Droht nach der Lehman-Pleite von 2008 die nächste globale Finanzkrise? Davon zeigt sich Isabelle Buscke von der Finanzorganisation Finance Watch überzeugt. Im Interview mit der Taz nennt sie gleich mehrere Gefahren, die sich nach ihrer Einschätzung gegenseitig verstärken: die Energie- und Klimakrise, geopolitische Konflikte, überbewertete KI-Aktien sowie eine aus ihrer Sicht unzureichende Regulierung der Finanzmärkte.
Christian Charisius/DPA/Keystone
Besonders kritisch beurteilt Buscke die milliardenschweren Investitionen vieler Banken in fossile Energien. Sollten die Klimaziele des Pariser Abkommens konsequent umgesetzt werden, könnten diese Vermögenswerte drastisch an Wert verlieren oder sogar wertlos werden. «Sie werden wie von einem Tornado weggefegt», sagt sie. Ein solcher Wertverlust könne nicht nur einzelne Banken treffen, sondern das gesamte Finanzsystem destabilisieren.
Als weiteres Risiko nennt Buscke den Boom rund um künstliche Intelligenz. Die hohen Börsenbewertungen vieler Technologieunternehmen stünden in keinem Verhältnis zur schwachen wirtschaftlichen Entwicklung. Breche das Vertrauen der Anleger weg, könnten die Märkte abrupt korrigieren. Besonders anfällig sei das sogenannte Schattenbankensystem mit Hedge Funds und grossen Vermögensverwaltern, das deutlich weniger streng überwacht werde als klassische Banken.
Scharfe Kritik übt Buscke zudem an der europäischen Politik. Ausgerechnet jetzt würden Schutzmechanismen gelockert, die nach der Finanzkrise 2008 eingeführt worden seien. Dabei hätten die Zusammenbrüche der Silicon Valley Bank und der Credit Suisse erst vor wenigen Jahren gezeigt, wie schnell neue Schockwellen entstehen könnten. Dass daraus keine weltweite Finanzkrise geworden sei, sei ein Erfolg der Regulierung. Diese nun wieder zurückzufahren, hält Buscke für einen Fehler.