Der Landesparteitag der AfD in Nordrhein-Westfalen ist von heftigen Machtkämpfen, gegenseitigen Vorwürfen und einem mutmasslichen körperlichen Zwischenfall überschattet worden, schreibt die Zeitung Die Welt. Nach dem Parteitag in Marl berichten Delegierte von Drohungen und Einschüchterungsversuchen. Der Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich stellte zudem Strafantrag gegen seinen Fraktionskollegen Knuth Meyer-Soltau wegen eines angeblichen tätlichen Angriffs.
Sebastian Kahnert/DPA/Keystone
Bei der Aufstellung der Landesliste für die Landtagswahl 2027 setzte sich zunächst weitgehend das Lager des Landesvorsitzenden Martin Vincentz durch. Anhänger des dem rechtsradikalen Parteiflügel zugerechneten Bundestagsabgeordneten Helferich reagierten darauf mit einer Blockadestrategie und nominierten nach Parteiangaben mehr als hundert Bewerber für einen einzelnen Listenplatz, um den Parteitag zu verzögern und weitere Verhandlungen über die Listenaufstellung zu erzwingen.
Helferich wirft Meyer-Soltau vor, ihn während des Parteitags beleidigt und so gegen seinen Stuhl gestossen zu haben, dass er sich habe festhalten müssen, um nicht zu stürzen. Meyer-Soltau weist die Vorwürfe zurück und spricht seinerseits von haltlosen Anschuldigungen. Sein Anwalt forderte Helferich auf, die Behauptungen zu unterlassen, und stellte Strafantrag wegen des Verdachts der Verleumdung.
Während des Parteitags wurden mehrfach Vorwürfe laut, Delegierte seien unter Druck gesetzt oder mit parteiinternen Konsequenzen bedroht worden, um ihr Abstimmungsverhalten zu beeinflussen. Mehrere Redner schilderten entsprechende Vorfälle am Saalmikrofon. Eine unabhängige Bestätigung dieser Anschuldigungen liegt bislang nicht vor.
Zusätzliche Spannungen zeigen interne Chatnachrichten aus dem Umfeld des Vincentz-Lagers, in denen dem Helferich-Lager vorgeworfen wird, den Parteitag gezielt sabotieren zu wollen. Parteichefin Alice Weidel wird darin unter anderem als «Alice Merkel» bezeichnet und der «Zersetzung» der Partei bezichtigt.
Nach aktuellen Umfragen liegt die AfD in Nordrhein-Westfalen bei 17 Prozent.