Die Nettozuwanderung nach Deutschland ist nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) deutlich zurückgegangen und verschärft den Fachkräftemangel. Das berichtet die «Welt». Laut einer IW-Studie sank die Nettozuwanderung 2025 auf 235.000 Menschen, nachdem sie 2023 noch 663.000 betragen hatte. «Mit einer Ausnahme während der Hochphase der Coronapandemie war das Niveau seit dem Jahr 2010 nicht mehr so niedrig», wird IW-Forscher Wido Geis-Thöne zitiert.
PATRICK PLEUL / KEYSTONE
Das IW macht für diese Entwicklung drei Ursachen verantwortlich. Erstens sei die Zahl der Asylerstanträge von 329.000 im Jahr 2023 auf 113.000 im Jahr 2025 gesunken. Zweitens verzeichne Deutschland eine stärkere Rückwanderung von Menschen aus osteuropäischen EU-Staaten. 2025 hätten 45.000 mehr Staatsangehörige der neuen EU-Mitgliedsländer das Land verlassen als zugezogen. Drittens sei auch die Zahl der Deutschen gestiegen, die ins Ausland abwandern. Diese habe sich zwischen 2023 und 2025 von 74.000 auf 97.000 erhöht.
Nach Einschätzung des IW könnte insbesondere eine verstärkte Abwanderung hochqualifizierter Fachkräfte die Engpässe auf dem Arbeitsmarkt weiter verschärfen und die Innovationskraft der Wirtschaft beeinträchtigen. «Daher sollte die Attraktivität Deutschlands als Wohn- und Arbeitsort für Fachkräfte weiter gestärkt oder zumindest erhalten werden», sagte Geis-Thöne. Dazu gehöre insbesondere eine Begrenzung der Belastung durch Steuern und Abgaben.