadephul hat bei einem Besuch in Brasilien um junge Fachkräfte für Deutschland geworben. Vor seinem Publikum zeichnete der CDU-Politiker dabei jedoch ein düsteres Bild der Lage in Deutschland und sprach über Fremdenfeindlichkeit, Probleme bei der Migration und eine übermässig negative Stimmung im Land. «Es wird ein bisschen zu viel über die Probleme als über das Gelingen gesprochen», sagte der CDU-Politiker im Goethe-Institut in São Paulo laut Welt.
Elisa Schu/DPA/Keytone
Der Auftritt stand im Zeichen des deutschen Fachkräftemangels. Wadephul traf unter anderem junge Brasilianer, die Deutsch lernen und über eine Ausbildung oder ein Studium in Deutschland nachdenken. Ein 18-Jähriger berichtete von seinem Plan, Krankenpfleger in Cottbus zu werden. Der Leiter der Spracharbeit Südamerika am Goethe-Institut hatte zuvor gesagt, unter den Schülern gebe es Sorgen wegen Ausländerfeindlichkeit in Deutschland.
Wadephul versuchte, diese Bedenken zu dämpfen, sprach aber zugleich offen über die Schattenseiten. Mit Blick auf Migration sagte er, es gebe Widerstände und auch problematische Kriminalität in diesem Bereich. Zugleich kritisierte er «auch viele Überreaktionen von Deutschen, die auch problematisch sind und die unnötig sind». Deutschland befinde sich in einem Lernprozess darüber, wer dazugehöre und wer Deutscher werden könne.
Der Minister betonte zugleich, es gelinge bei der Integration sehr viel. Wer bereit sei, sich einzufügen, Regeln zu akzeptieren, die Sprache zu lernen und zur Gesellschaft beizutragen, solle dazugehören. Deutschland brauche dringend Fachkräfte – und müsse diese auch willkommen heissen. In Brasilien besuchen mehr als 10.000 Schüler deutsche Auslandsschulen; viele Absolventen gehen später zum Studium nach Deutschland.