Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner gerät wegen einer weiteren nachweislich falschen Aussage zu seinem Krisenmanagement während des grossen Stromausfalls Anfang Januar zunehmend unter Druck. Neue Recherchen des Tagesspiegels zeigen, dass Wegners Behauptung, den Vormittag des 3. Januar mit dienstlichen Telefonaten verbracht zu haben, nicht zutrifft. Vor 12.45 Uhr führte er demnach kein entsprechendes Gespräch.
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Die neuen Erkenntnisse lösen scharfe Reaktionen aus Opposition und Regierungsumfeld aus. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach erklärte, der «menschliche Anstand» gebiete einen Rückzug Wegners. FDP-Landeschef Christoph Meyer bezeichnete einen Regierungschef, der die Bürger mehrfach belogen habe, als untragbar. FDP-Bundesparteichef Wolfgang Kubicki sprach sich zwar ebenfalls für einen Rücktritt aus, forderte Wegner jedoch auf, bis zur Wahl im Amt zu bleiben, damit die Berliner über seine politische Zukunft entscheiden könnten.
Auch Linke, Grüne und AfD verschärften ihre Kritik. Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp erklärte: «Wer dreimal lügt, den wählt man nicht.» Grünen-Politikerin Bettina Jarasch warf Wegner vor, das Vertrauen der Berliner verspielt zu haben. AfD-Fraktionschefin Kristin Brinker bezeichnete den CDU-Politiker als charakterlich ungeeignet für das Amt.
Bereits zuvor war bekannt geworden, dass Wegner am ersten Tag des Stromausfalls zeitweise Tennis gespielt hatte, obwohl er zunächst erklärt hatte, den ganzen Tag mit Krisentelefonaten beschäftigt gewesen zu sein. Ebenfalls als falsch erwies sich seine frühere Aussage, bereits am Morgen mit dem Bundeskanzleramt telefoniert zu haben. Tatsächlich fanden diese Gespräche erst später statt.
Der mutmasslich linksextrem motivierte Brandanschlag auf eine Kabelbrücke hatte Anfang Januar rund 100.000 Menschen zeitweise ohne Strom gelassen. Wenige Wochen vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl verschärft die Affäre den Druck auf den CDU-Spitzenkandidaten zusätzlich.