Tschechiens Präsident Petr Pavel warnt vor einer möglichen Eskalation des Ukraine-Kriegs nach den russischen Parlamentswahlen am 20. September. In einem Interview mit der britischen Zeitung The Telegraph sagte der frühere Vorsitzende des Nato-Militärausschusses, Kremlchef Wladimir Putin könnte nach der Wahl unter anderem eine Generalmobilmachung anordnen, da diese dann auf weniger Widerstand in der Bevölkerung stossen dürfte.
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Bis zu den Wahlen sieht Pavel nach eigenen Angaben ein Zeitfenster dafür, den Druck auf Moskau weiter zu erhöhen. Russland müsse klargemacht werden, dass der Westen zu Verhandlungen bereit sei, gleichzeitig aber die militärische Unterstützung der Ukraine fortsetze. «Präsident Putin wird es schwerfallen, im eigenen Land die Ruhe zu bewahren, wenn die Ukraine weiterhin in der Lage ist, Ziele tief im russischen Hoheitsgebiet erfolgreich zu treffen», sagte Pavel. Die russische Bevölkerung sei zunehmend kriegsmüde. Halte dieser Druck an, könnte Moskau eher zu Verhandlungen bereit sein.
Pavels Einschätzung deckt sich mit Informationen, die Reuters unter Berufung auf drei kremlnahe Quellen veröffentlicht hat. Demnach lehnt Putin Friedensverhandlungen derzeit weiterhin ab und bereitet stattdessen eine Ausweitung des Krieges vor. Zwei der Insider rechnen in den kommenden Monaten mit einer weiteren militärischen Eskalation.
Die Reuters-Informationen stehen im Gegensatz zu den jüngsten Äusserungen von US-Präsident Donald Trump. Dieser hatte nach Telefonaten mit Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erklärt, ein Ende des Krieges sei näher, «als die Menschen glauben». Das Weisse Haus äusserte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur nicht.
Kremlsprecher Dmitri Peskow wies die Reuters-Recherche nicht grundsätzlich zurück. Russland sei bereit für eine friedliche Lösung, verfüge aber zugleich über ausreichende militärische Fähigkeiten dafür, die «militärische Spezialoperation» eigenständig fortzusetzen, erklärte er.