AfD-Chefin Alice Weidel fordert ein Ende des Boykotts von russischem Öl und Gas und stellt eine Wiederannäherung Deutschlands an Russland in Aussicht. In einem Interview mit Reuters erklärte sie, günstige Energie aus Russland sei das «Geheimnis des Erfolgs» des Wirtschaftsstandorts Deutschland gewesen. «Wir brauchen sie zurück», sagte Weidel. Die Parteivorsitzende verbindet ihre energiepolitischen Forderungen mit dem Anspruch, die AfD spätestens nach der nächsten Bundestagswahl ins Kanzleramt zu führen.
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Weidel begründete ihre Position mit den wirtschaftlichen Folgen des Wegfalls russischer Energielieferungen. Der Verlust günstiger Energie habe Deutschland um Jahre zurückgeworfen, Hunderttausende Arbeitsplätze gekostet und das Land von teureren Energieimporten aus den USA abhängig gemacht. Vor dem russischen Angriff auf die Ukraine bezog Deutschland mehr als ein Drittel seines Rohöls und über die Hälfte seines Erdgases aus Russland. Nach dem Ausfall der Nord-Stream-Pipelines und den Sanktionen stiegen die Energiekosten deutlich, was insbesondere die deutsche Industrie belastete.
Mit Blick auf die Landtagswahlen im September in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sprach Weidel von «entscheidenden Meilensteinen» auf dem Weg zur Regierungsübernahme. Gewinne die AfD in Sachsen-Anhalt, könne auch Mecklenburg-Vorpommern folgen. Den Einzug der AfD ins Kanzleramt hält sie bereits nach der nächsten Bundestagswahl oder spätestens der darauffolgenden für möglich. Ein Erfolg in den ostdeutschen Ländern würde zugleich die bisherige Abgrenzung der etablierten Parteien gegenüber der AfD weiter unter Druck setzen.
Die Aussagen folgen auf eine Russland-Reise des AfD-Bundestagsabgeordneten Markus Frohnmaier. Er traf dort Gazprom-Chef Alexei Miller und sprach sich für eine Wiederinbetriebnahme der Nord-Stream-Pipeline aus. Laut Frohnmaier könnte die Gasversorgung innerhalb von drei Monaten wieder aufgenommen werden. Kritik aus der CDU wies Weidel zurück. Vorwürfe, ihre Partei vertrete extremistische Positionen, bezeichnete sie als unzutreffend. Die AfD sei keine Partei des radikalen Umbruchs. «Wir werden nicht alles auf den Kopf stellen, wenn wir an die Macht kommen», so Weidel. Ihre Partei vertrete die Interessen «normaler Menschen».