Die globale Schifffahrtsbranche stellt sich auf dauerhaft erhöhte geopolitische Risiken ein und behandelt Störungen wichtiger Handelsrouten zunehmend nicht mehr als Ausnahme, sondern als neuen Normalzustand. Das geht aus Aussagen führender Branchenvertreter hervor, die am Rande der internationalen Schifffahrtsmesse Posidonia in Athen gemacht wurden.
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Nach Angaben von Intertanko, dem Verband der Tankereigner, haben sich in den vergangenen Jahren mehrere Krisen überlagert: der Krieg in der Ukraine, Angriffe der Huthi-Miliz auf Handelsschiffe im Roten Meer sowie jüngste Beeinträchtigungen des Schiffsverkehrs in der Strasse von Hormus. Dadurch rückten Sicherheit der Besatzungen, freie Schifffahrt und militärische Konflikte ins Zentrum der strategischen Planung.
Intertanko-Geschäftsführer Tim Wilkins sagte, die Branche erlebe eine bisher unbekannte Häufung von Ereignissen. Nicht nur regionale Konflikte nähmen zu, auch grundlegende Regeln des internationalen Handels und der Regulierung würden in Frage gestellt. Reedereien müssten ihre Geschäftsmodelle entsprechend anpassen.
Ein sichtbares Zeichen dafür sind neue Sicherheitsrichtlinien des Weltreederverbands Bimco für die Passage durch die Strasse von Hormus. Die Empfehlungen enthalten konkrete Anweisungen für den Umgang mit Raketen- und Drohnenangriffen, Störungen von Satellitensignalen, Minengefahren und möglichen Enterversuchen. Ziel ist es, Risiken systematisch zu bewerten und Schäden für Besatzung und Schiff zu begrenzen.
Vertreter von Versicherern und Reedereien sprechen von einer grundlegenden Verschiebung der Lage. Die Weltmeere würden zunehmend zum Schauplatz geopolitischer Machtkonflikte. Zusätzliche Sorgen bereitet die sogenannte russische Schattenflotte, deren Tanker ausserhalb etablierter Kontroll- und Sicherheitsstandards operieren.
Die Folgen reichen bis zu Investitionsentscheiden. Mehrere Unternehmen halten sich mit Neubestellungen von Schiffen zurück und sichern stattdessen ihre Liquidität. EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas warnte zugleich davor, die Einschränkungen in der Strasse von Hormus als Normalität zu akzeptieren. Dies könne langfristig die Grundlagen der freien internationalen Schifffahrt untergraben.