Die Nato will ihre Ostflanke mit Tausenden Drohnen, Sensoren, Satelliten und künstlicher Intelligenz gegen einen möglichen russischen Angriff absichern. Dabei sollen Computersysteme zunehmend das Fliegen der Drohnen übernehmen, während Menschen weiterhin entscheiden, welche Ziele angegriffen werden. Das berichtet Politico unter Berufung auf westliche Militärvertreter.
Andriy Andriyenko/AP/Keystone
Das Vorhaben ist Teil der «Eastern Flank Deterrence Initiative». Geplant ist ein digitales Verteidigungsnetz entlang der Grenzen zu Russland und Belarus – von Finnland bis zum Schwarzen Meer. Sensoren sollen mögliche Angriffe erkennen und Informationen mithilfe künstlicher Intelligenz schnell an Soldaten und Waffensysteme weitergeben. Panzer, Kampfflugzeuge und Artillerie sollen dennoch das Rückgrat der Verteidigung bleiben.
Hintergrund ist die wachsende Zahl von Drohnen auf modernen Schlachtfeldern. Der US-Offizier Ben Schiff erklärte, es gebe schlicht nicht genügend Piloten, um künftig riesige Drohnenschwärme gleichzeitig zu steuern. Routinetätigkeiten wie das Fliegen und die Suche nach möglichen Zielen könnten deshalb automatisiert werden. Über einen Angriff solle jedoch weiterhin ein Mensch entscheiden.
Technisch will die Nato zugleich ihre bisher getrennten Informations- und Führungssysteme stärker miteinander verbinden. Daten von Sensoren an der Front sollen unmittelbar zwischen verschiedenen Nato-Staaten, Kommandozentralen und Waffensystemen ausgetauscht werden. Damit soll die Zeit zwischen der Entdeckung einer Bedrohung und einer militärischen Reaktion verkürzt werden.
Als Vorbild dienen Erfahrungen aus dem Ukraine-Krieg. Dort wird künstliche Intelligenz laut Politico bereits für Navigation, Zielerkennung und präzisere Anflüge eingesetzt. Mehr als 200 ukrainische Unternehmen arbeiten demnach an KI-Komponenten für Drohnen, Raketen, Radarsysteme und andere militärische Technik. Auch ukrainische Entwickler betonen allerdings, dass Menschen die endgültige Entscheidung über einen Angriff treffen sollen.
Die Nato will das ukrainische Modell nicht einfach übernehmen. «Wir kopieren die Ukraine nicht», sagte US-Hauptmann Ronan Sefton. «Wir lernen von der Ukraine.»