Deutschland drosselt oder stoppt die Stromproduktion aus Wind- und Solaranlagen immer häufiger. Das geht aus einer Analyse des Energiemarktdienstleisters Montel hervor, auf die sich Euronews stützt. Gleichzeitig treibt der Krieg gegen den Iran die Preise für Öl und Gas in die Höhe und beschleunigt damit den Umstieg Europas auf erneuerbare Energien.
Keystone
Im ersten Halbjahr 2026 stieg die sogenannte kommerzielle Abregelung erneuerbarer Energien in Deutschland um 20 Prozent auf 1463 Gigawattstunden. Gleichzeitig sank die Zahl der Stunden mit negativen Strompreisen von 389 auf 299, ein Rückgang um 23 Prozent. Das bedeutet: Obwohl negative Strompreise seltener auftreten, werden deutlich mehr Wind- und Solaranlagen abgeschaltet. Hintergrund sind geänderte Förderregeln. Seit Inkrafttreten des deutschen «Solarspitzengesetzes» Anfang 2025 verlieren neugebaute Anlagen ihren Anspruch auf Förderzahlungen, sobald die Börsenstrompreise unter null fallen. Für Betreiber lohnt es sich deshalb oft nicht mehr, Strom weiter ins Netz einzuspeisen.
In den meisten anderen untersuchten Ländern entwickelte sich die Lage anders. Frankreich reduzierte die kommerzielle Abregelung trotz häufiger negativer Strompreise um 32 Prozent. Dort setzen die Förderregeln stärkere Anreize, die Stromproduktion auch bei ungünstigen Marktpreisen aufrechtzuerhalten. Finnland verzeichnete mit einem Rückgang von 89 Prozent den stärksten Rückgang unter den zehn untersuchten Staaten. Auch Belgien, die Niederlande, Polen und die Schweiz meldeten sinkende Werte.
Nach Einschätzung der Autoren hängt der Umfang der Abschaltungen nicht allein vom Ausbau erneuerbarer Energien ab. Entscheidend seien auch die Ausgestaltung des Strommarktes, Fördermechanismen sowie Investitionen in Speicher und flexible Stromnachfrage. Als wichtigste Lösungen nennen sie den Ausbau von Batteriespeichern, intelligente Stromzähler und variable Stromtarife, damit überschüssiger Wind- und Solarstrom besser genutzt statt abgeschaltet wird.