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Die Weltwoche

Inhalt
Diese Woche
Roger Köppel
Vielfalt und Ermutigung
Weltwoche
Doppelausgabe zum Jahresende: Martin Mosebach über Weihnachten, Rückblick mit Tom Holland, Mitte-Guru Gerhard Pfister, Ruedi Wiedlers letzter Flug, Jeremias der Revolutionär
Christoph Mörgeli
Ringier-Chef war Bersets Berater
Sylvie-Sophie Schindler
Ist Frieden zwischen Mensch und Wolf möglich?
Michael Bahnerth
Ich wünschte mir ein Wunder
Amy Holmes
«Bitte, Hunter, hör auf»
Christoph Mörgeli
Heiliger Bimbam Deutscher Nation
René Zellweger
Gratulation nach Mels
Peter Bodenmann
Pinkelpausen in Brüssel
Matthias Matussek
«Welt-Schöpfungstag, ich finde das grossartig»
Rudolf Strahm
Ein Sieg der Konkordanz
Kurt W. Zimmermann
Ein Mann wie ein Komet
Chris von Rohr
Die Festung an der Aare
Marcel Odermatt
Schulterklopfen mit Cassis
Herodot
HERODOT
Julie Burchill
Strahlendes Vorbild
Urs Gehriger
Das Jahr des Kojoten
Philipp Gut
Brot und Wein
Oliver Schmuki
«Wer einen Hund hat, der hat auch einen Lebensverlängerungs-Trainer!»
Milosz Matuschek
Hilfe, jetzt wollen sie auch noch unsere Demokratie schützen
Alexander Grau
Blütenzauber im Winterwald
Hubert Mooser
Meyer/Wermuth, Gewinner des Jahres
Rolf Hürzeler
«Kunst war schon immer politisch»
Wolfgang Koydl
Die Leiden der Höllenhunde
Anabel Schunke
Liebe deine Nächsten
Jürg Altwegg
«Europa muss sein Schicksal selbst in die Hand nehmen»
Oliver Schmuki
Eine von uns
Alex Baur
Wiedlers letzter Flug
Philipp Gut
Die Kunst der Prognose
Benjamin Bögli
Sie lebt den amerikanischen Traum
Roger Köppel
«Musik ist stärker als Politik»
Tamara Wernli
Das Wort zum Donnerstag
Beat Gygi
«Dekarbonisierung ist keine Wachstumsstory»
P. J. Blumenthal
Aufstand der Unmündigen
Christoph Mörgeli
Serbiens rasante Fahrt in die Zukunft
Florian Schwab
Rauchzeichen aus der Zukunft
Roger Köppel
«Mensch, du bist nicht allein»
Anabel Schunke
Hugh Grant, ich liebe dich!
Linus Reichlin
Früh-zu-Bett-Geher aller Länder, vereinigt Euch!
Weltwoche
Wolfgang Koydl
Juliane Weber (1939 –2023)
Thomas Wördehoff
Colin Burgess (1946 –2023)
Beat Gygi
Wiederholung des Rahmenvertrags
Tom Kummer
Jeremias der Revoluzzer
Literatur und Kunst
Michael Bahnerth
Norman Rockwell, Santa Claus
Oliver vom Hove
Ein Händler entdeckt die Welt
Heimo Schwilk
Vom Himmel durch die Welt zur Hölle
Otto A. Böhmer
Wir müssen unser Leben ändern
Gerhild Heyder
Zwei Ikonen des 20. Jahrhunderts
Holger Fuss
«Erzähl mal, was du so machst»
Peter Ruch
Vergebung und Umkehr
Sarah Pines
Die Seltsame aus dem Hühnerimbiss
Daniel Weber
Geduld und Genauigkeit
Walter Hollstein
Rührstücke gegen die Krise
Manuel Brug
Tönendes Lichterfest für Nostalgiker
Wolfram Knorr
Mutter Courage der Spione
Peter Rüedi
Traumhafte Erzählungen
Mark van Huisseling
Lustig ist das Reichenleben
Alberto Venzago
«Every Breath You Take»
Leben heute
Mark van Huisseling
Ich, der «Hitman»
Linus Reichlin
Beim Scannen von Rindsplätzli
Dania Schiftan
Signale des Körpers
David Schärer
Ästhetische Innerlichkeit
Andreas Thiel
Aufruf
Benjamin Bögli
Im Auge des Betrachters
André Häfliger
Ein Herz für Kinder
Peter Rüedi
Grosses Orchester
Andreas Honegger
Stimmungsvoller Genuss im Elsass
David Schnapp
Japanisch eigenwillig
Benjamin Bögli
Frieden und Freundschaft
Weltwoche
Adela Smajic, Moderatorin
Wolfgang Koydl
Nehammer, Fanny, Van der Bellen, Ncube, Cameron, Bruni, Sarkozy, Streeck, Erkan, Orbán, Erdogan, Sunak
Friedbert Pflüger
Kein Eiferer, sondern ein Demokrat
Kurt W. Zimmermann
Schlagzeilen und Schlachtfelder
Matthias Matussek
Lieber Cem Özdemir
Das Wort zum Donnerstag

Tamara Wernli

Das Wort zum Donnerstag

Weihnachtsbedürfnisse und eine bäumige Geschichte der Vielseitigkeit.

Je älter ich werde, desto kitschiger und rührseliger werde ich. Also habe ich beschlossen, nach ein paar Jahren Pause wieder einen Weihnachtsbaum im Wohnzimmer aufzustellen. Der Weg zur festlichen Perfektion war mit Hindernissen gepflastert – von Kugeln, die nicht halten wollten, bis zu solchen, die vor ihrem Einsatz zersprangen, aber hey, das gehört zum Abenteuer dazu. Selbst die kleine Tanne auf der Terrasse schmückte ich mit einer Lichterkette, die von Basel nach Zürich reicht. Die Nachbarschaft braucht etwas Glamour und die Welt, wie ich finde, wieder mehr Besinnlichkeit und Wärme.

Illustration: Fernando Vicente
Das Wort zum Donnerstag
Illustration: Fernando Vicente

Und damit herzlich willkommen zum Wort am Donnerstag! Die Inspiration für meine kleine Weihnachtspredigt kam von einer ganz speziellen Kita in Hamburg. Dort hatten sie die glorreiche Idee, keinen Weihnachtsbaum aufzustellen – «im Sinne der Religionsfreiheit», um kein Kind und seinen Glauben auszuschliessen, wie es im Brief an die Eltern stand. Ich finde nicht, dass dieser Weihnachtsbaum-Entzug gleich Cancel-Culture ist, wie einige bemängeln. Es zeigt jedoch eine gewisse Ignoranz der Entscheidungsträger, die offenbar nicht verstehen, wofür diese 40 000 ​Nadeln (ungefähr so viele hat die Nordmann-Tanne) eigentlich stehen.

Der Weihnachtsbaum ist kein religiöses Machtsymbol, bei dem es darum geht, sich unterzuordnen – auch wenn er mit dem Christentum verbunden ist, das mit ihm eine Verbindung zur Weihnachtsgeschichte herstellt. Er hat seinen Ursprung in verschiedenen vorchristlichen Bräuchen, so wird vermutet, wie dem Heidnischen. Das immergrüne Geäst galt als Symbol der Hoffnung und des Lebens inmitten der Dunkelheit und Kälte – ein andächtiges Sinnbild, mit dem Menschen ihr Durchhalten ehrten und dem harten Winter trotzten. Kulturen vermischten sich, und der geschmückte Baum wurde in vielen Teilen der Welt zu einem festen Bestandteil der Festlichkeiten.

Die 40 000 Nadeln sind ein Symbol der Hoffnung und des Lebens inmitten der Dunkelheit und Kälte. Trotz seiner verschiedenen Verwendungszwecke – vom Verkaufsschlager bis hin zum majestätischen Hüter der Geschenke – ist er seiner Grundbotschaft als Symbol des Lichts und der Feier treu geblieben. Das Gute an dem Baum ist: Er ist so vielseitig, dass jeder aus ihm herausnehmen kann, was ihm wichtig erscheint – vom ästhetischen Blickfang bis hin zum begehrten Trainingsgerät für Hunde und Katzen; schliesslich ist das Klettern auf Zweigen und das Ausbalancieren auf Kugeln eine olympische Disziplin unter Vierbeinern. Aber es gibt auch Menschen, die den Trend des «In-den-Baum-Kriechens» begrüssen. So manchem ermöglicht er eine willkommene Atempause bei Gesprächen an Familienfeiern: «Entschuldigung, ich muss mal kurz den Christbaum inspizieren.»

Vor allem widerspiegelt er ein epochales Bedürfnis nach Nähe und Wärme. In einer Welt voller Routine, Alltagshektik und Egozentrik gilt die Weihnachtszeit für viele als ein Moment der Gemeinschaft, des Durchatmens und der Entschleunigung. Die Gesellschaft bremst etwas ab. Menschen werden ein bisschen netter zueinander und besinnen sich auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Die Zeit ist gekommen, seinen Liebsten Gedanken zu schenken, nicht nur sich selbst. Gute Taten stehen hoch im Kurs; man hilft in Gassenküchen mit, spendet für Bedürftige und versucht, niemanden auszuschliessen. Familien kommen zusammen, teilen gemeinsame Zeit, tauschen Wärme aus. Für eine kurze Zeitspanne im Jahr sind Mails nicht die oberste Priorität, und Probleme müssen nicht sofort gelöst werden. Überall glitzern Weihnachtslichter, und ein Zauber liegt in der Luft.

Der Weihnachtsbaum symbolisiert all das und mehr. Seine Verbannung ist nicht nur ein Verlust für die festliche Atmosphäre, sondern auch ein Paradebeispiel für falsch verstandene Toleranz – eine, die die Welt nur etwas kälter macht. Und zu guter Letzt: Er ist auch eine Möglichkeit, gemeinsam kreativ zu werden, er ist ein künstlerisches Gemeinschaftswerk, oft nach Familientradition. Er hat sogar einen nachhaltigen Nebeneffekt: Nach den Feiertagen spenden Leute ihre abgeschmückten Tannenbäume an Bauernhöfe, wo sie den Ziegen als natürliche Beschäftigung und Hindernisparcours dienen. In einer Art Ziegen-Tannenfreizeitpark springen diese dann happy ins neue Jahr. In dem Sinne: Frohe und besinnliche Weihnachten!

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