Die Schifffahrt durch die Strasse von Hormus wird nach Einschätzung von der Firma NYK, einer der grössten Reedereien und Logistikkonzerne der Welt, auch bei einer stabilen Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran noch monatelang deutlich eingeschränkt bleiben. Das sagte NYK-Chef Takaya Soga der Financial Times. Grund seien Minen in den wichtigsten Schifffahrtsrouten sowie die stark begrenzten Ausweichkorridore, die nur einen Bruchteil des früheren Verkehrs zulassen.
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Nach Angaben des Generalsekretärs der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation IMO, Arsenio Dominguez, hat der Iran rund achtzig Minen in den Hauptfahrwassern der Meerenge verlegt. Das Friedensabkommen zwischen Washington und Teheran vom 17. Juni sieht zwar vor, dass der Schiffsverkehr innerhalb von dreissig Tagen nach der Neutralisierung der Minen wieder das Vorkriegsniveau erreichen soll. Soga hält dieses Ziel jedoch für unrealistisch. «Die verfügbaren Fahrrinnen sind äusserst begrenzt – sehr schmale Korridore», sagte er. Selbst bei einer sicheren Passage werde das Verkehrsaufkommen «für eine gewisse Zeit bei weniger als der Hälfte des Normalvolumens» liegen.
Die Sorge vor weiteren Zwischenfällen bleibt gross. Die iranischen Revolutionsgarden verlangen, dass Schiffe ihre Durchfahrt mit der Marine koordinieren. Gleichzeitig kam es trotz Waffenruhe zu neuen Angriffen auf Handelsschiffe. Ein von der taiwanischen Reederei Evergreen betriebenes Containerschiff wurde nach der Passage der Meerenge angegriffen. Zudem meldete ein Tanker einen Einschlag eines nicht identifizierten Geschosses, das die Brücke beschädigte.
Der Versicherer Allianz schätzt, dass durch die zeitweilige Sperrung der Strasse von Hormus mehr als 1200 Frachtschiffe mit Waren im Wert von rund 125 Milliarden Dollar aufgehalten wurden. Vor dem Konflikt passierten täglich rund 135 Schiffe die Meerenge, über die etwa ein Fünftel der weltweiten Energieexporte transportiert wird. Die Aussicht auf eine Entspannung hat die Ölpreise zuletzt wieder sinken lassen. Vertreter der Logistikbranche betonen jedoch, dass erst eine dauerhafte Sicherheitsgarantie das Vertrauen der Reedereien zurückbringen werde.