In Deutschland besitzen 104 als religiös motivierte Gefährder eingestufte Personen neben der deutschen noch eine weitere Staatsangehörigkeit. Das geht aus einer Aufstellung des Bundesinnenministeriums hervor, die der Zeitung Die Welt vorliegt. Demnach stellen deutsch-türkische Doppelbürger mit 26 Personen die grösste Gruppe, gefolgt von deutsch-marokkanischen mit 16 und deutsch-libanesischen Staatsbürgern mit 11 Personen.
Fernando Gutierrez-Juarez/Keystone
Die Zahlen hatte der stellvertretende AfD-Fraktionsvorsitzende Sebastian Münzenmaier beim Innenministerium abgefragt. Er fordert als Konsequenz eine Verschärfung des Staatsangehörigkeitsrechts. «Die doppelte Staatsbürgerschaft wird zum ernsthaften Sicherheitsrisiko. Islamisten, die unseren Staat und unsere Werte hassen, haben hier nichts verloren», sagte Münzenmaier der Welt. Gefährdern mit einer zweiten Staatsangehörigkeit solle der deutsche Pass entzogen werden.
Nach früheren Angaben des Innenministeriums von Anfang August besitzen 166 Gefährder keinen deutschen Pass. Weitere 144 Personen verfügen ausschliesslich über die deutsche Staatsangehörigkeit. Damals hatte das Ministerium die Zahl der Gefährder mit deutscher und einer weiteren Staatsangehörigkeit noch mit 100 angegeben.
Neue Aufmerksamkeit erhielt die Debatte nach dem islamistisch motivierten Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day. Der Täter Abdul Ballout wurde in Berlin geboren, besass ausschliesslich die deutsche Staatsangehörigkeit und konnte deshalb nicht abgeschoben werden.
Nach Angaben des Verfassungsschutzes zählt das islamistische Spektrum in Deutschland derzeit 28.645 Personen. Davon gelten 9110 als gewaltbereit.