Als Audrey Werro am Sonntagabend am Diamond-League-Meeting in Stockholm die Ziellinie überquerte, schien zunächst niemand so recht zu verstehen, was da gerade passiert war.
Die Kommentatoren sprachen über den packenden Zweikampf mit Olympiasiegerin Keely Hodgkinson. Über den fulminanten Schlussspurt der 22-jährigen Freiburgerin zum Sieg.
Dann erschien die Zeit auf der Anzeigetafel: 1:53,98. Und aus dem grossartigen 800-Meter-Rennen wurde mit einem Schlag eine historische Leistung.
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Die Schweizerin verbesserte ihren eigenen Landesrekord um beinahe zwei Sekunden. Vor allem aber lief sie die drittschnellste 800-Meter-Zeit der Geschichte.
Schneller waren vor ihr nur zwei Frauen: Jarmila Kratochvilova, 1:53,28 in München, 1983, und Nadeschda Olisarenko, 1:53,43 in Moskau, 1980. Zwei Marken aus der Ostblock-Ära, über denen bis heute der Schatten des Staatsdopings liegt.
Anders gesagt: Werro ist die schnellste Frau seit 43 Jahren. Und vermutlich die schnellste, der man die Zeit auch glaubt.
Man spricht schnell von Ausnahmetalenten. Von Weltklasse, von Sternstunden. Diesmal greifen die Floskeln zu kurz.
Die Schweiz hat grosse Läuferinnen und Läufer hervorgebracht. Markus Ryffel, Anita Weyermann, Mujinga und Ditaji Kambundji, André Bucher. Buchers Weltmeistertitel über 800 Meter, 2001, galt als einsamer Massstab. Bis jetzt.
Und Werro? Sie schien das alles am wenigsten zu fassen. «Es ist crazy», sagte sie schulterzuckend. Mehr fiel ihr nicht ein.
Der Sieg über Hodgkinson war die Schlagzeile des Abends. Die 1:53,98 ist der Eintrag in die Geschichtsbücher.
Oder in Werros Worten: Es ist crazy.