Das Vertrauen der Europäer in die Vereinigten Staaten ist innerhalb weniger Monate massiv gesunken. Das zeigt eine neue Studie des European Council on Foreign Relations (ECFR), über die die Welt berichtet.
Im Rahmen der Studie wurden rund 19.000 Menschen in 15 europäischen Ländern befragt. Nur noch elf Prozent der Befragten betrachten die USA als Verbündeten. Kurz nach dem Wahlsieg von Donald Trump im November 2024 lag dieser Wert noch bei 22 Prozent.
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Die Autoren der Untersuchung führen den Stimmungswandel auf die zunehmende Unsicherheit über die aussen- und sicherheitspolitische Ausrichtung Washingtons zurück. Inzwischen betrachtet rund ein Viertel der Befragten die USA als Rivalen oder sogar als Feind. Entsprechend wächst in Europa die Skepsis, ob die Vereinigten Staaten ihren Nato-Partnern im Fall eines militärischen Angriffs tatsächlich beistehen würden.
Parallel dazu scheint der Druck von aussen den Zusammenhalt innerhalb Europas zu stärken. In den meisten der untersuchten Länder vertraut eine Mehrheit darauf, dass europäische Staaten einander im Krisenfall militärisch unterstützen würden. Selbst unter Wählern euroskeptischer Parteien wächst die Bereitschaft, gemeinsame sicherheitspolitische Antworten zu suchen.
Auch bei der Finanzierung der Verteidigung zeichnet sich ein Wandel ab. Fast die Hälfte der Befragten unterstützt gemeinsame europäische Schulden, um höhere Militärausgaben zu ermöglichen. In mehreren Ländern findet diese Position inzwischen sogar bei Wählern von Regierungsparteien Zustimmung, die einer solchen Vergemeinschaftung bislang ablehnend gegenüberstanden.
Gleichzeitig bleibt die Unterstützung für die Ukraine vergleichsweise hoch. In den meisten befragten Staaten wird das Land als Verbündeter oder zumindest als notwendiger Partner betrachtet. Eine Rückkehr zu russischen Energieimporten lehnt eine Mehrheit der Europäer trotz anhaltend hoher Energiepreise weiterhin ab. 44 Prozent halten dies für eine schlechte oder sehr schlechte Idee, lediglich 27 Prozent bewerten eine Wiederaufnahme der Importe positiv.
Die Studienautoren sprechen von einem «neu gewonnenen Realismus» in Europa. Sie warnen jedoch, dass das aktuelle Fenster für eine eigenständigere europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik nicht dauerhaft offen bleiben werde. Viele Europäer hofften weiterhin auf eine spätere Normalisierung der transatlantischen Beziehungen. Die politische Unterstützung für mehr europäische Eigenständigkeit könnte deshalb rasch wieder schwinden.