Mann der Stunde
Suchbegriff

Die Weltwoche bietet tägliche Analysen, exklusive Berichte und kritische Kommentare zu Politik, Wirtschaft und Kultur.

Konto Anmelden
Die Weltwoche

Inhalt
Diese Woche
Julie Burchill
Von der Leyens innere Freiheit
Philipp Gut
Der Teufelskerl
Peter Hartmann
Der letzte Mann
Nicholas Farrell
«Die Mütter Grossbritanniens werden mich zum Premier machen»
Thilo Sarrazin
Raureif auf der Strecke
Sarah Pines
Sehnsucht ohne Halt
Anabel Schunke
Der Deutsche ist nackt
Daniela Niederberger
Frauen im Gebärstreik?
Peter Ruch
Weg mit dem Zentralismus
Roman Zeller
«Donnerschlag für die Klimadebatte»
Oskar Lafontaine
Wir müssen friedenstüchtig werden
Wolfgang Koydl
Russlands Minderheiten
Axel Robert Göhring
Requiem auf das Windrad
Michael Bahnerth
Das Ich als Summe von Parametern
Tamara Wernli
Mann der Stunde
Literatur und Kunst
Michael Bahnerth
Ikone der Woche
Stephen Smith
Ein harter Kerl und Träumer
Sylvie-Sophie Schindler
Gehen oder bleiben?
Mark van Huisseling
Genug von mir – wie finden Sie mich?
Esther Scheidegger Zbinden
Fatale Tessiner Familiengeschichte
Max Wey
Volkes Mund
Walter Hollstein
Gegen die Mühsal des Lebens
Sarah Pines
Rauchzeichen eines Ausradierten
Wolfram Knorr
Der Herd des Bösen
Peter Rüedi
Nirgendwo ist überall
Thomas Wördehoff
Diva ohne Alter, ohne Makel
Leben heute
Mark van Huisseling
Kleine Kapsel, grosse Wirkung
Linus Reichlin
Nur im Notfall
Dania Schiftan
Im Leistungsmodus
Weltwoche
Wir freuen uns über Ihre Zuschriften
Weltwoche
Ulf Poschardt über Deutschland und Bundeskanzler Merz, Sarah Pines betrachtet die Generation Alpha und die Jugendidole unserer Zeit, Fritz Vahrenholt und der «Donnerschlag für die Klimadebatte»
Wolfgang Koydl
Merkel, Esken, Spahn, Peston, Starmer, Macron, Ferguson, Andrew, Wulff, Trump, Murdoch, Söder, Hubertz, Kadyrow
Philipp Gut
Hilflose Marschbefehle an das Weltgeschehen
Ulf Poschardt
Kanzler der Unsicherheit
Oliver Stock
Stopp von arabischer Bürgergeld-Werbung
Alexander Wendt
Arroganz der Ohnmacht
Alexander Wendt
O Gott, sind wirklich erst hundert Tage um?
Roger Köppel
Brücken statt Brandmauern
Kurt W. Zimmermann
Merz auf den Spuren von Merkel
Matthias Matussek
Lieber Donald Trump
Mann der Stunde

Tamara Wernli

Mann der Stunde

Alle lieben Pedro Pascal. Alle? Nicht ganz – gefeiert wird er vor allem von links als Männerideal.

Der neue Inbegriff von Männlichkeit trägt Hoodie, spricht sanft, hat ein Faible für weibliche Fingernägel – und ist nett. «Alle lieben Pedro Pascal» (Spiegel), heisst es, «Nehmt euch Pedro Pascal lieber zum Vorbild» (Brigitte) oder «Wie Pedro Pascal zum Symbol moderner Männlichkeit wurde – der Schauspieler trotzt dem Machismo und setzt neue Standards für Latinx-Männer» (Men’s Health). «Latinx», ein genderneutraler Begriff aus den USA, in progressiven Redaktionen beliebt, bei vielen tatsächlichen Latinos eher nicht. Für eine Spiegel-Autorin mache Pascal «Hoffnung, dass es vielleicht doch eine gute Männlichkeit gibt».

Illustration: Fernando Vicente
Mann der Stunde
Illustration: Fernando Vicente

Wenn man den Autoren glauben darf, verhalten sich die meisten Männer heute falsch. Pascal macht alles richtig. Er ist emotional, sensibel, fragil, sanft. Der Fünfzigjährige spielte grossartig in «Game of Thrones» und «Narcos». Er ist aber nicht nur Schauspieler, er ist Twitter-Moralinstanz, Verbündeter. Er hat eine Schwester, die trans ist, und zeigt sich regelmässig solidarisch mit der LGBTQ-Community (nicht bekannt ist, zu welchem Geschlecht er sich hingezogen fühlt). In Interviews spricht er offen über Angstzustände. Als er einmal auf dem roten Teppich nervös wurde, suchte er die Hand von Kollegin Vanessa Kirby, die sie nahm und festhielt. In Posts lästert er über Trump-Sympathisanten, und als J. K. Rowling einem Gerichtsurteil zustimmte, das Männer und Frauen ausschliesslich anhand ihres biologischen Geschlechts definiert, schrieb er: «furchtbar, ekelhafte Scheisse», «abscheuliches Verlierer-Verhalten». An einer Pressekonferenz erklärt der Latino, dessen Eltern aus Chile geflüchtet sind, dass er sich für alle Menschen Schutz wünsche und: «Ich wünsche mir sehr, auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen.» Er umschlingt sich dabei selbst mit den Armen, als müsste er sich festhalten, während er spricht.

Ich hoffe, er geniesst es, man weiss ja nie, wie lange so etwas dauert.

Pascal hat eine ganz eigene Art, mit seinen Co-Stars in der Öffentlichkeit umzugehen. Da wird einer Kollegin schon mal zärtlich über die nackte Schulter gestrichen, die Hand geküsst, in besonders innigen Momenten, wie mit Kirby, werden Nasenspitzen aneinandergerieben wie bei den Pinguinen. Auch schenkt er weiblichen Fingernägeln die ihnen gebührende Aufmerksamkeit – etliche Videos zeigen, wie er Interviewerinnen danach fragt und ihnen entzückt Komplimente macht. Alles in allem wirkt er wie einer zum Wohlfühlen – und wenn Frauen- (und Männer-)Herzen höherschlagen, kann ich es verstehen.

Ich habe auch nichts dagegen, wenn ein toller Schauspieler von den Medien gehypt wird (abseits der Mainstreammedien ist der Pedro-das-neue-Männerbild-Fanklub allerdings deutlich kleiner). Ich hoffe, er geniesst es, man weiss ja nie, wie lange so etwas dauert. Aber ein Symbol für eine neue Männlichkeit? Das ist er nicht. Eine ganze Generation Medienschaffender hat einfach entschieden, einen Mann zu feiern, der genau so denkt wie sie. Er vereint all das, was die Ideale des progressiven Kulturmilieus spiegeln, er ist die Projektionsfläche ihrer Wünsche und Ansprüche. Natürlich darf auch die subtile Botschaft nicht fehlen: Diese Version von Männlichkeit ist die einzig richtige. Und genau hier wird’s schwierig: Wenn gesellschaftspolitische Haltungen nicht einfach Haltungen bleiben, sondern zum moralischen Massstab werden, um alle anderen abzuwerten. «Wer nicht wie Pedro ist, verhält sich falsch» – das wäre im Umkehrschluss die Überzeugung der eingangs erwähnten Autoren.

 

Gefühle zu zeigen und seine Unsicherheiten zu verstehen, ist zweifellos etwas Positives. Und natürlich sollen Männer im Umgang mit ihren Kolleginnen unterstützend und freundlich sein; ebenso ist es legitim, vom traditionellen Männerbild abzuweichen. Nur ist es für meinen Geschmack weder besonders männlich noch kohärent, wenn ein Mann, der sich selbst als sensibel und emotional inszeniert, Frauen wie J. K. Rowling attackiert, wenn sie an der Tatsache festhalten, dass es zwei biologische Geschlechter gibt, und für unsere geschützten Räume eintreten. Wie sensibel ist ein Mann, der nicht einmal ansatzweise bereit zu sein scheint, die Perspektive von Frauen nachzuvollziehen? Wenn Fragilität und Sanftheit nur auf der eigenen Seite gelten, ist das eher kein neues Männerbild, sondern ein Widerspruch in sich.

 

Folgen Sie unserer Autorin bei Youtube@LadyTamara

Abonnement
1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Zahlungsart
4. Abo prüfen

Ups! Wir konnten Ihr Formular nicht lokalisieren.

1. Start
2. Ihre Angaben
3. Abo prüfen
Startdatum: 04.08.2026
Mit der Bestellung akzeptieren Sie unsere AGBs.
Ihre Angaben
  • Dieses Feld dient zur Validierung und sollte nicht verändert werden.
  • Dieses Feld wird bei der Anzeige des Formulars ausgeblendet
    (Newsletter kann jederzeit wieder abbestellt werden)

Netiquette

Die Kommentare auf weltwoche.ch/weltwoche.de sollen den offenen Meinungsaustausch unter den Lesern ermöglichen. Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass in allen Kommentarspalten fair und sachlich debattiert wird.

Das Nutzen der Kommentarfunktion bedeutet ein Einverständnis mit unseren Richtlinien.

Scharfe, sachbezogene Kritik am Inhalt des Artikels, an Protagonisten des Zeitgeschehens oder an Beiträgen anderer Forumsteilnehmer ist erwünscht, solange sie höflich vorgetragen wird. Wählen Sie im Zweifelsfall den subtileren Ausdruck.

Unzulässig sind:

  • Antisemitismus / Rassismus
  • Aufrufe zur Gewalt / Billigung von Gewalt
  • Begriffe unter der Gürtellinie/Fäkalsprache
  • Beleidigung anderer Forumsteilnehmer / verächtliche Abänderungen von deren Namen
  • Vergleiche demokratischer Politiker/Institutionen/Personen mit dem Nationalsozialismus
  • Justiziable Unterstellungen/Unwahrheiten
  • Kommentare oder ganze Abschnitte nur in Grossbuchstaben
  • Kommentare, die nichts mit dem Thema des Artikels zu tun haben
  • Kommentarserien (zwei oder mehrere Kommentare hintereinander um die Zeichenbeschränkung zu umgehen)
  • Kommentare, die kommerzieller Natur sind
  • Kommentare mit vielen Sonderzeichen oder solche, die in Rechtschreibung und Interpunktion mangelhaft sind
  • Kommentare, die mehr als einen externen Link enthalten
  • Kommentare, die einen Link zu dubiosen Seiten enthalten
  • Kommentare, die nur einen Link enthalten ohne beschreibenden Kontext dazu
  • Kommentare, die nicht auf Deutsch sind. Die Forumssprache ist Deutsch.

Als Medium, das der freien Meinungsäusserung verpflichtet ist, handhabt die Weltwoche Verlags AG die Veröffentlichung von Kommentaren liberal. Die Prüfer sind bemüht, die Beurteilung mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vorzunehmen.

Die Online-Redaktion behält sich vor, Kommentare nach eigenem Gutdünken und ohne Angabe von Gründen nicht freizugeben. Wir bitten Sie zu beachten, dass Kommentarprüfung keine exakte Wissenschaft ist und es auch zu Fehlentscheidungen kommen kann. Es besteht jedoch grundsätzlich kein Recht darauf, dass ein Kommentar veröffentlich wird. Über einzelne nicht-veröffentlichte Kommentare kann keine Korrespondenz geführt werden. Weiter behält sich die Redaktion das Recht vor, Kürzungen vorzunehmen.