Diese Rede hielt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am 24. September vor der Uno-Generalversammlung in New York. Wir dokumentieren sie im Wortlaut und übersetzt.
Meine Damen und Herren,
an diesem Montag, auf meinem Weg nach New York, irgendwo am Himmel über dem grossen und wunderschönen Atlantischen Ozean, las ich den Beitrag von Präsident Trump auf Truth Social. Der Präsident schrieb, dass «Russland aufgrund seines Krieges gegen die Ukraine die Kontrolle über seine Dieselindustrie verloren hat».
SARAH YENESEL / KEYSTONE
Und es ist schwer, sich eine demütigendere Niederlage für ein Land vorzustellen, das einen ständigen Sitz im Uno-Sicherheitsrat hat und so stolz auf seine Ölexporte ist.
Ich zitiere: «Eine grosse Zahl ihrer Dieselraffinerien wurde in die Luft gesprengt und ist zumindest vorübergehend ausser Betrieb.» Ende des Zitats.
Und das stimmt. Russland hat es vermasselt.
Auch die Schlussfolgerung des Beitrags ist richtig: «Dieser lächerliche und niemals endende Krieg mit der Ukraine muss beendet werden.»
Ich kenne keinen einzigen Staats- oder Regierungschef auf der Welt, der etwas anderes sagen würde. Ich kenne niemanden, der offen für diesen Krieg ist … ausser einem Mann.
Meine Damen und Herren,
seit fast fünf Jahren versuchen russische Generäle nun, Putins verrückten Befehl auszuführen, unser Land im Osten – die Region Donezk – einzunehmen.
Allein in diesem Jahr, von Januar bis August, verlor die russische Armee auf dem Schlachtfeld in der Ukraine 248.964 Menschen. In acht Monaten. 248.000. Getötet oder schwer verwundet. 21 Länder der Welt haben weniger Einwohner, als Russland allein in diesen acht Monaten Soldaten verloren hat.
Für jeden einzelnen dieser Verluste haben wir Videobelege. Und das sind nicht einfach Statistiken. Es geht um Menschen. Wir verfügen über ein Archiv mit Drohnenvideos – Videos, die zeigen, wie Tausende und Abertausende Russen in Todeszonen ihr Leben verlieren.
Es ist Wahnsinn. Aber sie gehen weiterhin dorthin, um zu sterben. Weil Putin es so will.
Nachdem Russland so viele Menschen verloren hat, gelang es ihm in diesem Jahr, etwas mehr als tausend Quadratkilometer unseres Landes einzunehmen – und einen bedeutenden Teil davon haben wir bereits wieder befreit.
Russland ist ein Land, das bereits über 17 Millionen Quadratkilometer eigenes Territorium verfügt – übrigens ganz ohne ukrainisches Gebiet. Um weitere tausend Quadratkilometer hinzuzugewinnen, bezahlt Putin also mit 248 Menschen pro Quadratkilometer.
Glaubt noch irgendjemand, dass er vernünftig und gemässigt ist?
Sein Genosse, der Machthaber Nordkoreas, schickte seine Truppen nach Russland, um die Schwachstellen der russischen Armee zu unterstützen. Auch die Nordkoreaner erlitten Verluste. Schwere Verluste.
Sie haben wahrscheinlich die Bilder aus Pjöngjang gesehen, als dort die Gefallenen geehrt wurden.
Auch das ist Wahnsinn. Warum sollten Koreaner ihr Leben in einem Krieg gegen die Ukraine geben?
Kim Jong Un benutzt sie wie eine Währung. Und er bekommt etwas dafür zurück. Nordkoreas Nachbarn – und Länder in ganz Asien – haben wahrscheinlich bereits die verbesserten ballistischen Raketen und die deutlich grösseren Drohnenfähigkeiten Pjöngjangs bemerkt.
Ein Krieg also, der nicht rechtzeitig verhindert, nicht rechtzeitig gestoppt und für den Russland nicht rechtzeitig bestraft wurde, breitet sich immer weiter aus – und mit ihm breitet sich das Böse aus.
Vor kurzem haben wir zwei nordkoreanische Kriegsgefangene nach Südkorea geschickt. Diese Männer sind nicht leicht lebend gefangen zu nehmen. Einer von ihnen versuchte, sich das Leben zu nehmen, als ihm klar wurde, dass er in Gefangenschaft geraten würde. Und er war schockiert darüber, dass das Schicksal ihn nicht hatte sterben lassen.
So werden die Menschen im Norden erzogen. Das ist die Realität. Man nimmt ihnen ihre Freiheit. Man nimmt ihnen ihr Recht auf eine eigene Entscheidung. Und man hämmert ihnen ein, dass sie sterben müssen – ganz gleich, was geschieht.
Wollen Sie einer solchen Macht wirklich noch mehr Zeit geben, um zu lernen, wie man Krieg führt?
Das geht nun schon seit fünf Jahren so.
Und wir wissen, dass Putin Vertretern des amerikanischen Präsidenten kürzlich erneut versprochen hat, unsere Region Donezk einzunehmen. Er sagte, er brauche nur noch ein paar Monate.
Das ist wahrscheinlich das 17. oder 18. Mal in fünf Jahren, dass er dieses Versprechen abgibt. Es ist immer dasselbe: «Nur noch ein paar, ein paar Monate.»
Und dann verschiebt er die Frist erneut. Putin wird auch dieses Mal scheitern.
Aber danach wird er der Welt wieder klarmachen, dass ihm selbst unsere Region Donezk nicht genügt. Er will weitere unserer Städte – Odessa und Charkiw. Dnipro und andere. Irgendjemand im Kreml hat sogar ein Bild mit den Worten aufgehängt: «Auf nach Kiew.»
Russland erhebt Ansprüche gegenüber unserem Nachbarn Moldau. Es bedroht ständig Polen und die baltischen Staaten.
Russland zeigt keinerlei Respekt vor der Staatlichkeit der Länder des Südkaukasus und Zentralasiens.
Und leider wissen auch die Menschen in Syrien und in ganz Afrika sehr genau, was russische Killer sind.
Irgendetwas scheint Putin immer davon abzuhalten, einfach zu sagen: «Das war’s. Genug. Frieden.»
Irgendetwas hält ihn immer davon ab, anzuerkennen, dass 17 Millionen Quadratkilometer eigenes Territorium – international von Ihnen allen anerkannt – für diesen Mann eigentlich genug sein sollten.
Putin sucht ständig nach jemandem, der ihm dabei hilft, für jeden Quadratkilometer Land noch mehr Menschen zu töten, noch mehr Territorium einzunehmen und ein weiteres Land anzugreifen – anstatt einfach aufzuhören und sein eigenes Land zu regieren.
Können Sie sich ihn nach all dem überhaupt noch ohne Krieg vorstellen? Er ist «Patient null» – derjenige, von dem aus sich diese Idee des Krieges immer weiter ausbreitet. Und wo immer sie sich ausbreitet, bringt sie nur Schmerz, Instabilität, neue Risiken und natürlich neue Krisen. Je mehr Freiheit Putin zum Handeln hat, desto gefährlicher wird die Welt für alle anderen.
Deshalb muss «Patient null» gestoppt werden. Man muss ihm den Handlungsspielraum nehmen – und den Raum, dieses Böse weiterzuverbreiten.
Meine Damen und Herren,
als ich im vergangenen Jahr hier sprach, sagte ich, dass wir in einer Zeit leben, in der Waffen darüber entscheiden, wer überlebt.
Und ich habe gesagt: Wenn eine Nation Frieden will, muss sie an starken Waffen arbeiten. Genau das tut die Ukraine.
Und deshalb hören wir nun zum ersten Mal in der Geschichte Russlands, dass sein ganzer Stolz – seine Ölindustrie – auf dem letzten Tropfen läuft.
Aber das Öl selbst ist nicht das Ziel der Ukraine, nicht unser Ziel. Nicht Benzin oder Diesel. Nicht Fabriken oder Häfen an sich.
Unser Ziel ist Russlands Fähigkeit, diesen Krieg zu finanzieren, ihn in die Länge zu ziehen und ihn brutaler und zerstörerischer zu machen.
Russlands Finanzen und Russlands Produktion müssen gestoppt werden, wenn Putin gestoppt werden soll.
Und unsere grossartigen Soldaten und unsere Waffen arbeiten dafür – und nur dafür. Die Unterstützung der Welt für die Ukraine hilft uns dabei. Und ich bin allen dankbar, jedem einzelnen Land, das an unserer Seite steht – an der Seite der Ukraine – und unserem Volk hilft.
Sanktionen, Unterstützungspakete, unsere gemeinsame Waffenproduktion – all das ist natürlich wichtig. All das macht uns stärker.
Wenn jemand Russland durch Handel mehr Geld gibt, gibt er diesem Krieg mehr Zeit. Genau deshalb bestehen wir darauf, den Handel mit dem Aggressor einzuschränken – und deshalb verbrennen wir selbst Russlands Einnahmen.
Viele von Ihnen hier haben mehr als einmal erlebt, wie der Missbrauch des Vetorechts bei der Uno die Welt schwächt und den Frieden in weitere Ferne rückt. Wenn Russland Geld hat, sagt es immer «nein» – «nein» zur Diplomatie. Und auch das ist eine Art Veto gegen den Frieden – kein offizielles Recht, aber ein reales.
Und wenn irgendwo auf der Welt jemand die Sanktionen gegen russische Oligarchen abschwächt, mag das das Leben reicher Russen angenehmer machen – aber es gibt dem Krieg auch mehr Zeit, mehr Zeit für Putin, arme Menschen in die Todeszone zu schicken. Deshalb müssen Russlands Einnahmen ein Ziel bleiben.
Russlands Haushaltsdefizit ist heute grösser als in jedem anderen Jahr, und die meisten russischen Regionen sind bereits bankrott.
Russland plante für diesen Sommer grosse Operationen an der Front. Sie alle sind gescheitert.
Russlands Wette auf Marschflugkörper und «Shaheds» ging nicht so auf, wie Putin es geplant hatte. Sie richten weiterhin Schaden an, aber sie haben uns nicht gebrochen. Wir haben unsere Verteidigung aufgebaut.
Was uns derzeit wirklich Schwierigkeiten bereitet, sind russische ballistische Raketen und ihre neuen düsengetriebenen «Shaheds» – iranische Technologien.
Stellen Sie sich das einmal vor.
Seit Beginn dieses Jahres hat Russland bereits mehr als 2100 Raketen unterschiedlicher Typen gegen uns eingesetzt – gegen die Ukraine, gegen unsere Menschen und gegen unsere Kinder. Mehr als 950 davon waren ballistische Raketen. In acht Monaten dieses Jahres setzte Russland 63.000 Angriffsdrohnen unterschiedlicher Typen gegen die Ukraine und unser Volk ein. Mehr als 7700 davon waren düsengetriebene «Shaheds» – wirklich zerstörerische und sehr gefährliche Waffen.
Denken Sie darüber nach.
Die Russen starten jede Stunde düsengetriebene «Shaheds» – jede Stunde – gegen unsere Städte, unsere Wirtschaft und unsere Infrastruktur. Unsere Kampfflugzeuge bekämpfen sie rund um die Uhr. Und das ist Teil der russischen Strategie: jede Stunde eine Bedrohung aus der Luft zu schaffen, das Leben für die Wirtschaft zu erschweren, das Leben der Menschen zu stören und Kinder daran zu hindern, zur Schule zu gehen – einfach nur zur Schule.
Würde Ihr Land überleben, wenn Sie – Gott bewahre – mit etwas Derartigem konfrontiert wären?
Die Ukraine hat es geschafft.
Unsere Soldaten haben bereits vier neue düsengetriebene Abfangdrohnen erfolgreich gegen russische düsengetriebene «Shaheds» getestet.
Deshalb fahren wir die Produktion hoch. Und natürlich werden wir auch einen Schutz gegen diese Bedrohung aufbauen.
Gemeinsam mit unseren Partnern haben wir ausserdem ein Programm zur Abwehr ballistischer Raketen gestartet: Freyja.
Zehn Länder sind bereits daran beteiligt: die Ukraine, Norwegen, Schweden, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Italien, Grossbritannien, Spanien und die Niederlande. Vergangene Woche habe ich Polen eingeladen, sich anzuschliessen. Ausserdem führen wir Gespräche mit einigen weiteren verbündeten Regierungen, die Freyja beitreten wollen. Und wir bleiben offen für jedes Land, das zum Aufbau eines Schutzes gegen ballistische Raketen beitragen kann.
Unser Freyja-Programm ersetzt keine bewährten und wirksamen Systeme wie beispielsweise Patriot oder modernisierte SAMP/T-Systeme zur Raketenabwehr.
Wir wollen ein System entwickeln, das in wesentlich grösserem Umfang und zu geringeren Kosten produziert werden kann – ein System, das zu einem integrierten Bestandteil der Verteidigung der Ukraine und Europas werden kann.
Eines, das jeder freiheitsliebenden Nation helfen kann.
Die weltweite Warteliste für Systeme zur Abwehr ballistischer Raketen ist sehr lang. Es gibt immer mehr Bedrohungen durch ballistische Raketen. Und die industriellen Kapazitäten derjenigen, die sich für den Krieg entscheiden, sind enorm.
Deshalb müssen wir genügend Schutz produzieren, damit jeder Mensch in diesem Saal sagen kann: Mein Volk ist wirklich geschützt.
Das ist unser Ansatz für Sicherheit.
Heute können selbst die reichsten Länder der Welt nicht genügend Abfangraketen beschaffen. Die derzeitige Produktion reicht schlicht nicht aus. Und selbst jene Länder, die jahrelang Vorräte an Abfangraketen aufgebaut haben, haben bereits einen grossen Teil davon verbraucht.
Leider ist das selbst am Golf die Realität, wo die Länder wirklich daran gearbeitet haben, starke Systeme zur Abwehr ballistischer Raketen aufzubauen.
Deshalb brauchen wir ein neues Programm. Wir brauchen Freyja. Schliessen Sie sich diesem gemeinsamen Vorhaben an.
Und ja, manchmal mag es so erscheinen, als konzentriere sich die Ukraine ausschliesslich auf den Krieg, weil wir über Waffen sprechen, über Verteidigung und über Sanktionen gegen den Aggressor.
Aber die Ukrainer haben diesen Krieg nicht gewählt. Wir haben uns dafür entschieden, nicht zu sterben. Unser Land und unsere Familien nicht zu verlieren. Unsere Unabhängigkeit und unsere Freiheit nicht zu verlieren.
Und wir verteidigen uns. Und ich bin sicher, dass das nicht nur für uns von Bedeutung ist.
Die meisten von Ihnen hier sind so, wie die Ukraine vor diesem Krieg war. Sie sind friedliche Nationen. Und Sie denken nicht jede Sekunde an Krieg. Aber das bedeutet nicht, dass Sie schwach sind – und diejenigen, die Ihnen möglicherweise Schaden zufügen wollen, sollten diesen Fehler nicht machen.
Die meisten von Ihnen besitzen keine Atomwaffen. Sie haben nicht die Gewohnheit, Ihre Nachbarn anzugreifen. Und vielleicht verfügen Sie auch nicht über das Geld, um jahrelange Kriege zu finanzieren. Aber das bedeutet nicht, dass Sie keine Chance haben, sicher zu bleiben – diejenigen abzuschrecken, die Sie bedrohen könnten, jeden potenziellen Angreifer zweimal nachdenken zu lassen und Ihr Leben und natürlich Ihr Volk zu schützen.
Die Ukraine hat bewiesen, dass man selbst gegen einen wesentlich grösseren Feind standhalten und überleben kann.
Und wir verfügen auch über das Format der «Drone Deals». Dabei geht es nicht einfach um den Verkauf von Drohnen. Natürlich nicht. Es geht um die Zusammenarbeit mit anderen Ländern beim Aufbau eines modernen, integrierten Verteidigungssystems gegen Drohnenbedrohungen – in der Luft, auf See und an Land.
Und es geht nicht nur darum, den Himmel zu schützen.
Drohnen helfen uns, unsere Grenzen zu kontrollieren – das ist wichtig –, ebenso Bergregionen und natürlich Strassen. Ohne sie wäre das schlicht unmöglich. Es geht auch um den Schutz kritischer Infrastruktur, um Widerstandsfähigkeit und darum, Ressourcen und Verteidigungskräfte so zu organisieren, dass kritische Infrastruktur und Transportwege selbst unter schwierigsten Bedingungen weiter funktionieren können. Auch das ist Bestandteil der Vereinbarungen, die wir anbieten.
Das sind fertige Sicherheitsmodelle, die wir an jedes einzelne Land und jede einzelne Region anpassen.
Über «Drone Deals» arbeiten wir bereits mit Partnern am Golf, im Südkaukasus und in ganz Europa zusammen.
Heute habe ich einen «Drone Deal», einen bedeutenden «Drone Deal», mit Finnland unterzeichnet – und das ist bedeutsam. Ebenfalls heute habe ich ein Sicherheitsabkommen mit Australien unterzeichnet – und auch Drohnen sind Teil davon. Wir bereiten «Drone Deals» mit Kanada und weiteren Ländern vor.
Als Russland diesen Krieg begann, hätte es sich niemals vorstellen können, dass ukrainische Langstreckendrohnen eines Tages seine Fabriken, seine Militärfabriken irgendwo in Sibirien und auf der Jamal-Halbinsel erreichen würden – Tausende Kilometer von unserer Grenze entfernt. Tausende.
Kein russischer Admiral hätte erwartet, dass wir in der Lage sein würden, Russlands Stolz zu versenken – Kreuzer, die eigentlich die Meere beherrschen sollten, aber unsere Marinedrohnen nicht überlebten.
Neben verschiedenen Drohnentypen produzieren wir auch eine breite Palette konventioneller Waffen – schnell, kostengünstiger als viele andere Länder und erprobt im modernen Krieg.
Die Ukraine baut ihre eigene Sicherheit so auf, dass wir unsere Rolle als echter Sicherheitsanbieter stärken – und anderen dabei helfen können, Schutz zu erhalten, der sich bei uns bereits bewährt hat und der den Raum für das Entstehen und die Ausbreitung von Kriegen in der Welt tatsächlich verkleinern kann. Frieden durch Schutz.
Meine Damen und Herren,
denken Sie nur einmal darüber nach:
Kein russischer Funktionär hätte sich je vorstellen können, dass «General Winter», der jahrhundertelang auf Russlands Seite gekämpft hatte, eines Tages die Seiten wechseln und diejenigen unterstützen würde, die sich gegen Russland verteidigen.
Wir werden dafür sorgen, dass dies in diesem Winter geschieht, falls Russland weiterhin unser Energiesystem und unsere Wärmeversorgung angreift.
Die Ukrainer wissen, dass dieser Winter für uns sehr hart werden könnte. Aber als Antwort darauf werden wir keine andere Wahl haben, als ihn auch für Russland schmerzhaft zu machen.
Und genau deshalb sagen wir, dass Schritte zur Deeskalation wichtig sind und noch vor dem Winter erfolgen müssen. Jetzt.
Wir brauchen Diplomatie – und wir brauchen Stärke. Und Schritt für Schritt schliessen wir die Lücken in beiden Bereichen.
Gestern haben wir uns mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten getroffen, und genau darüber haben wir gesprochen.
Leider hatten wir keine Gelegenheit, direkt mit dem chinesischen Staatschef zu sprechen – der heute in Amerika ist, aber nicht hier. Und er ist jemand, der Russland ebenfalls beeinflussen kann – stärker als viele, viele andere. Und wir würden uns wünschen, dass er den Frieden genauso sehr will wie wir in der Ukraine.
Wir glauben, dass die Welt die Macht hat, dies zu erreichen. Wir sind überzeugt, dass die Welt es braucht.
Dabei geht es um Energie. Um kritische Infrastruktur. Es geht um Ernährungssicherheit. Es geht um das Leben vieler, vieler Menschen in vielen Ländern.
Und es geht darum, die rasante Entwicklung von Waffen zum Töten endlich zu verlangsamen – eine Entwicklung, die sich während dieses gesamten Krieges fortgesetzt hat und bereits zu einer globalen Bedrohung geworden ist.
Wir müssen sie verlangsamen, bevor wir die nächste Stufe erreichen.
Denn bereits im kommenden Jahr besteht die reale Möglichkeit, dass KI – und nicht mehr nur Menschen – darüber entscheiden wird, was auf dem Schlachtfeld geschieht.
Und wir brauchen Frieden, bevor wir diesen Punkt erreichen.
Meine Damen und Herren,
Russlands Machthaber, «Patient null», der Mann, von dem dieser Krieg ausging und von dem aus er sich in die Welt ausbreitete und zum grössten Krieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg wurde, wird diese Welt unweigerlich eines Tages verlassen. Aber je länger Putin Krieg führen kann, desto mehr Böses wird er in dieser Welt zurücklassen.
Heute funktioniert im Krieg nichts mehr so wie 2022 – mit Ausnahme des Mutes der Menschen. Alles hat sich verändert. Und wer weiss, ob Mut in Zukunft noch auf dieselbe Weise funktionieren wird.
Wenn man einigen der grössten Verfechter der KI-Entwicklung zuhört, sagen sie heute, dass KI noch weitgehend digital ist, eines Tages aber aus der digitalen Welt heraustreten und beginnen wird, «Atome zu formen». Und wenn das geschieht, sollten wir besser Frieden haben. Wir müssen die bereits bestehenden Kriege auf jeden Fall beenden.
Die Ukraine verdient Sicherheit. Genauso wie Sie alle. Jedes Land. Und jede Nation.
Und noch etwas.
Seit Wochen warnen die Europäer davor, dass Russland noch weiter gehen könnte – nach Europa hinein, sogar auf Nato-Gebiet. Die Staats- und Regierungschefs verfügen über Geheimdienstinformationen über russische Absichten. Und jetzt möchte ich mich nicht an Europa wenden. Ich möchte zu jenen Ländern sprechen, deren Menschen Russland möglicherweise in einem weiteren absolut brutalen Feldzug einsetzen will.
Wir hatten nicht nur nordkoreanische Kriegsgefangene.
Wir wissen, dass Russland Bürger aus 47 Ländern in seinem Krieg einsetzt – in diesem Krieg. Ghana, Nepal, Tadschikistan, Indien, Jemen, Kenia, Simbabwe, Kuba, Belarus, Sudan, Südafrika und viele, viele andere.
Und von Zeit zu Zeit erhalten wir Anfragen, bestimmte Kriegsgefangene in ihre Heimat zurückzuschicken.
Auf den Videos unserer Drohnen sehen wir zudem Menschen auf dem Schlachtfeld sterben, die keine Russen sind. Menschen aus Ihren Ländern – aus 47 Ländern –, die durch Täuschung und Tricks nach Russland gelangt sind.
Deshalb möchte ich mich direkt an jeden Vertreter dieser 47 Länder wenden:
Sie wissen, was Russland mit Ihren Menschen, Ihren Bürgern macht. Kümmern Sie sich um sie. Und lassen Sie nicht zu, dass sie an einer weiteren Front landen.
Lassen Sie nicht zu, dass Putin Sie in seinen Krieg hineinzieht. Lassen Sie nicht zu, dass Russland seine Brände mit dem Leben Ihrer Menschen löscht, seine Schande verdeckt und für seinen Wahnsinn mit dem Leben Ihrer Menschen bezahlt. Begrenzen Sie seinen Handlungsspielraum. Begrenzen Sie sein Geld. Begrenzen Sie seinen Krieg.
Und bitte: Seien Sie hier nicht die Letzten, die sich jenen anschliessen, die das Leben verteidigen. Seien Sie die Ersten, die sagen können: «Wir haben Sicherheit garantiert.»
Vielen Dank an alle, die helfen. Vielen Dank an alle, die an unserer Seite stehen, an der Seite unseres Volkes, unserer Kinder, der Ukraine.
Slawa Ukrajini – Ruhm der Ukraine!