Mit dem Philosophen René Girard befasst sich unser Autor Jürg Altwegg seit langem. Als sich in Deutschland noch kaum jemand für den in Stanford lehrenden Franzosen interessierte, erschien dessen Hauptwerk «Das Heilige und die Gewalt» im Schweizer Benziger-Verlag, geleitet vom Publizisten und Übersetzer Gerhard Beckmann, mit dem Altwegg zusammenarbeitete. Inzwischen gehört der vor zehn Jahren verstorbene Girard zu den meistdiskutierten Denkern der Gegenwart. Tech--Visionär Peter Thiel studierte bei ihm, US-Vizepräsident J. D. Vance konvertierte nach seiner Girard-Lektüre zum Katholizismus. Altwegg stellt den Mann vor, der Amerikas Mächtige erschüttert. Seite 22
Ulf ANDERSEN/GAMMA
1999, kurz nach Hugo Chávez’ Machtübernahme, weilte unser Südamerika-Korrespondent Alex Baur letztmals in Venezuela. Familiäre und freundschaftliche Beziehungen verbanden ihn mit dem Land, das er allerdings bald als failed state abgeschrieben hatte. Nach 27 Jahren ist Baur für einen einwöchigen Streifzug erstmals wieder nach Caracas gereist – und hat seine alte Liebe zu diesem faszinierenden Land zu neuem Leben erweckt. Der radikale Wandel vom «antiimperialistischen» Sozialismus zum beinharten Kapitalismus in Venezuela ist atemberaubend. Doch um Ideologie geht es schon lange nicht mehr. Die herrschende Kaste, die auf Kosten der verelendeten proletarischen Massen in Saus und Braus lebte und nur zu gut weiss, dass sie den Rest ihrer Tage bestenfalls im Gefängnis verbringen wird, kämpft um das nackte Überleben. Seite 26
US-Präsident Trump verliere seine treue Wählerbasis. Scharenweise würden ihm junge Männer davonlaufen, berichten die Mainstream-Medien in Amerika und -Europa. Aber stimmt das auch wirklich? Urs Gehriger hat Robert Cahaly gefragt, der bei Trump-Themen präzise Umfrageresultate liefert. Zwar streite die Maga-Familie laut und heftig, aber am Wahltag stehe sie geschlossen hinter Trump und seinen Kandidaten, sagt Cahaly. Um Mehrheiten zu gewinnen, braucht Trumps Partei -allerdings Wähler aus der Mitte. «Würde heute gewählt, würden die Republikaner beide Häuser im Kongress verlieren», sagt der Demoskopen-Guru und erklärt, was der US-Präsident tun muss, um eine Niederlage im November abzuwenden. Seite 30
Der israelische Neurowissenschaftler Uri Maoz warnt vor einer stillen Verschiebung in unserem Verhältnis zur künstlichen Intelligenz (KI): Menschen beginnen, Maschinen wie Freunde, Therapeuten oder moralische Autoritäten zu behandeln. Im Gespräch mit Pierre Heumann erklärt Maoz, der in Amerika forscht und lehrt, warum KI keine Gefühle besitzt – aber dennoch emotionale Bindungen erzeugt, wie autonome Waffensysteme zur Gefahr werden können und weshalb die eigentliche Bedrohung nicht d-enkende Maschinen, sondern Menschen sind, die nicht mehr verstehen, wie künstliche Intelligenz entscheidet. Seite 32
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