Dieser Text erschien am 27. August 2025 als Leserbrief in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung – zur FAZ-Ausgabe vom 22. August 2025. Wir dokumentieren die Zuschrift von Herrn Michael Dietz aus Frankfurt am Main im Wortlaut.
Was ist eigentlich bei der von mir so geschätzten FAZ los? Warum schaffen Sie es nicht, unsere politischen Erfolge zu feiern und unsere Regierung dafür zu loben?
BERND VON JUTRCZENKA / KEYSTONE
Man könnte fast meinen, es ärgert Sie, dass es so gut läuft für unseren neuen Kanzler. Nicht nur schafft es das Tridem von der Leyen / Merz / Macron, den verhältnismässig besten Zolldeal der Welt mit den USA zu verhandeln, nein, es gibt auch noch was zurück. Zähneknirschend muss die Nachricht auf die erste Seite. Aber bitte keine Freude, das wäre zu viel des Guten. Steht es doch im krassen Gegensatz zu Ihrer vorschnellen Verurteilung des Zollabkommens in den vergangenen Wochen, das ausgerechnet die FAZ mehrfach als Kniefall vor Amerika bezeichnet hat.
Und es geht in der gleichen Ausgabe weiter. Da haben wir einen Kanzler, der die aussenpolitischen Dinge in die Hand nimmt, Europa in seinen alten Tugenden vereint und noch dazu vom stärksten Mann der Welt ernst genommen wird. Ohne ihn (Merz) wäre es nicht zu dem aussergewöhnlichen Gipfel in Washington gekommen. Was macht die FAZ? Man spricht sogleich vom Aussenkanzler, dem die Weltbühne besser gefallen könnte als zähe Innenpolitik. Diese Anspielung ist anmassend und nicht korrekt.
Die neue Regierung arbeitet innenpolitisch ein Problem nach dem anderen ab. Unsere Migration geht zurück (womit der AfD endlich der Wind aus den Segeln genommen wird), endlich diskutieren wir über sehr unbequeme Themen wie Rentenalter und echte Digitalisierung. Merz ist (Chapeau bei dem Arbeitspensum) auch hier voll aktiv. Die Liste lässt sich endlos fortsetzen.
Warum also schafft es eine FAZ nicht, dies anzuerkennen und das positive Momentum aufzugreifen? Seien Sie gerne kritisch, aber lassen Sie uns doch nicht die Freude über das Erreichte vergessen. Sorry, liebe FAZ, die ersten hundert Tage von Herrn Merz sind nach der politischen Nahtoderfahrung der letzten Jahre ein voller Erfolg. Wo bleibt das Lob für ihn und sein Kabinett, auch wenn es sich vielleicht nicht so gut verkauft?