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Welche Ex war besser im Bett?

Tamara Wernli

Welche Ex war besser im Bett?

Wenn Männer vor einem Millionenpublikum antworten würden, würden sie ruckzuck gecancelt.
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Welche Ex war besser im Bett?
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Wer war besser im Bett – Brad Pitt oder Ben Affleck?» Das wurde die Schauspielerin Gwyneth Paltrow, die mit beiden eine Beziehung führte, neulich in einem Podcast gefragt – und sie gab erstaunlich bereitwillig Auskunft. Mit Brad sei es damals die «ultragrosse Chemie ihres Lebens» gewesen, Ben dagegen war «technisch herausragend». Grosses Gelächter dann von Moderatorin Alexandra Cooper und Paltrow, die kurz konsterniert daran erinnerte, dass ihre Tochter das hören könnte.

Illustration: Fernando Vicente
Welche Ex war besser im Bett?
Illustration: Fernando Vicente

«Call Her Daddy» von Cooper, 31, ist mit über fünf Millionen Zuhörern wöchentlich einer der weltweit meistgehörten Podcasts, vor allem unter Frauen. Feministisch grundiert, gross geworden durch sehr offene Gespräche über Sex, Dating und Beziehungen. Inzwischen geht es dort auch um mentale Gesundheit und Promi-Interviews – 2024 war die damalige Vizepräsidentin Kamala Harris zu Gast. Der Übergang vom Schlafzimmer ins Weisse Haus ist offenbar fliessend.

Voyeurismus zählt zu den ältesten Freizeitbeschäftigungen, direkt nach Essen und Sex.

Dass Cooper die Frage stellt, ergibt insofern Sinn. Voyeurismus zählt zu den ältesten menschlichen Freizeitbeschäftigungen, direkt nach Essen und Sex. Es erzeugt Klicks und im besten Fall Kontroversen. Nur blieb die hier aus. Kaum jemand störte sich daran, dass zwei Ex-Partner (offenbar ohne ihre Zustimmung) öffentlich nach ihren Bettqualitäten sortiert und damit in ihrer Privatsphäre verletzt wurden, auch wenn beide immerhin gute Noten bekamen. Man könnte sagen, vielleicht sind es einfach zwei Frauen mit schlechtem Stil. Nur leben wir in einer Zeit, in der Menschen täglich wegen Worten unter die digitale Guillotine geschoben werden, in der ständig von «consent», Sexismus und Grenzüberschreitungen die Rede ist. Dieselben Kreise, die bei Männern mehr Sensibilität einfordern, entdecken plötzlich Gelassenheit, wenn die Grenzüberschreitung von Frauen ausgeht.

Man stelle sich vor, Brad Pitt würde bei Joe Rogan darüber sprechen, welche seiner Ex die besseren Qualitäten im Bett hatte, Jennifer Aniston oder Angelina Jolie. Allein die Frage würde Rogan den Sexismus-Vorwurf des Jahres einbringen, und würde Pitt auch noch antworten: «Angie war die Exotik meines Lebens, Jen handwerklich geschickt», das Internet würde binnen Sekunden explodieren. Zwei Wochen Schlagzeilen, unzählige Podcasts über strukturellen Sexismus gegen Frauen. Irgendwo würde sicher jemand «sprachliche Gewalt» anprangern. Nur: Pitt würde eine solche Frage nicht beantworten, Rogan würde sie nicht stellen. Männer reden untereinander weit weniger über Sex, als Frauen glauben. Man erwähnt vielleicht, dass man jemanden kennengelernt hat, und daraus ergibt sich der Rest. Aber detaillierte Vergleiche? Bewertungen? Technische Analysen? Eher nicht. Vor allem reifere Männer empfinden solche Gespräche oft als unangenehm. Es fühlt sich falsch an.

Vielleicht hängt der lockere Umgang von Frauen mit Sexualthemen mit ihrer Tendenz zusammen, Dinge in aller Ausführlichkeit zu schildern. Männer kommen aus zweiwöchigen Ferien zurück und sagen: «War gut.» Frauen beschreiben drei Stunden lang die komplette emotionale Entwicklung eines Restaurantbesuchs, inklusive des traumatischen Moments, in dem ein Kellner wegen Platzmangels leicht genervt auf den Ausgang zeigte. Laut dem Evolutionspsychologen William Costello, der als einer der wenigen die «Call Her Daddy»-Folge als «Doppelmoral» kritisierte, entsteht weibliche Bindung oft über Verletzlichkeit: Wer etwas Intimes oder Peinliches teile, signalisiere Vertrauen. Die andere Person öffne sich dann ebenfalls. So entstünden soziale Allianzen. Das ist schön, aber nur weil Frauen intime Dinge gerne miteinander besprechen, bedeutet das nicht, dass Männer begeistert sind, Teil davon zu sein, schon gar nicht öffentlich.

 

Alexandra Cooper ist für viele junge Frauen ein Vorbild. Sie prägt mit, wie über Beziehungen, Männer und Intimität gesprochen wird. Ein wenig Konsequenz im eigenen moralischen Regelwerk wäre deshalb vielleicht gar keine schlechte Idee. Denn am Ende ist die Sache einfach: Entweder hält die Gesellschaft öffentliche intime Bewertungen für respektlos – dann gelten dieselben Massstäbe für beide Geschlechter. Oder sie sind harmlos – dann sollte man auch bei Männern keine Staatsaffäre daraus machen und ihnen dieselbe Freiheit zugestehen. Das wäre jedenfalls mein Ansatz.

 

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