Benjamin Netanyahu bekommt vor der Parlamentswahl im Oktober einen neuen Hauptgegner. Nach mehreren Umfragen liegt der frühere Generalstabschef Gadi Eisenkot vor dem langjährigen Regierungschef und entwickelt sich zum aussichtsreichsten Herausforderer des Likud-Chefs. Das zeigen gegenwärtige Erhebungen, auf die sich die Financial Times stützt.
Ariel Schalit/AP/Keystone
Eisenkot führte die israelischen Streitkräfte von 2015 bis 2019 und stieg erst vor wenigen Jahren in die Politik ein. Nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 gehörte er dem Kriegskabinett Netanyahus an, verliess die Regierung jedoch 2024 im Streit über die Kriegsstrategie und den Umgang mit den Verhandlungen zur Freilassung israelischer Geiseln. Er warf Netanyahu später vor, persönliche Interessen über jene der nationalen Sicherheit gestellt zu haben.
Der 66-Jährige gründete nach seinem Bruch mit Benny Gantz die Zentrumspartei Jashar. In gegenwärtigen Umfragen liegt sie teils knapp vor Netanyahus Likud. Auch bei der Frage nach dem geeigneteren Regierungschef schneidet Eisenkot regelmässig besser ab als der Amtsinhaber. Dennoch bleibt offen, ob das oppositionelle Lager genügend Sitze für eine Regierungsmehrheit erreichen kann.
Eisenkot setzt im Wahlkampf weniger auf weitreichende politische Versprechen als auf den Anspruch, das Land nach den Krisenjahren unter Netanyahu wieder zusammenzuführen. Zu seinen Schwerpunkten zählen die Wehrpflicht für Ultraorthodoxe, eine Untersuchung der Ereignisse vom 7. Oktober sowie eine Rückkehr zu verantwortungsvoller Staatsführung. Netanyahu wiederum versucht, seinen Herausforderer als Linkspolitiker darzustellen, und wirft ihm vor, Israels Sicherheitsinteressen zu gefährden. Eisenkot weist dies zurück und betont seine sicherheitspolitisch harte Haltung.