Der CDU-Europaabgeordnete Dennis Radtke hat seine umstrittenen Aussagen über Migration und das deutsche Stadtbild verteidigt. In einem Video aus seiner Heimat Wattenscheid erklärte der Vorsitzende des CDU-Sozialflügels CDA, nicht jede Veränderung in deutschen Innenstädten lasse sich auf illegale Migration zurückführen. «Mir war wichtig und mir ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass nicht jedes Problem, jede Herausforderung in unserer Gesellschaft oder im Stadtbild mit illegaler Migration unmittelbar zu tun hat.»
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Radtke reagiert damit auf Kritik an seinem Auftritt bei «Markus Lanz». Dort hatte er erklärt, Deutschland werde auch dann nicht mehr wie früher aussehen, wenn sämtliche illegalen Migranten abgeschoben würden. Manche Entwicklungen seien unumkehrbar. Als Beispiel nannte er Wattenscheid: In der Fussgängerzone gebe es weder ein Kino noch einen deutschen Metzger, dafür aber eine Halal-Fleischerei. AfD-Chefin Alice Weidel bezeichnete Radtkes Aussagen anschliessend als «Kapitulationserklärung».
Nun liefert Radtke seine Erklärung für den Wandel. Leerstände führt er auch auf das Einkaufsverhalten zurück. Wer immer mehr im Internet bestelle, dürfe sich nicht wundern, wenn inhabergeführte Geschäfte aus den Innenstädten verschwänden. Für das Metzgersterben macht er vor allem den fehlenden Nachwuchs verantwortlich. Tatsächlich sank die Zahl der Auszubildenden im Fleischerhandwerk von mehr als 9500 im Jahr 2000 auf 2434 im Jahr 2024. Die Zahl der Betriebe fiel im selben Zeitraum von knapp 19.000 auf 9872.
Allerdings spielt laut Deutschem Fleischer-Verband auch die veränderte Bevölkerungsstruktur eine Rolle beim Fleischkonsum. Der Anteil der Menschen, die aus religiösen Gründen kein Schweinefleisch essen, sei gestiegen. Das einwanderungsbedingte Bevölkerungswachstum habe deshalb «kaum positive Auswirkungen auf den Schweinefleischkonsum» gehabt.
Radtkes Antwort auf Weidel fällt deutlich aus. Die Vorstellung, mit der AfD gebe es plötzlich wieder überall Metzger und Kinos, sei «genauso dummes Zeug» wie die «Illusion, man könne die Zeit einfach zurückdrehen». Probleme mit illegaler Migration bestreitet Radtke zugleich nicht. Er verweist auf seine Zustimmung zum europäischen Asylsystem GEAS und nennt den Kampf gegen Clankriminalität und Schrottimmobilien als konkrete Aufgaben. Sein Fazit: «Wer wirklich Probleme lösen will, der muss auch Differenzierungen in den Debatten zulassen.»