Drei Männer sind in Köln wegen des Verdachts des bandenmässigen Menschenhandels, der Zwangsprostitution Minderjähriger sowie weiterer schwerer Gewaltverbrechen festgenommen worden. Das teilten die Staatsanwaltschaft und die Polizei Köln mit. Der Fall weist Merkmale auf, die in Grossbritannien und zunehmend auch in Deutschland unter dem Begriff «Grooming-Gang» diskutiert werden: organisierte Tätergruppen, die gezielt minderjährige Mädchen anwerben, unter Druck setzen und sexuell ausbeuten.
Hermann Josef Wöstmann/DPA/Keystone
Wie Apollo News berichtet, handelt es sich bei den Festgenommenen um Männer im Alter zwischen 23 und 27 Jahren mit deutsch-marokkanischer, portugiesischer und mazedonischer Staatsbürgerschaft. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden richtet sich das Verfahren insgesamt gegen sechs mutmassliche Haupttäter sowie zwei Gehilfen. Im Zuge der Ermittlungen durchsuchten Einsatzkräfte fünf Wohnungen in Köln, Wesseling, Leverkusen und Solingen. Dabei stellten sie unter anderem Mobiltelefone als Beweismittel sicher.
Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen soll eine 17-Jährige zwischen Oktober und November 2025 unter Druck gesetzt und zur Prostitution gezwungen worden sein. Bei einer 16-Jährigen sollen die Verdächtigen einen entsprechenden Versuch unternommen haben, der jedoch scheiterte. Die Behörden prüfen darüber hinaus die Hintergründe einer mutmasslichen Vergewaltigung sowie zweier schwerer Raubüberfälle auf Freier. Diese sollen über vermeintliche Treffen angelockt und anschliessend mit erheblicher Gewalt ausgeraubt worden sein.
Der Fall erinnert an die Ermittlungen in Nürnberg, wo die Polizei gegen eine mutmassliche Tätergruppe vorgeht, der vorgeworfen wird, minderjährige Mädchen mit Drogen gefügig gemacht und sexuell ausgebeutet zu haben. Auch dieser Fall wird in der öffentlichen Debatte als «Grooming-Gang» bezeichnet. Ob zwischen den beiden Verfahren ein Zusammenhang besteht, ist bislang nicht bekannt.