Die Schweiz prüft als Alternative zum verspäteten US-Luftabwehrsystem Patriot das französisch-italienische System SAMP/T. Das sagte Staatssekretär für Sicherheitspolitik Markus Mäder der Financial Times. Hintergrund sind erhebliche Verzögerungen bei den Patriot-Lieferungen. Statt wie geplant ab 2027 könnten die Systeme erst 2032 oder noch später eintreffen.
Peter Klaunzer/Keystone
Mäder machte deutlich, dass Bern die sicherheitspolitische Zusammenarbeit mit den europäischen Nachbarn verstärken will. «Wir wollen mit unserem Umfeld interoperabel sein, und unser Umfeld ist Europa», sagte er. Zugleich betonte er, die Schweiz wolle die bestehenden Beschaffungspläne nicht grundsätzlich aufgeben: «Wir sagen nicht, dass wir vom einen Pferd aufs andere wechseln. Aber wenn ein Pferd nicht schnell genug ist, dann versuchen wir, ein zweites Pferd zu finden.»
Die Schweiz hatte 2022 im Rahmen des Programms Air 2030 fünf Patriot-Einheiten für rund 2,3 Milliarden Franken bestellt. Wegen der Verzögerungen sucht der Bundesrat nun nach einer zusätzlichen Lösung für die weitreichende Luftverteidigung. Nach Angaben der Regierung liegen bereits Antworten und Offerten aus Frankreich, Deutschland, Israel und Südkorea vor. Als europäische Option gilt insbesondere das von MBDA, Thales und Leonardo entwickelte SAMP/T NG.
Die Debatte geht über die reine Beschaffung hinaus. Mäder sieht die Schweiz trotz ihrer Neutralität als Teil der europäischen Sicherheitsarchitektur. «Wir betrachten uns als integralen Bestandteil der europäischen Sicherheit», sagte er. Deshalb strebe Bern auch einen intensiveren Austausch von Luftlagedaten mit den Nachbarstaaten und den USA an.
Die sicherheitspolitische Neuorientierung steht im Zusammenhang mit dem russischen Angriff auf die Ukraine. Dieser sei ein «Wendepunkt» gewesen, der die Schweiz gezwungen habe, ihre bisherigen Annahmen zur Sicherheitslage zu überprüfen, erklärte Mäder. Gleichzeitig betonte er, eine engere Zusammenarbeit mit Europa stehe nicht im Widerspruch zu den Beziehungen zu Washington: «Wir wollen die Zusammenarbeit mit Europa intensivieren und gleichzeitig die gut funktionierende Sicherheits- und Verteidigungskooperation mit den Vereinigten Staaten aufrechterhalten. Für uns ist das kein Widerspruch – es ist beides.»