Am Rande des Christopher Street Day (CSD) in Berlin ist es am Samstagabend zu einem tödlichen Anschlag gekommen. Eine Frau verstarb vor Ort, 29 weitere Menschen wurden teils schwer verletzt. Der mutmassliche Täter – ein polizeibekannter islamistischer Gefährder – wurde am späten Sonntagnachmittag bei einem Polizeieinsatz erschossen.
Filip Singer/DPA/Keystone
Samstags, gegen 22 Uhr, steuerte der Täter einen weissen Lieferwagen über den Ahornsteig im Grossen Tiergarten gezielt in eine Gruppe von Passanten. Das eigentliche, rund 400 Meter entfernte Hauptfestgelände konnte das Fahrzeug nicht befahren.
Nachdem der Lieferwagen nahe der Bellevueallee mit einem Baum kollidierte, setzte der Fahrer den Angriff zu Fuss fort. Zeugen- und Behördenangaben zufolge griff er Umstehende mit einer Machete an, bevor er in der Dunkelheit flüchtete.
Eine Frau erlag noch am Tatort ihren Verletzungen. Von den 29 Verletzten schwebten drei Personen zeitweise in Lebensgefahr. Laut Polizei befinden sich inzwischen alle Verletzten ausser Lebensgefahr.
Die Veranstalter brachen den CSD gegen 22.15 Uhr offiziell ab. Einsatzkräfte der Polizei räumten das Areal geordnet und ohne Panik.
Im Rahmen einer Grossfahndung identifizierte die Berliner Polizei den mutmasslichen Täter rasch als den 21-jährigen Abdul B., einen in Berlin geborenen deutschen Staatsbürger. B. war den Sicherheitsbehörden bereits wegen extremistischer Bestrebungen als Gefährder bekannt.
Am Sonntagnachmittag gegen 18 Uhr lokalisierten Kräfte eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) den Gesuchten in einer Kleingartenanlage in Berlin-Spandau. Als Abdul B. bei der Festnahme mit einer Stichwaffe auf die Beamten zuging, schossen diese. Der Tatverdächtige verstarb noch am Einsatzort.
Die Ermittlungsbehörden stufen das Geschehen als islamistischen Terroranschlag ein. Bundes- und Landespolitik reagierten mit Bestürzung. Bereits am Sonntag gedachten Tausende Bürger bei Trauermärschen in der Berliner Innenstadt der Opfer.