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Die Weltwoche

Inhalt
Diese Woche
Roger Köppel
Eine wohlgeordnete Anarchie
Weltwoche
Elisabeth Baume-Schneider, shootout mit Osama-Nichte Noor bin Ladin, Künstler-Cover von Alberto Venzago, Gion Mathias Cavelty im Vallée de Joux, Bestsellerautor Philipp Gurt schreibt einen Kurz-Krimi für die Weltwoche, Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern einen schönen 1. August
Christoph Mörgeli
Cassis provoziert Trump
Peter Rothenbühler
Lieber Martin Pfister
Hubert Mooser
Jans’ Kampf gegen Stoffabzeichen
Chris von Rohr
Summer of Love
Jean-Daniel Ruch
Xi und Trump – Allianz für den Frieden
Christoph Mörgeli
Verkehrtes aus der Managerschweiz
Peter Bodenmann
Hoffnungsträger aus Heiligenschwendi
Marcel Odermatt
«Der Kanton Jura steht für die Stärke der Schweiz»
Rafael Lutz
Schwyzer Freiheit
Hartmuth Attenhofer
Der Mohr ist ein Ehrenmann
Julie Burchill
Kugelfeste Barbie
Jürg Altwegg
«Faschismus ist der Normalfall»
Dominique Feusi
Nichts steht über Brad Pitt
Philipp Gut
Selenskyj, entzaubert
Kurt W. Zimmermann
Wunschdenken und Wirklichkeit
Sarah Pines
Hyperweiblicher Firlefanz
Roman Zeller
«Ich bin eine Frau»
Peter Ruch
Im Namen Gottes des Allmächtigen
Urs Gehriger
Im Namen der Freiheit
Peter Hartmann
Weltpolitik im Mezzogiorno
Marcel Züger
Alpen-Knigge
Benjamin Bögli
«Tell steht für unsere Werte»
Florian Schwab
Heinrich Villiger (1930 – 2025)
Marianne Eschbach
Kleines Silbernes
Daniel Ryser
«Ich war es wert, gerettet zu werden»
David Biner
Tritt Keller-Sutter bald zurück?
Weltwoche
Künstlercover in limitierter Auflage
Mark van Huisseling
Der ewige Sonnyboy und die dunklen Geschichten
Weltwoche
Weltwoche Künstler- Cover
Anabel Schunke
Planwirtschaftliche Einbürgerungsziele
Rolf Dobelli
Die Kunst des Fragens
Hanspeter Born
Tom Lehrer (1928 – 2025)
Gion Mathias Cavelty
Meine Reise ins Tal der Zeit
David Biner
Übergriffe im Swiss Holiday Park
Roman Zeller
Macht zu viel gesundes Essen krank?
Weltwoche
Die Beichte
Marcel Odermatt
Schnell und fleissig
Oskar Lafontaine
Feindbilder führen zum Krieg
Wolfgang Koydl
Wer ist der grösste Klimasünder?
Pascal Morché
Von Nyon zum Mond
Julie Burchill
Mythos Surfer-Girl
David Biner
«Ich kann und will nicht zu diesem Massentourismus stehen»
Hanspeter Born
Der ungeliebte Erfolgreiche
Oliver vom Hove
Goldene Tugend, eiserne Zeit
Roman Zeller
«Das Rauchen lerne ich gerade, weil die EU es verbieten will»
Alain de Botton
Mitgefühl für Abergläubische
Oliver Schmuki
Miss Bahnhofstrasse
Roy Spring
Ein Bild, zwei Universen
Alex Baur
Die Abenteuer des Walter Saxer
Michael Bahnerth
Kleine Kritik der reinen Unvernunft
Tamara Wernli
Wieso denkt er nicht ans Waschmittel?
Wirtschaft und Erfolg
Weltwoche
Zitate
Hans Kaufmann
Warum viele immer noch Bargeld lieben
Weltwoche
Dank Sternen und Netflix an die Spitze
Oliver Schmuki
«Kochen ist ein Akt der Liebe»
Weltwoche
Fakten statt Meinungen
Beat Gygi
Wer Win-win kapiert, ist glücklicher
Literatur und Kunst
Michael Bahnerth
Ikone der Woche
Daniel Weber
Der schmale Grat
Peter Henning
Nachtrag zur Weltliteratur
Gerhild Heyder
Elefanten in Berlin
Angelika Maass
Linienzauberer und Hell-dunkel-Magier
Wolfram Knorr
Den Kosmos im Kopf
Mark van Huisseling
Kein Trick, ein Spiegel
Chris von Rohr
Steve Miller Band: Fly Like an Eagle
Claude Cueni
Alles Lüge?
Thomas Wördehoff
Blick in den Sternenhimmel
Peter Rüedi
Der gefundene Augenblick
Leben heute
Mark van Huisseling
Was früher besser war (und was nicht)
Linus Reichlin
Unter Roboter-Verdacht
Dania Schiftan
Weder sinnvoll noch notwendig
André Häfliger
Stimmung trotz Regen
Weltwoche
Wir freuen uns über Ihre Zuschriften
Wolfgang Koydl
Horst Mahler (1936 – 2025)
Thomas Renggli
Hulk Hogan (1953 – 2025)
Weltwoche
Ben Moore, Astrophysiker
Wieso denkt er nicht ans Waschmittel?

Tamara Wernli

Wieso denkt er nicht ans Waschmittel?

Liebe Ladys: Die mentale Last ist kein exklusives Frauenproblem.

Der Begriff «Mental Load» ist derzeit in aller Munde – beziehungsweise: Er war nie wirklich weg. Dafür sorgt der Feminismus, der zuverlässig daran erinnert, was Frauen im Alltag alles leisten und wie erdrückend das ist. «Mental Load» bezeichnet die Belastung, die durch das Organisieren von (oft unsichtbaren) Alltagsaufgaben entsteht. Wie an den Geburtstag der Schwiegermutter denken und ein Geschenk besorgen, Kinderarzttermine organisieren, einen Masterplan haben, falls die Kita mal wieder spontan schliesst. Und wer kauft ein?

Illustration: Fernando Vicente
Wieso denkt er nicht ans Waschmittel?
Illustration: Fernando Vicente

Viele Frauen in Partnerschaften – besonders Mütter – sagen, sie leiden unter dieser mentalen Last. Unter dem Hashtag #mentalload berichten sie in unzähligen Videos in sozialen Medien davon, dass es stets an ihnen hängenbleibt, an all die kleinen Dinge zu denken. Es sei erschöpfend, immer den Überblick behalten zu müssen, und es bleibe erst noch unbemerkt. Der Vorwurf richtet sich nicht nur an die Männer an ihrer Seite, sondern oft gleich an die gesamte, angeblich von Männern dominierte Gesellschaft.

Tatsächlich übernehmen Frauen in Beziehungen häufig den Managerjob. Und es geht dabei nicht nur um das Tun, sondern um das Jonglieren der Aufgaben im Kopf: Was muss erledigt werden? Wann, wie? Wenn eine Person alles dauerhaft allein schultern muss, ist das zweifellos zermürbend. Doch, Hand aufs Herz, die Alltagslogistik ist für viele Frauen ein Terrain, das sie mit einem gutentwickelten Kontrollbedürfnis – und auch gerne – verteidigen. Es ist ihr Reich, sie sind Organisationskünstlerinnen. Nicht wenigen wäre es ein Dorn im Auge, wenn der Mann sich plötzlich überall einmischte, sei es bei der Farbe von Emma-Evas Fasnachtskostüm oder, noch schlimmer, wenn er versuchte, die Einkaufsliste komplett umzuschreiben. Auch neigen Frauen mitunter zur Über-Organisation, manche planen noch den Tagesablauf ihres Teenager-Sohnes mit, obwohl der längst ein Smartphone, einen Kalender und eine Meinung hat; die «Load» ist bisweilen auch ein bisschen hausgemacht.

 

Noch ein Denkanstoss, der mich in gewissen Kreisen in Teufels Küche bringt: Die meisten berufstätigen Männer arbeiten deutlich mehr als Frauen, unabhängig davon, ob Kinder im Spiel sind oder nicht. In der Schweiz arbeitet jede zweite Frau Teilzeit, in Deutschland fast jede zweite. Laut einem SRF-Online-Beitrag mit dem Titel «Studie zeigt: Noch immer soll der Mann die Familie ernähren» arbeiten Väter von betreuungspflichtigen Kindern im Durchschnitt 91 Prozent, Mütter dagegen 55 Prozent. Der Artikel lässt keinen Zweifel daran, welches Modell in der Schweiz dominiert: Die Frau kümmert sich primär um den Nachwuchs und das Heim, der Mann sorgt für das finanzielle Fundament.

Ich war nie besonders gut in Mathe. Aber diese Zahlen lassen nicht wahnsinnig viel Raum für Interpretation – und meine wäre: Wenn Männer deutlich mehr ausser Haus arbeiten, übernehmen Frauen automatisch mehr Aufgaben daheim und auch mehr des Denkarbeitsvolumens. Verstehen Sie mich nicht falsch: Das soll keineswegs heissen, dass der Mann die Frau nicht trotzdem von der organisatorischen, mentalen Bürde entlasten kann – im Gegenteil, das sollte er. Aber es relativiert den Dauervorwurf, Männer würden sich drücken.

 

Die Frage sei erlaubt: Was ist euch wichtiger, liebe Ladys? Einen Partner, der die Kohle nach Hause bringt – und dafür vielleicht mal einen Jahrestag oder ein Geschenk verpennt oder nicht jedes Detail von Noahs Betreuung im Kopf hat? Oder einen, der deutlich weniger arbeitet, deutlich weniger verdient – aber dafür haargenau weiss, welches Shirt der Kleine fürs Fussballtraining braucht und ob noch genug Waschmittel da ist?

Auch Männer tragen eine Last, sie spüren den sogenannten Performer-Druck.

Apropos Kohle: Auch Männer tragen eine Last, sie spüren den sogenannten Performer-Druck, der vor allem Familienväter trifft, wenn sie als Hauptverdiener die finanzielle Verantwortung schultern. Dieser Druck kann genauso belastend sein wie die «Mental Load» und ebenso zum Gefühl führen, immer verantwortlich sein zu müssen. Doch weil Männer selten darüber reden und keine Tiktok-Videos darüber drehen – und weil es Männer sind –, ist das in der gesellschaftlichen Debatte kaum der Rede wert. Das ständige Gefühl, alles im Griff haben zu müssen, ist kein exklusives Frauenproblem. Manchmal hilft es, einmal die Perspektive zu wechseln.

 

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