Estlands Aussenminister Margus Tsahkna hält ukrainische Drohnenangriffe auf Ziele tief in Russland trotz vereinzelter Abstürze auf Nato-Gebiet für gerechtfertigt. Das sagte Tsahkna in einem Interview mit der Financial Times. «Natürlich freuen wir uns über solche Vorfälle nicht. Aber wir sagen der Ukraine nicht, dass sie damit aufhören soll.»
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Nach Angaben der Zeitung hat die Ukraine ihre Angriffe auf Ziele tief im russischen Hinterland in den vergangenen Monaten deutlich ausgeweitet. Russland reagiert darauf mit verstärkter elektronischer Kampfführung und anderen Abwehrmassnahmen. Dadurch geraten einzelne ukrainische Drohnen – insbesondere auf dem Weg zu Zielen im Raum Sankt Petersburg – vom Kurs ab und stürzen auf Nato-Gebiet ab. In der vergangenen Woche wurde auf einem Feld in Estland eine nicht explodierte ukrainische Drohne mit einem fünf Kilogramm schweren Sprengkopf gefunden. Auch in Lettland, Litauen und Finnland sind in diesem Jahr ukrainische Drohnen niedergegangen.
Tsahkna verteidigte die Angriffe als Teil der ukrainischen Kriegsstrategie. «Das trifft Putins Lebensader», sagte er mit Blick auf Angriffe gegen russische Raffinerien, Militärstützpunkte und die Energieinfrastruktur. Nach Einschätzung des estnischen Ministers bereiten die Angriffe dem Kreml zunehmend wirtschaftliche Probleme. Die russische Führung sei «zutiefst besorgt», insbesondere wegen der Bedeutung der Ostseehäfen für den russischen Ölexport.
Eine baldige Verhandlungsbereitschaft Moskaus sieht Tsahkna dennoch nicht. «Putin hat bereits im vergangenen Monat versucht, Europa in Gespräche einzubinden. Damit will er Zeit gewinnen, Europa spalten und den Druck auf Russland verringern», sagte er. Vor Diskussionen über eine europäische Vermittlerrolle warnte der Minister. «Bevor Europa entscheidet, wer uns vertreten soll, müssen wir uns zuerst auf die Botschaft einigen und erst danach über den Überbringer sprechen.»