Altkanzlerin Angela Merkel hat Fehler während ihrer 16-jährigen Amtszeit eingeräumt und zugleich die Politik der Bundesregierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz verteidigt. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erklärte die CDU-Politikerin, Deutschland sei bei Verteidigung, Klimaschutz und Digitalisierung hinter den Erfordernissen zurückgeblieben.
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Mit Blick auf das Nato-Ziel für Verteidigungsausgaben sagte Merkel: «Rückblickend betrachtet waren wir dabei aber nicht schnell genug.» Der Verteidigungsetat sei zwar gewachsen, «der Aufwuchs erfolgte nicht schnell genug». Auch beim Klimaschutz räumte sie Defizite ein. «Da kann ich nicht sagen: Da haben wir gemessen an dem, was notwendig ist, genug getan.» Zur Digitalisierung erklärte sie: «Da sind wir zu langsam gewesen.»
Ihre Entscheidungen in der Migrationskrise verteidigte Merkel dagegen. «Wir haben vieles geschafft, aber natürlich haben wir es nicht zu hundert Prozent geschafft», sagte sie. Die Aufnahme von täglich Zehntausenden zusätzlichen Menschen hätte Deutschland nach ihren Worten nicht bewältigen können. Zugleich verwies sie auf das EU-Türkei-Abkommen, das die Zahl der Ankommenden reduziert habe. Ihr damaliges Nein zu Grenzkontrollen bekräftigte sie und lobte Fortschritte der Europäischen Union in der Migrationspolitik.
Auf die Frage nach dem Aufstieg der AfD sagte Merkel, die Partei sei «vor dem Hintergrund meiner Politik in der Eurokrise» entstanden. Zugleich räumte sie ein: «Natürlich hat meine Entscheidung mit dazu geführt, dass die Umfragewerte für die AfD wieder gestiegen sind.»
Merkel warb zudem um Geduld mit der schwarz-roten Bundesregierung. Die Koalition habe bereits Haushalte beschlossen und grundlegende Entscheidungen bei Verteidigung und Infrastruktur getroffen. Auf die Frage, ob sie der Regierung die notwendigen Reformen zutraue, antwortete sie mit einem klaren «Ja!». Eine Vermittlerrolle im Ukraine-Krieg schloss Merkel aus. Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten seien nur aus einer Position politischer Macht heraus möglich.