Äusserungen von US-Präsident Donald Trump zum Ukraine-Krieg sorgen in Moskau für Irritationen. Russlands Aussenminister Sergei Lawrow forderte Aufklärung über die Ergebnisse des G-7-Gipfels im französischen Evian. «Wir wollen verstehen, was in Evian geschehen ist», sagte Lawrow. Auslöser sind Aussagen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, wonach Trump nach den Gesprächen mit den G-7-Staaten zur Überzeugung gelangt sei, Russland sei nicht an einem Frieden in der Ukraine interessiert. Zudem behauptete Macron, frühere Absprachen zwischen Trump und Kremlchef Wladimir Putin seien damit hinfällig geworden.
Jean-Christophe Bott/Keystone
Wie die Bild-Zeitung berichtet, bemühte sich Lawrow zugleich, Spekulationen über einen Kurswechsel Washingtons herunterzuspielen. Berichte, Trump habe der Ukraine grünes Licht für härtere Angriffe auf russisches Territorium gegeben, seien bloss «Wunschdenken». Offizielle Bestätigungen für eine solche Änderung der amerikanischen Politik liegen bislang nicht vor.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgten Trumps jüngste Äusserungen bei einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte im Weissen Haus. Der US-Präsident lobte den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj als «mutig» und erklärte, die Ukraine schlage sich «ziemlich gut». Das Land verfüge über «grossartige Ausrüstung» und «grossartige Kämpfer». Noch vor einem Jahr hatte Trump Selenskyj wiederholt scharf kritisiert.
Auch aus der US-Regierung kommen zuletzt deutlich Ukraine-freundlichere Töne. Der stellvertretende Aussenminister Jeremy Lewin sprach von einem «breiten Konsens» zwischen Trump, Selenskyj und den europäischen Verbündeten. Die Ukraine gewinne den Krieg «im Moment» und habe auf dem Schlachtfeld «die Dynamik verändert», sagte er. Ob diese Signale einen dauerhaften Kurswechsel Washingtons markieren, bleibt jedoch offen.